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Die 100 peinlichsten Berliner 2021: So schlimm war das Jahr wirklich!

Es ist keine richtige Bescherung ohne dieses Geschenk: Wir haben wieder abgestimmt – und die peinlichsten Berliner:innen 2021 gewählt. Es ist unser traditioneller, satirischer, heiter-ernster, schreiend ungerechter Rückblick auf das Jahr. Den es in der letzten tipBerlin-Ausgabe 2021 (E-Tag 22. Dezember) gibt. Einen kleinen Einblick in den Wahnsinn des Jahres haben wir hier für euch. Wir wünschen gute Unterhaltung – und gratulieren Volker Bruch.


Platz 1: „Schwurbylon Berlin“ – Volker Bruch, Schauspieler

Die Peinlichsten Berliner:innen 2021, Spitzenplatz: Volker Bruch, Schauspieler. Foto: Imago/xim.gs

Beim Tanz auf dem Vulkan muss dem „Babylon-Berlin“-Beau zu viel Hitze ins Hirn geraten sein. Anders ist es kaum zu erklären, dass Volker Bruch 2021 vom Seriendarling und Spendensammler für Geflüchtete zum Posterboy der Verschwörungsideologie wurde. Im Frühjahr startete er seine Überdrehtage für „Schwurbylon Berlin“: als eines der mutmaßlichen Masterminds hinter der Aktion #allesdichtmachen, die einen„Bambi“ für besonders unangenehme Leistungen verdient hätte. Bruch: „Ich bin Schauspieler. Und ich habe Angst.“

Während sich Kolleg:innen wie Meret Becker nach Kritik an der Aktion so eilig entschuldigten, als hätten sie die Coronapolitik-skeptischen, bestürzend unlustigen Clips im Absinthrausch aufgenommen, legte Bruch im Herbst mit der Videokampagne #allesaufdentisch nach. Da waren es dann faktenflexible „Expert:innen“, die aufsagten, was manche Hygienedemo-Hansel seit Monaten herumbehaupten. Apropos: Weil der Weimar-geschulte Widerstandsgeist Bruch ein Mann des Volkes ist, bedankte er sich in einem (später gelöschten) Instagram-Post bei den Teilnehmer:innen einer Anti-Impf-Demo in Wien. Dort auch zugegen: FPÖler und Neonazis mit „Heimatschutz statt Mundschutz“-Bannern.

Prognose 2022 Podcast „Cui Bono: WTF happened to Volker Bruch“, zwölf Folgen.


Platz 6: „Wahnsinns-Votum“ – Berliner Wahlchaos auf allen Ebenen

Na wartet! Wahltag in Berlin heißt: Warten, Hoffen, Bangen. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Nur in Berlin kann man die vortreffliche Idee haben, auf eine Dreifach-Wahl (Bundestag, Abgeordnetenhaus, BVVs) neben der Abstimmung über einen Volksentscheid auch noch einen Marathon zu veranstalten. Über Stunden harrten Berliner:innen vor den Wahllokalen aus, hier und da gingen die Wahlunterlagen aus, mal waren es auch die falschen, der Nachschub blieb aufgrund der Marathon-Straßensperrungen aus, und einige konnten ihr Votum sogar der 18-Uhr-Wahlprognose anpassen, weil sie erst weit nach eigentlichem Wahlschluss zur Urne durften. Es wäre zu leicht, dafür allein die Landeswahlleiterin Petra Michaelis verantwortlich zu machen, die zurücktrat. Sonst ist nämlich in der Stadtpolitik rein niemand für das Chaos verantwortlich. Aber das auf allen Ebenen.

Prognose 2022 Wahlbeobachter der OSZE auf Wohnungssuche in den Innenstadtkiezen.


Platz 10: „Mindesthohn“ – Kağan Sümer, Gorilla-CEO

Der Joule-Dealer unter den Start-up-Entrepreneuren erweiterte den Spätkapitalismus um feudale Herr-und-Diener-Beziehungen. Sein konsumsteigerndes Modell: dass sich die Couch Potatoes der urbanen Mittelklasse ihre Chips und Rucola-Blätter von unterbezahlten Sherpas auf Rädern vor die Tür tragen lassen. Blöd nur, dass diese „Rider“ sodann streikten. Der Hire & Fire-CEO feuerte daraufhin manche Flitzer. Nach dem Sieg der SPD bei den Bundestagswahlen gab er den Sozialrevolutionär. Er erhöhte den Mindestlohn auf zwölf Euro – ein gönnerhaftes Dutzend, das mit der Ampel-Regierung sowieso Gesetz wird.

Prognose2022 Lässt an der EastSideGallery den Gorilla-Campus bauen – mit Tiefgarage für die Rider.


Platz 32: „Karrierekniff“ – Franziska Giffey, neue Regierende Bürgermeisterin von Berlin, SPD

Nur Geduld! Franziska Giffey, Spitzenkandidatin der SPD Berlin, bei ihrer Stimmabgabe zur Abgeordnetenhauswahl. Foto: Imago/Political-Moments

„Für Berlin reicht’s“ war das Bonmot, als Franziska Giffey im Mai als Bundesfamilienministerin zurücktrat, aber SPD-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl blieb – nachdem ihr der Doktortitel in der Plagiatsaffäre um ihre Dissertation endgültig abhanden kam. Warum bei einer Ministerin andere Maßstäbe gelten sollen als bei einer Senatschefin, kann ihr jetzt schnurz sein. Per Karriereknick Karriere zu machen, schaffen die wenigsten.

Prognose 2022 Viel Ärger mit den Linken.


Platz 61: „Love hurts“ – Richard Kruspe, Rammstein-Gitarrist

Rammstein-Gitarist Kruspe: Stalingrad-Version eines Klassiker. Foto: Imago/APP-Photo

Was können Elvis und die Pet Shop Boys, was Richard Zven Kruspe nicht vermag? „Always On My Mind“ singen, ohne zu klingen wie ein sadistischer Turnlehrer auf der Balz. Im Duett mit Band-Buddy Till Lindemann, der uns 2021 dankenswerterweise mit libidinösen Gruselgedichten verschont hat, quält sich Kruspe auf dem neuen Album seines Soloprojekts Emigrate durch die Stalingrad-Version des eigentlich (!) unkaputtbar schönen Klassikers – wie auch im Alleingang durch weitere, in sauerkrautigstem Englisch gedichtete Brachialflops, die uns wünschen lassen, der Rammstein-Gitarrist würde mal lieber die Duolingo-Sprachlern-App als die Elektrische rocken.

Prognose 2022 Covert „I Will Always Love You“ mit Alice Cooper.


Platz 76: „Sonnenstich“ – Dirty Doering, DJ

Wie ein Wandervogel auf LSD zog die Bar-25-Legende Dirty Doering auf Flucht vor dem Winterlockdown gen Süden. Wohlfühlasyl fand er in Tansania, dessen damaliger Präsident John Magufuli das Virus mithilfe eines nationalen Gebetes aus dem Land „entfernen“ ließ. Kurz bevor er starb – gerüchteweise an Corona. Mit der Berliner Presse plauderte Lebemann Velten Döring indes über die Vorzüge solch, ähem, kreativer Pandemiepolitik. Kritik hingegen perlte an ihm ab: „Die Leute finden Partys unmöglich, aber über die Kriege überall auf der Welt regen sie sich nicht auf.“ Wer sagt’s ihm?

Prognose 2022 Ayahuasca-Kur gegen Omicron.


Platz 82: „Geisterstunde“ – Lisha und Lou, Youtuber:innen

Das waren noch Zeiten! Lou & Lisha 2016 auf der 1. Berliner Boheme Party By Julian F.M. Stoeckel mit, genau, Julian F.M. Stoeckel (rechts – dieses Jahr NICHT auf der Peinlichen-Liste…) Foto: Imago/APP-Photo

Die Fitness-Youtuber:innen haben nach Malle rübergemacht. Neben Trash-TV-Arbeitsnachweisen bescherte das Power-Couple uns ein Buch über übersinnliche Begegnungen: „Total paranormal!“ In einem Interview sprach Lisha von einem Dämon, „das ekelhafte, blasse, weiße Gesicht mit den verwuschelten, schwarzen Haaren, welches mich schon einmal in meinen Träumen besucht und sich als Lou ausgegeben hatte“. Wenn wir Lou wären, würden wir ja fortan dennoch mehr Sorgfalt auf die äußere Erscheinung verwenden. Sicher ist sicher.

Prognose 2022 Next Exit: Dschungelcamp.


Platz 89: „Plankengott“ – Olli Schulz, Musiker und Bootsmann

Musiker Schulz: Mit ihm besser nicht rechnen. Foto: Imago/Reichwein

Olli Schulz und sein kongenialer Partner Fynn Kliemann kauften das abgewrackte Hausboot von Gunter Gabriel und, nun ja, renovierten es. Daraus wurde zu Recht eine Netflix-Dramaserie, die die beiden Herren bemerkenswert lost zeigte. Gerade bei Olli blitzten da Defizite auf, nicht nur, wenn gerechnet (nicht Ollis Stärke) oder mit angefasst werden sollte (auch nicht Ollis Stärke). Abgefeiert haben sich die beiden hinterher trotzdem – vor einem Team, dass dann so mitgenommen aussah wie das Boot vorher.

Prognose 2022 Olli Schulz wird öfter vor dem Jagdschloss Grunewald gesehen. Hoffentlich muss da nichts ausgebessert werden.


Platz 100: „Alter Verwalter“ – Klaus Wowereit, Ex-Regierender Bürgermeister, SPD

Klaus Wowereit: Willkommen zurück! Foto: Imago/Future Image

Willkommen zurück auf dieser Liste, verehrter Herr Ex-Regierender, wir haben Sie ja schon ein bisschen vermisst. Aber als wir im Oktober beim RBB dieses Interview sahen, in dem Sie der Berliner Verwaltung in bester Disslaune zuriefen, „heute schlechter aufgestellt als jede Kreissparkasse“ zu sein, wollten wir rasch noch mal nachfragen: „Sparen, bis es quietscht“ – dieser Satz von 2001 war doch von Ihnen, oder?

Prognose 2022 Große Sause zum zehnten Jahrestag „Peinlichster Berliner 2012“. Glückwunsch!


Peinlich, peinlich: Die Ergebnisse der vergangenen Jahre

Die Ergebnisse der vergangenen Jahre findet ihr hier – auch, wenn wir da noch keine Besten und nur Elend hatten.

Und dann gab es 2020 noch eine Besonderheit, nach all dem Schrecken und Graus. Wir haben erstmalig auch die 25 Lieblingsmenschen aus Berlin gewählt. Die Liste findet ihr hier.

tipBerlin mit allen 100 Peinlichen – im Handel und online

Den neuen tipBerlin mit wirklich allen Plätzen und Begründungen findet ihr ab 22. Dezember im Zeitschriftenhandel. Natürlich könnt ihr ihn auch ab Mittwoch online bestellen.

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