Stadtleben

Die U-Bahn als Kreißsaal

Man stelle sich das in etwa so vor: Da steht man am Alexanderplatz auf dem Bahnsteig der U2 und plötzlich springt ein Mann mit seiner hochschwangeren Frau aus der gerade eingefahrenden U-Bahn, bettet die werdende Mutter auf einer Jacke und versucht sie zu beruhigen. Wie würden die Berliner reagieren? Wie würden SIE reagieren? Einfach weiter gehen und so tun, als hätte man nichts bemerkt? Oder vielleicht erst einmal ein wenig gucken, dann aber doch weiter gehen?
Nun, seit Anfang der Woche weiß man zumindest, wie die Menschen in New York reagieren. Die hoffnungslosen Beruhigungsversuche des Ehemannes halfen nämlich wenig – der Mann war selbst viel zu aufgeregt. Eine zufällig anwesende Krankenschwester übernahm den Job in aller in der U-Bahn möglichen Professionalität. Ein Geschäftsmann leiht seinen Aktenkoffer als Kopfkissen und umherstehende Passanten stiften alles an Jacken, T-Shirts und Pullover, was als Decke oder Polster herhalten kann. Insgesamt waren es schließlich gut zehn Menschen, die sich nun als Geburtshelfer der kleinen Soleil bezeichnen dürfen. Die Kleine hatte es offensichtlich eilig, denn als die Sanitäter auf dem U-Bahnsteig ankamen, schrie sie bereits aus voller Kraft.

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