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Dinosaurier – im Reich der Giganten in der O2-World

DinosaurierErst sind da nur ein paar Eier. Dann Plateosaurus, der erste Gigant, knapp zehn Meter lang, er guckt irgendwie gutmütig. Stegosaurus, noch einen Meter länger, sein Rücken ist voller riesiger Stacheln, wie hineingerammte XXL-Schaufeln. Irgendwann Torosaurus, dessen Plattenschädel an den „Star Treck“-Klingonen Worf erin­nert, verschönert um zwei beachtliche Hörner. Und so weiter. Zehn mächtige Tiere insgesamt, fünf kleinere Exemplare dazu. Am Ende dann: Tyrannosaurus Rex, die furchterregendste Großfresse vor Menschengedenken, mit seinen überdimensionierten Zähnen die wahre Spitzenkraft der Show.
Das Echsenspektakel „Dinosaurier – im Reich der Giganten„, das zwei Jahre nach seiner Erst­aufführung in Australien nach Berlin in die O2-World kommt, ist noch keine halbe Stunde alt, da denkt man: Die Saurier sehen aber ziemlich gut dafür aus, dass sie vor 65 Millionen Jahren von einem Kometen abgeräumt wurden, der im Golf von Mexiko einschlug. Echt gut in Form, alle zusammen. Als wären sie nie weg gewesen. Schon gar nicht tot, ausgestorben, vergangen.

Die Show basiert auf einer preisgekrönten, 1999 gestarteten und von Tim Haines erfundenen und produzierten BBC-Serie. Sie hatte 2007 in Australien Premiere und wurde nun für die europäische Version, die seit Monaten tourt, noch einmal grundlegend überarbeitet.
Man könnte das große Defilieren der Giganten schnöde auf die sensationelle Technik herunterbrechen, auf nackte Daten. Elf Millionen Euro Produktionskos­ten. 50 beteiligte Techniker, Ingenieure, Skin-Maker, Animatronik-Spezialisten. Bis zu 20 Tonnen schwere Saurier. Im Torosaurus wurden beispielsweise 132 Meter Hydraulikschläuche, ein Kilometer Kabel, 201 Liter Farbe und 24 Mikroprozessoren verbaut. Er verbraucht sieben Kilowatt Strom von zwölf Lkw-Batterien; nach jedem Auftritt muss er sofort hinter der Bühne wieder an den Aufladestecker. Nur ein Saurier hat einen Ersatzmann: T-Rex, der unverzichtbare Star. In den Melbour­ner Docklands, wo die Giganten gebaut wurden, hätte eine Boeing 747 Platz. Der Jumbo-Jet.

Aber das wahrhaft Beeindru­ckende ist, wie all die schwere Technik nicht nur eine Illusion erzeugt, sondern Wahrhaftigkeit. Dass dabei noch – leicht didaktisch – ein Mann, der an Indiana Jones gemahnt, die Zeit der Saurier näher erklärt, ist eher nebensächlich, stört aber nicht. Es ist eine regelrecht sinnliche Erfahrung, die Giganten zu erleben, wenn sie durch die lichteffektgesättigte Arena stolzieren. Maschinen, die leben, die fast zu atmen scheinen, mit Tränenflüssigkeit unter den Augen. Die sich ins Publikum recken, begleitet von Staunensschreien der Kinder im Zuschauerraum – manchmal auch Schreckensrufe, für Kleinkinder ist das eher nichts –, dem Raunen der Erwachsenen, dem Blitzlichtgewitter ihrer Kameras und Fotohandys. Kleiner Tipp übrigens: Die Kommunikations- und Knippsgeräte sollte man bitte gut festhalten. Fallen sie in den Innenraum der Arena, ist das nicht schön. Magnetischer Staub. Der radiert jeden Speicher aus.


Manchmal sind drei große Saurier auf einmal unterwegs. Ein Wunder, dass sie sich nicht gegenseitig umrennen. Jeder einzelne wird von drei Menschen bewegt. Ein Fahrer fährt sie in einem Wagen unter den Körpern herum. Und oben in der Halle, in der Technikzentrale der Show, schauen zwei Operatoren herab. Einer steuert die filigranen Gesichtsbewegungen und den Urschrei-Sound. Der andere lenkt mit dem sogenannten Voodoo-Dummy die 36 verschiedenen Bewegungen eines einzelnen Sauriers. Das Gerät ist eine Art Metallschiene, in der der Arm des Technikers liegt. Dessen Bewegungen folgt unten, per Funk verbunden, der Saurier. Wie von Geis­terhand. „Ich hatte noch niemals so viel Kontrolle über etwas, das so groß ist“, grinst Gavin Sainsbury, 36, Australier, „Head of Voodoo“. Der oberste Strippenzieher.
In den kleinen Sauriern, die mittendrin herumwuseln, ste­cken dagegen Menschen. Jonathan Mac­millan zum Beispiel, 24, Kalifornier aus Los Angeles, groß­ gewachsen, muskulöser Körper, kräftige Arme, prima Kardiowerte. Der rennt unter anderem als drolliger kleiner T-Rex herum. Das ist richtig Sport. Die harte Tour. Viele der Kostümträger sind Ruderer. Früher schrieb Macmillan, der Schauspiel und Theater studierte, Gas­tro­kritiken für Zeitungen. Zum Casting ging er, weil er abnehmen wollte. „Der kleine T-Rex ist der größte Spaß“, sagt er. „Aber auch der härteste Job.“ Sein T-Rex spurtet eine satte Viertelstunde herum. An manchen Tagen fällt es Macmillan ganz leicht, trotz der Last, die er trägt. „Dann habe ich das Gefühl, ich wäre selbst ein Dinosaurier.“

Text: Erik Heier
Fotos: Joan Marcos


Termine: Dinosaurier – im Reich der Giganten
in der O2-World, (Adresse/Googlemap)
10.-13.12., teilweise mehrmals täglich, insgesamt acht Shows, Eintritt: 40-56,50 Ђ,

www.dinosaurier-live.de

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