Stadtleben

Döner

In meinem Vorderhaus ist eine Dönerbude. Erst fand ich das etwas ekelig, weil mich der Geruch an meine Studienzeit erinnerte, die ich Döner essend verbracht habe. Ich komme vom Land. Döner war für mich ganz toll. Aber wie gesagt: Ich hatte ein bisschen viel davon.
Vorne hatte also Mehmet seine Bude. Er ist Kurde und verbrachte quasi 24 Stunden zwischen den beiden Drehspießen (Chicken und das andere) und dem überquellenden Aschenbecher. Er lebte quasi mit seiner Familie in dem Imbiss, und wenn er nicht gerade mit einem riesigen Messer Salat kleinhäkselte, rauchte er Kette, guckte Fernsehen oder schaute, wann sich direkt vor seinem Laden eine Parklücke für seinen Renault Megane ergeben würde.

Aus nachbarschaftlichen Gefühlen begann ich, wieder Döner zu essen – „mit alles“ natürlich. Ich hatte auch Hochachtung vor Mehmets Geschäftsmodell. Die Zeit, in der es nicht so lief, also zwischen 24 Uhr und 3 Uhr morgens saß er einfach aus. Dann kamen die Leute aus dem Club in der Nähe, mit einem Heißhunger vom Kiffen. Selbst, als mir aus den Zeitungen überall das Gammelfleisch entgegenkam, hielt ich dem Imbiss die Treue. Irgendwann war ich wieder auf zwei Döner die Woche. Und dann war Mehmet plötzlich weg. Erst dachte ich, er mache eine Inventur, aber als die Leuchtreklame abgeschraubt wurde, war klar: Mehmet wollte ein neues Leben, ohne Döner. Vielleicht sogar in Kreuzberg.

Die Nachmieter stellten doppelt so viele Schilder auf wie Mehmet. „Eröffnungsangebot Döner 1.99 Euro“, stand auf einem, „Neue Bewirtschaftung“ auf einem anderen; als ob die Leute deshalb kommen sollten, weil Mehmet nicht mehr da war. Ich kann dort nicht mehr hingehen. Auch weil der Laden immer zu hat, wenn ich Hunger auf Döner habe – also ab 23 Uhr.
Einmal war ich doch in dem Laden und habe dem neuen Imbissbesitzer geraten, auf Ökodöner umzustellen. In meinem Viertel wohnen nur Menschen, die beim Bio kaufen und grün wählen. Es ist eine riesige Marktlücke. Der Neue ging nicht darauf ein. Stattdessen stellte er ein weiteres Schild auf. Darauf steht: „Wir kommen aus Bulgarien“.

Mehr über Cookies erfahren