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Dr. Fietze von der Charitй über Powernapping

Schlafforscher_Dr._Fietzetip Herr Dr. Fietze, als Schlafforscher kämpfen Sie seit Jahren für die Wiederentdeckung des Mittagsschlafs. Warum?
Ingo Fietze In den letzten 100 Jahren haben wir zwei Stunden Schlaf verloren: Unser Tagleben verlagert sich mehr und mehr in die Nacht. Nachts wird gearbeitet, gelernt, im Internet gechattet und gefeiert. Nachts passiert alles mögliche, aber geschlafen wird immer weniger.

tip Warum sollte man immer ausgeschlafen sein?
Fietze Ich sehe Schlaf als Indikator für Gesundheit. Nicht nur Ernährung und Fitness sind wichtig, ausreichend Schlaf, am besten gute sieben Stunden, gehört dazu. Wenn die Leute etwas nicht schaffen, kürzen sie zuallererst ihren Schlaf. Aber das ist falsch. Zu wenig Schlaf ist die Ursache für viele gesundheitliche Probleme und mindert die Leistungsfähigkeit. Noch hat die Schlafforschung zwar sehr wenig Beweise zu sagen, wer weniger schläft, lebt kürzer. Aber da ist was Wahres dran. Schlafen muss wieder ernster genommen werden.

tip Statt einfach früher ins Bett zu gehen oder morgens später aufzustehen, plädieren Sie für den Mittagsschlaf.
Fietze Dass immer mehr Menschen nachts arbeiten müssen, wird sich nicht ändern. Die Frage ist also, wie wir unter diesen Bedingungen wieder zu mehr Schlaf kommen können. Powernapping, das Nickerchen zwischendurch oder wenn man so will, der Mittagsschlaf, ist eine gute Lösung.

tip Viele Leute sagen: Auch wenn ich mich Mittags hinlege, schlafen kann ich dann nicht.
Fietze Jeder, der ein Schlafdefizit hat und sich hinlegt, kann auch schlafen. Wichtig ist, dass man nach einer halben Stunde wieder geweckt wird. Manchmal reicht es auch schon aus, dass man sich tagsüber mal für eine Weile entspannen kann. Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet werden, dass sich die Leute zwischendrin erholen können.

Interview: Katharina Wagner

Powernapping nach Powershopping.
Einführung in die Kurzschlaftechniken von Dr. Ingo Fietze, Ellington Hotel, Nürnberger Straße 50-55, Schöneberg, 22.5., 14 Uhr. Die Veranstaltung findet im Rahmen der öffentlichen Vorlesungsreihe „Humboldt unterwegs“ statt.
Programm unter www.hu200.de

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