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Drei mögliche Szenarien für das Tempelhofer Feld

3D-Visualisierung

Masterplan des Senats: jede Menge Blöcke. Foto: Tempelhof Projekt GmbH, www.tempelhoferfreiheit.de

Szenario 1: Freies Feld

Berlins Central-Park, nur ohne Bäume in der Mitte. Viel Platz für Kite-Surfer, Skater, Jogger. Eine gut gelaunte Feldlerche. Eine einzigartige Atmosphäre, um die Besucher aus London, New York oder Tokio die Stadt beneiden – und sich gleichzeitig fragen, wie zum Teufel diese Berliner es immer nur wieder schaffen, alle fünfe gerade sein zu lassen und dabei gut auszusehen. Nächste Volksentscheide sind nur eine Frage der Zeit. Zum Beispiel das Bündnis Wahlrecht für alle, das einen Tag vor dem Volksbegehren, am 24. Mai, auf dem Tempelhofer Feld einen Aktionstag dafür veranstaltet, dass EU-Bürger und Drittstaatenangehörige küntig mit abstimmen dürfen. Viele von ihnen wohnen schließlich am Feld. Oder kommen täglich. In einem Punkt sind sich Aktionsbündnis und Stadtentwicklungssenator übrigens einig: Einen schnellen, neuen Anlauf zum Bebauen der Feldränder, wie auch immer, wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Auf dem Feld ist für zwei bis drei Legislaturperioden alles so, wie es jetzt ist.
Initiative 100 % Tempelhof, www.thf100.de

Szenario 2: Masterplan

Bleiben wir mal bei der Auffassung von Senator Müller: Wenn das Gesetz des Abgeordnetenhauses die nötigen Ja-Stimmen für den Sieg bekommt – oder aber keiner der beiden Entwürfe die erforderlichen 625?000 Stimmen auf sich vereint, gilt der Masterplan des Senats (siehe Grafik). 4?700 Wohnungen insgesamt. Für die 1?700 Wohnungen am Tempelhofer Damm mit Geschosshöhen von sieben, vereinzelt auch zehn Geschossen ist Baubeginn im Jahr 2016 avisiert. Also Bauten bis zu 33 Metern Höhe. Wie dann die Wirkung von Ernst Sagebiels monumentalem Flughafenbau geschmälert wird, bleibt abzuwarten. Wie man hört, sollen ein halbes Dutzend Architekturbüros gebeten worden sein, dafür Vorschläge einzureichen.
Weiterlesen: Am 25. Mai entscheiden die Berliner darüber, ob das Tempelhofer Feld frei bleibt oder, wie der Senat es will, am Rand bebaut werden darf. Es ist ein Volksentscheid, der richtungsweisend für Berlin sein kann

Die größte Herausforderung könnte das rund 17?000 Wohnungen umfassende reine Wohnquartier an der Oderstraße auf der Neuköllner Seite werden. Eine sinnvolle soziale wie städtebauliche Anbindung an den Schillerkiez wird sicher nicht einfach. Mal abgesehen davon, dass man sich nicht vorstellen möchte, wie die Laster dann dort über das Kopfsteinpflaster rumpeln. Vielleicht kommt aber auch alles anders. Denn eigentlich glaubt kaum jemand, dass der Masterplan wirklich so bleibt, wie er ist.
Masterplan www.tempelhoferfreiheit.de

Szenario 3: ­Freies Spiel

Volker Härtig, Chef des SPD-Ausschusses „Soziale Stadt“ sagt: „Am 25. Mai darf die Diskussion auf keinen Fall aufhören.“ Für die folgende Ausschusssitzung am 28. Mai habe er die stadtentwicklungspolitische Sprecherin Antje Kapek eingeladen. Jene Antje Kapek, die gern erzählt, wie frustriert sie aus den Verhandlungen mit der Koalition um einen gemeinsamen, fraktionsübergreifenden Gesetzesentwurf kam, weil sich etwa die SPD zu wenig bewegt habe (bei der SPD wird das genau andersherum erzählt).

Auf jeden Fall liegen mehrere Vorschläge auf dem Tisch, wie man eine Partizipation der Bürger an stadtentwicklungspolitischen Prozessen besser gestalten könnte. Da gibt es zum Beispiel eine neue Studie der Entwicklungsgenossenschaft Tempelhofer Feld für das Baufeld Oderstraße, die ein Jahr Denkpause fordert, einen grundsätzlich partizipatorischen Ansatz vorschlägt und Grundstücke nur über das Erbbaurecht vergeben will. Eine Denkpause, ein Moratorium, schlägt auch der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin vor. Einen neuen Diskurs fordert auch die Landesarchitektenkammer.

Denn es gibt ja noch anderswo Masterpläne, die umstritten sind. Zum Beispiel für den Alexanderplatz. Der ist 20 Jahre alt. Als Nächstes steht auch die Umgestaltung der historischen Mitte zur Debatte. Höchste Zeit, Stadt neu zu denken.

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