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Du bist Berlin: Edial und Floris Dekker – Die Hobbysammler

Edial_und_Floris_DekkerVor ein paar Monaten wollte Edial Dekker im Brandenburger Wald Pilze sammeln. Nur hatte er keinen Schimmer, wo es welche gab. Statt Pfifferlingen oder Braunhäubchen fand er: Ashton Kutcher. Nicht hinter irgendeinem Baum, klar. Kutcher kam eines Abends in Dekkers Büro, ein lichtes Loft in der Kreuzberger Adalbertstraße. Da war es schon etwas her, dass Dekker in den Wald wollte, er kocht gern re­gional. Aber am Anfang waren die Pilze. Dann kam Kutcher. Was war passiert?

Nun, Edial Dekker, 27 Jahre alt, war nicht wegen der Nahrungssuche im märkischen Forst nach Berlin gekommen. Er zog 2009 mit seinem jün­gerem Bruder Floris von Amsterdam hierher, weil sie sich in den Niederlanden zu langweilen begannen. Nun ­lebten sie in Berlin zusammen in einer kleinen Wohnung und designten Apps und Webseiten für Unternehmen. Die Brüder sehen sich sehr ähnlich. Bis auf die Haare. Edial trägt wirre ­Locken, Floris einen glatten Scheitel.
Die Unternehmen, für die sie arbeiteten, hießen Nokia oder Etsy. Und Edial und Floris lernten jede Menge Leute in Berlin kennen, die im ­Internet an der Welt von morgen ­bastelten. Sie trafen die Jungs von Soundcloud, einer Musikplattform im Internet, die heute mehr als zehn Millionen Nutzer haben soll. Edial und Floris standen nun im riesigen Dachgeschossbüro von Soundcloud unweit des Rosenthaler Platzes und dachten: „Wow, alles ist machbar, wenn man in Berlin jung ist und eine gute Idee hat.

Und dann kamen die Pilze. Von denen gibt es viele, die man besser nicht essen sollte. Also müsste man sich von jemandem zeigen lassen, wo man die guten findet. Aber wo findet man wiederum so jemanden? Und geht es hier eigentlich noch um Pilze? Oder vielmehr darum, dass die besten Ideen dann kommen, wenn man selbst etwas brauchen könnte? Weil das ein Zeichen dafür ist, dass es vermutlich noch andere gibt, die nach der gleichen Sache suchen. Der eine würde sich gerne von einem findigen ­Pilzkenner durch Brandenburg führen lassen, ein anderer vielleicht mal selber einen Ring schmieden, ein Dritter lernen, wie man ­einen Blog aufbaut. Oder kocht. Oder Snooker spielt.
Sie alle muss man doch zusammenbringen können, mit Menschen, die genau so etwas können, dachten Edial und Floris. Und wo ginge das einfacher als im Internet?

Es sei bemerkt, dass sie noch vier Wochen lang durch Indien reisten und dort auf jede Menge Leute stießen, mit denen man viele andere ganz tolle Sachen machen könnte, wenn die einen nur wüssten, dass es die anderen gibt. Dass sie schließlich Philipp Wassibauer kennenlernten, einen Österreicher, der sehr viel von Computern versteht.
Vor allem aber muss man erzählen, wieso Ashton Kutcher erst an einem Freitagabend bei Edial anrief und kurze Zeit später in einem rumpeligen Lastenaufzug in den fünften Stock eines Kreuzberger Hinterhofs fuhr. Und warum Kutcher den beiden Brüdern und ihrem neuen Freund Philipp Geld gab. Wie im September bereits Felix Petersen, dem Gründer eines anderen Berliner Start-ups, das „Amen“ heißt. Und dann auch Soundcloud. Edial grinst nur vielsagend, wenn es um die konkrete Zahl geht. Sie aßen mit Kutcher später noch im Grill Royal.

Kutcher, das sollte man noch wissen, ist nicht nur ein ganz passabler Schauspieler, sondern auch ein großer Internetfreund. Er steckt sein Geld schon seit einiger Zeit in junge Tech-Unternehmen. Und da es über Berlin derzeit heißt, die Stadt sei so etwas wie das neue Silicon Valley, schaut er seit Neuestem auch hier immer ein bisschen danach, was so passiert. Edial und Floris schickten ihm eine E-Mail mit einer Einladung zu Gidsy, wie ihre Idee mittlerweile hieß, die nun eine Website geworden war, auf der Menschen kleine Kurse und Führungen anbieten können. Alles ging dann ganz schnell. Edials Telefon klingelt. „Hi, it’s Ashton!“ Sie telefonierten lange.
Zwei Risikokapitalgesellschaften gaben noch etwas dazu, ebenso der Vizepräsident von Amazon und die Jungs von Soundcloud. Am Ende waren es 1,2 Millionen Dollar.
Heute arbeiten zehn Leute in Edials und Floris’ Team. Beide wohnen nicht mehr zusammen. Jeder braucht Zeit für sich, nach Feierabend. Edial fährt dann oft zum Tempelhofer Feld. Er hat dort einen Garten, mit Kräutern und Grünkohl. 

Text: Anne Lena Mösken
Foto: Oliver Wolff

www.gidsy.com

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