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Du bist Berlin: Florian Haylers – Der ewige Punk

Flo_HayeEigentlich ist er viel zu jung für das, was er tut. Florian Hayler ist gerade mal 37 Jahre alt. Als sich seine Lieblingsband, die legendäre Punk-Gruppe Ramones 1974 in New York gründete, war er noch ein Baby. Trotzdem hat diese Band bis heute sein Leben geprägt. „Ich kam über kurze Umwege zu den Ramones. Genauer gesagt, über Die Ärzte und Die Toten Hosen“, erklärt er. „Sie haben ­ihre US-Idole immer erwähnt und trugen ­T-Shirts von ihnen.“ Als der pubertierende Florian seine ersten Ramones-Platten hörte, lebte er noch im niedersächsischen Helmstedt. Vor 15 Jahren dann kam er nach Berlin, damals war er längst ein eingeschworener Fan.

„Ihr erstes Konzert sah ich 1990 in Bremen. Ich musste meinen älteren Freunden alles bezahlen: das Bier, den Sprit und das Dope.“ Rückblickend hat sich diese Investition gelohnt, denn die Begeisterung für diese Band und den Punk zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Er reiste dem amerikanischen Quartett hinterher, sammelte unzählige Memorabilia, vom Tour-Poster bis zum Gitarren-Plektrum. Zu viel für seine Freundin – die Wohnung glich schon bald einer Lagerhalle. Eine Lösung musste her, die Idee war geboren: Im September 2005 eröffnete Florian in Souterrain-Räumlichkeiten in der Kreuzberger Solmsstraße das Ramones-Museum, als Erinnerung an eine Band, von deren Gründungsmitgliedern nur noch Schlagzeuger Tommy lebt.

Der schlaksige Musikfan wollte bei seinem Museums-Projekt weder subventioniert noch gesponsort werden. „Dafür bin ich zu sehr Punk, als dass ich mich mit den Behörden anfreunden würde. Für mich wäre es bekloppt, diesen ganzen Apparat zu akzeptieren. Ich wüsste auch gar nicht, wie das funktioniert und habe keine Ahnung, was Kulturförderung eigentlich ist. Ich möchte da bei niemandem um Geld betteln“, betont der ehemalige Publizistik-Student, der sein Studium allerdings abgebrochen hat. Nach Streitigkeiten mit dem Vermieter in Kreuzberg hat das Ramones-Museum seit Oktober 2008 seinen Sitz in Mitte, in der Krausnikstraße. Eine strategische Entscheidung, denn die meisten der rund 8000 Gäste im Jahr – viele besuchen auch die dort regelmäßig stattfindenden Konzerte, Lesungen oder Filmabende – sind Touristen.

Als vor einigen Monaten der benachbarte Laden schloss, ergriff Florian Hayler die Chance, eine Marktnische zu besetzen. Schon immer übten Band-Shirts eine besondere Anziehungskraft auf ihn aus. Es  war also nur konsequent, gleich neben seinem Museum die „Blitz Boutique“ zu eröffnen – der Name erinnert an „Blitzkrieg Bob“, eines der bekanntesten Ramones-Stücke. Mit dem Geschäft konzentriert sich Hayler ausschließlich auf den An- und Verkauf von Band-Shirts, egal ob Neu- oder Second-Hand-Ware, ob Rock oder HipHop. Nur Shirts, die Bands wie etwa den verpönten Böhsen Onkelz frönen, kommen nicht ins Haus. Weiteres Auswahlkriterium: Es muss sich um Original-Merchandise-Produkte handeln. Zwar kosten Sammlerstücke manchmal bis zu 150 Euro, doch faire Preise um die 25 Euro dominieren hier.

Finanziell tragen sich sowohl Shop als auch Museum selbst, ein Plusminusnull-Geschäft für den Betreiber, der auch stellvertretender Chefredakteur der Musikzeitschrift „Uncle Sally’s“ ist und im Look eines modernen Rockers daherkommt: Florian Hayler ist tätowiert, trägt die Haare leicht wirr, ein Lederband um den Hals und eine Skinny-Jeans zum Karohemd über dem – wie könnte es anders sein – Ramones-Shirt. Doch es geht ihm um viel mehr als diese Äußerlichkeiten. Er ist tief in seinem Inneren in der Punk-Kultur verwurzelt, ohne dabei jedoch ein altkluger „Hardliner“ zu sein. „Ich finde es okay, wenn ein schwe­discher Mode-Großkonzern lizenzierte ­T-Shirts von den Ramones, The Clash oder Motörhead verkauft“, sagt er. „Lasst die Kids doch so ihre Musik für sich entdecken.“ Trotzdem wünscht man sich irgendwie, dass der Nachwuchs diese Bands lieber unter passenderen Umständen kennenlernt: Über die „Blitz Boutique“ und das Ramones- Museum.

Text: Jan Schimmang

Foto: David von Becker

Ramones Museum Krausnickstraße 23, Mitte, Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 10-20 Uhr, Sa 12-20 Uhr, So 12-18 Uhr, Tel.: 75 52 88 90,
www.ramonesmuseum.com

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