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Du bist Berlin: Florian Lukas – der Tiefstapler

Lukas_1__Schnitger„Wenn du Stars privat kennst, macht Kino kein Spaß mehr“, nörgelt Florian Lukas in Hans Christoph Blumenbergs jüngster Guerilla-Film-Attacke „Warten auf Angelina„. Florian Lukas spielt darin „Zonen-Maik„, einen Promiknipser aus Berlin Ost. Legal, illegal, scheißegal – der Slogan passt zu dem von Florian Lukas dargestellten Zyniker mit dem wachsweichen Kern. Endlich wieder eine Hauptrolle für ihn, die ihm widersprüchliche Seiten abverlangt: Als Mann ist der Paparazzo ein Würstchen auf der Flucht vor der Vergangenheit, als Knipser ein skrupelloser Jäger.

Privat läge Florian Lukas nichts ferner: „Stundenlang in Bäumen zu hocken, um Menschen zu jagen, wäre für mich der Gipfel der Würdelosigkeit“, sagt er trocken und schickt dunkelbraune Blicke als Ausrufezeichen hinterher. Promikult ist Florian Lukas’ Sache nicht. Trotz zahlreicher Preise, darunter ein Bambi und der Deutsche Filmpreis als Bester Nebendarsteller für den Dennis in „Good Bye, Lenin!“, wertet er sich allenfalls als C-Prominenten. Sympathisch. Trotzdem: Seine Zeit als einprägsamer Nebendarsteller scheint beendet, in dem zä­hen, auf den ersten Blick unscheinbaren Berliner steckt mehr. Kein bestimmter Typ, das macht für ihn die Arbeit umso spannender. „Überraschend, auf welche Ideen Regisseure kommen, was zu einem passt“, grinst Florian Lukas, der zurzeit auch als Bergsteiger­legende Andi Hinterstoisser in „Nordwand“ zu sehen ist.

Lukas_2__SchnitgerGeboren 1973 in Mitte, aufgewachsen in Prenzlauer Berg, war Florian Lukas ein wilder Junge, der sich lieber in den Wäldern um Berlin herumtreibt, als sich um seinen Werdegang zu sorgen. Durch Hörspielproduktionen lernt er die Unterhaltungsbranche kennen. Theater begeistert ihn, das Fernsehen noch mehr. Warum sich also nicht als Schauspieler versuchen? Vor dem Abitur kommt die Wende, der Militärdienst bleibt Lukas erspart: „Schon deshalb bin ich froh, dass das ganze Land untergegangen ist: dass ich nicht drei Jahre zur Armee musste, wegen einer Offizierlaufbahn, der Traumkarriere der öffentlichen Erziehung.“ Stattdessen leistet Lukas Zivildienst in einer Schule für Behinderte, darf nebenbei drehen und schafft 1994 die Aufnahmeprüfung zum Schauspielstudium an der HFF Potsdam. Doch sie hält ihn nicht. Florian Lukas versucht sein Glück nach eigener Regie. Heute, rund 70 Produktionen später, sagt er: „Die Schauspielerei ist zum Selbstläufer geworden.“ Film zieht er Thea­ter vor, dessen festgefahrene Hierarchien nerven nur. Allenfalls freie Produktionen lässt er gelten, etwa Ulrich Mühes Inszenierung von Heiner Müllers „Auftrag“, bei der er 2004 mitwirkte. Kurze überschaubare Arbeitsphasen, kein Zeitverdämmern in Strukturen – so mag es Florian Lukas.

Sein Freiheitsdrang kennt auch beim Wohnen kein Pardon: „Ich will meine Persönlichkeit nicht über ein Stadtviertel definieren“, zielt er trocken auf Berlins Szene-Kieze und ihre Bewohner. Also ist er vor fünf Jahren mit seiner Frau Anna Justice und den beiden Töchtern (heute neun und zehn) nach Kleinmachnow gezogen. Berlin ist ihm als Heimat fremd geworden. Aber: „Ich mag es wieder, seit ich nicht mehr mittendrin wohne.“

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Harry Schnitger

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