• Stadtleben
  • Du bist Berlin: Magdalena Schaffrin – Die Ökonista

Stadtleben

Du bist Berlin: Magdalena Schaffrin – Die Ökonista

Magdalena_Schaffrin-c-Harry_Schnitger„Wir sind nur vorübergehend hier“, sagt Magdalena Schaffrin bei der Begrüßung, was ein bisschen wie eine Entschuldigung klingt. „Raufasertapeten, Linoleumboden und abgehängte Decken sind eigentlich nicht mein Style.“ Am Fenster ihres Übergangsbüros in Mitte steht ein riesiger Tisch. „Darauf habe ich früher meine Schnitte gemacht“, sagt sie.
Früher? Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, dass sie ihr Öko-Label zugunsten ihrer Messeaktivitäten aufgegeben hat. Vor ziemlich genau einem Jahr beschloss die Modedesig­nerin, sich nur noch der Organisation des Green Showrooms im Adlon zu widmen. Sie hat die Messe für ökologische Designermode im Sommer 2009 zusammen mit Jana Keller ins Leben gerufen. In dieser Saison kommt erstmals eine weitere Messe dazu: die Ethical Fashion Show Berlin.

Wie es sich für eine Öko-Aktivistin gehört, trägt Magdalena Schaffrin meist Kleidung, deren Ausgangsmaterialien aus biologischem Anbau stammen: eine blaue Baumwoll-Bluse aus ihrer alten Kollektion, darunter ein Seidenunterhemd. „Meine Jeans sind leider nicht ökologisch“, gesteht sie. „Die gibt es nicht in meiner Beinlänge.“ Die 1,85-Meter-Frau entspricht nicht dem Bild einer Öko-Aktivistin. Statt Wallemähne trägt sie die Haare kurz, streng gescheitelt und akkurat geschnitten. Und auch sonst ist ihr Look alles andere als handgestrickt. „Ich möchte zeigen, dass sich modernes Design und ökologisches Bewusstsein nicht ausschließen“, lautet ihre Mission. Und so sieht sie auch aus.

Letztes Jahr verkauften die beiden Green Showroom-Initiatorinnen ihr Konzept an die Messe Frankfurt, unter deren Regie bereits das letzte Event im Sommer 2011 stand. Viel habe sich trotzdem nicht verändert, erzählt die 32-Jährige. Die Organisation und gestalterische Entscheidungen lägen nach wie vor bei ihr. Hatte sie keine Zweifel? Immerhin ist die Messe Frankfurt ein großer Konzern. „Wieso sollte ich? Für eine Missionarin wie mich ist es doch gut, weil ich dadurch einen größeren Einfluss bekomme“, stellt Magdalena Schaffrin klar. Ihre Rechnung scheint aufzugehen: Neben dem Green Showroom organisiert sie jetzt auch im Auftrag der Messe Frankfurt die Ethical Fashion Show Berlin, eine Öko-Messe für Street- und Casualwear. Damit möchten sich die Frankfurter Messegesellschaft in der Mitte des Marktes positionieren: „Der Öko-Bekleidungsmarkt verspricht auch für die breite Masse ein enormes Wachstumspotenzial“, heißt es. Davon ist auch Magdalena Schaffrin überzeugt.

Beim Green Showroom wie bei der Ethical Fashion Show Berlin gelten die gleichen Voraussetzungen für Aussteller. Ihre Produkte müssen aus ökologischen beziehungsweise recycelten Materialien sein oder zumindest fair produziert – ohne Kinderarbeit und zu angemessenen Löhnen. „Es werden aber auch Firmen zugelassen, die traditionelle Handwerksmethoden aufrechterhalten“, betont Schaffrin. Solche, die sich beispielsweise auf alte Webtechniken spezialisiert haben.  
Die gebürtige Stuttgarterin, die in Kon­stanz aufgewachsen ist, wurde bereits in ihrer Kindheit von ihren friedensbewegten Eltern geprägt. „Anti-Kernkraft-Demos, Menschenketten, all das ist mir sehr vertraut.“ Doch wie jeder Jugendliche hatte auch sie eine rebellische Phase, interessierte sich mehr für Mode als für Friedenskundgebungen. Erst durch ihr Modestudium an der Berliner Universität der Künste besann sie sich erneut. Eine prägende Erfahrung war ein dreimonatiges Trainee-Programm bei H&M in Stockholm: „Obwohl es mir sehr gut gefallen hat, wurde mir dort erst klar, dass man als Designerin eine Verantwortung hat.“ Diese Einstellung bestimmt heute mehr denn je ihr Handeln.

Zum Abschied erklärt Magdalena Schaffrin, woran man ökologische Mode erkennt: „Es gibt verschiedene Gütesiegel: Ökotex, das GOTS-Label, den Blauen Engel und noch einige mehr. Sie alle zertifizieren aber unterschiedliche Dinge.“ Ihr Tipp: „Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut beim Waschetikett auf die Zusammensetzung der Stoffe. Steht da ‚100 Prozent Bio‘ oder ‚Organic Cotton‘, ist man auf der richtigen Seite.“ 

Text: Wolfgang Altmann
Foto: Harry Schnitger

 

weiteres Mode-Porträt: SILKE GREIB- DIE KARRIEREHELFERIN

WEITERE BERLINER UNSERER SERIE 

Mehr über Cookies erfahren