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Du bist Berlin: Matthias Arndt – Der Weltenwandler

Matthias ArndtNichts weniger als die Welt aus den Angeln zu heben, hat der Galerist Matthias Arndt sich vorgenommen, als er zum Gallery Weekend Anfang Mai mit neuen Räumen und neuem Namen an den Start gegangen ist. „Changing The World“ heißt die aktuelle Ausstellung – mit seinen Künstlern, denen der rührige Trendsetter treu geblieben ist. Internationale Stars wie Erik Bulatov, Sophie Calle, Anton Henning, Thomas Hirschhorn, Julian Rosefeldt, Nedko Solakov, Ilya und Emilia Kabakov und viele andere proben mit ihm zum Einstand den Aufstand.
Der 42-Jährige ist in die Potsdamer Straße gezogen, in die zweite Etage des Wintergarten Varietйs. Dort, wo Tiergarten an Schöneberg grenzt,  liegt der neue, äußerst vitale Hotspot auf der Berliner Galerienlandkarte. Bereits der vierte Ortswechsel ist das für Arndt, der 1994 in den damals noch unrenovierten Hackeschen Höfen sein erstes Quartier bezog. Später schloss er sich der Wanderbewegung zur Zimmerstraße an, um schließlich in der Halle am Wasser einzukehren, von der er nun Abschied genommen hat.


Matthias ArndtIm alten Westen eröffnet sich jetzt wieder ein anderer Horizont auf rund 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche. In einem ehemaligen Ballsaal aus dem späten 19. Jahrhundert mit über fünf Meter hohen Decken gibt es nun Kunst. „Changing The World“ sei die Behauptung, dass die Welt verändert werden kann, und wir diese Veränderung auch stetig wagen müssen, meint Arndt, der gerne nach Tiergarten gezogen ist und feststellt: „Der neue Osten ist der Westen.“
Der Wille und Mut zur Veränderung zeichnet nicht nur die Künstler, sondern auch den rastlosen Wahlberliner aus, der in Charlottenburg lebt, wenn er nicht gerade nach Australien düst oder auf der Messe Art Cologne Präsenz zeigt. Rund um den Globus müssen die Global Player heute aktiv sein, wenn sie am Ball bleiben wollen. Arndt ist mit einer Australierin verheiratet und Söhnchen August gibt die Kraft, die das Wanderleben raubt.


Gut 200 Ausstellungen und 70 internationale Messen hat der Experte für Gegenwartskunst in den vergangenen 16 Jahren bestritten. Angefangen hat für den 2001 durch das Französische Kulturministerium zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ ernannten Hessen alles im Alter von 20 Jahren. Nach Wirtschaftsabitur und Banklehre entdeckte Arndt seine Liebe zum Kunstbetrieb. Er assistierte Jan Hoet bei der documenta IX und ?arbeitete für eine renommierte Galerie, bevor er sich selbständig machte.


Matthias Arndt1994 waren Arndt & Partner die erste kommerzielle Galerie westdeutscher Gründung mit internationaler Ausrichtung in Mitte. Damals stand der Boom erst noch bevor und um die August- und Sophienstraße begannen Dynamiker wie Arndt das Feld zu bestellen. Die Kunst mit ihrer Ausstrahlung auf Touristen aus aller Welt ist seither zum nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor für Berlin geworden. Sie müsste nicht beim Kultursenator angesiedelt sein, sondern beim Wirtschaftssenator, findet der Galerist: „Beim Kulturressort denkt man, Kunst muss gefördert werden. In meiner Wahrnehmung und Erfahrung der letzten 20 Jahre hat der Kunstsektor aber die Berliner Wirtschaft gefördert und das ohne Förderung. Das würde ich als das Wunder von Berlin bezeichnen.“ Ein Wunder, dem Arndt neben anderen Top-Galeristen auf die Sprünge half. Steinig sei der Weg gewesen, arbeitsreich sowieso, und der Markt ständig im Wandel. Weniger Manager wäre er gerne, möchte intensiver mit Künstlern, Sammlern und Museen zusammenarbeiten.


Immer auf dem Sprung geht es für Arndt, der sich jüngst von seinem Partner getrennt hat, als nächstes nach Korea, um eine Ausstellung zu kuratieren, und zur Messe Art Hongkong. In Berlin will er sein Programm verdichten. „Hier gibt es eine gute Energie“, freut sich der Galerist über den neuen Standort. „Für mich schließt sich hier der Kreis. Ich wollte immer in den Westen und musste einen langen Umweg machen.“ Dabei behält er die Mitte natürlich im Blick.

Text: Andrea Hilgenstock

Foto: Oliver Wolff


Galerie Arndt Potsdamer Straße 96, Tiergarten, ?www.arndtberlin.com, „Changing The World“ bis 31.5.

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