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Du bist Berlin: Niki Jagdfeld – Der Geschäftsführer

Niki Jagdfeld, Spross des Adlon-Clans, ist in zwei Welten zu Hause. Er leitet einen schicken Concept Store in der Friedrichstraße und weiß, wie das Nachtleben läuft

Fotos: Harry Schnitger

Seien wir mal ehrlich, ein Sohn aus reichem Hause, ein 30-jähriger Geschäftsmann, der Adlon-Erbe, den stellen wir uns doch irgendwie unsympathisch vor. Arrogant und abgehoben, zumindest etwas unfreundlich muss er doch sein, oder? Nikolaus Jagdfeld ist der zweitälteste von fünf Linkshänder-Söhnen der Familie, die neben dem Hotel Adlon die Meo­clinic, der Departmentstore im Quartier 206 und eine Menge anderer prestigereicher Firmen gehören. Und auch wenn er im Gespräch professionell zurück­haltend wirkt, arrogant oder unsympathisch erscheint Jagdfeld überhaupt nicht.

Vor fünf Jahren ist der studierte Immobilienökonom von London nach Berlin gekommen und hat seit dem verschiedene Bereiche in den familiären Firmen geleitet, die private Meoclinic in der Friedrichstraße zum Beispiel. Jetzt macht er in Mode und führt zusammen mit seiner Freundin Johanna von Boch, Tochter der Villeroy-und-Boch-Familie, und seiner Mutter den Cabinet Store. Er holte kleine Labels in das traditionsreiche Quartier 206, um damit auch jüngere Kunden anzu­locken. Aber Niki Jagdfeld hat sich auch in einem anderen Bereich einen Namen gemacht. Er hat das ganz und gar nicht Millionärsclub-verdächtige Scala gegründet, aus dem einer der wichtigsten Treffs in Mitte wurde. Ein Club in einem renovierungsbedürftigen Haus, der junge Touristen genauso wie Mitte-Hipster anzog, ohne dabei auch nur einen Hauch poshness zu versprühen.

Foto: Harry Schnitger

Im dunklen Anzug und mit langen blonden Haaren sitzt der Geschäftsmann Jagdfeld in seinem Büro. Die Wände sind voller Schwarz-Weiß-Fotografien, die Fensterbank zieren große afrikanische Figuren. „Ich habe das Haus in der Friedrichstraße gemietet, weil ich eigentlich Räume suchte, in denen ich laut Gitarre spielen konnte.“ Aber er blieb nicht lange alleine, Freunde kamen, brachten andere Freunde mit und ein paar Getränke, DJs kamen und legten Musik auf. Irgendwann seien aber auch Leute da gewesen, die man nicht kannte. Ein Türsteher wurde organisiert, Klos eingebaut. Jagdfeld erzählt, wie er zusammen mit den Handwerkern den Club ausbaute, wie er vor den Partys die Kleingeldrollen besorgte, hinterher die Abrechnung machte. Irgendwann stand er vor Toiletten, die von einer Band zertrümmert worden waren – die Arbeit mit dem Scala wurde zu viel. Das muss ihm zur selben Zeit klar geworden sein, als Conny Opper seinen Rio Club schließen musste. Er fragte Opper, ob er das Scala nicht weiter leiten wolle. Ihm habe er den Erfolg zu verdanken, sagt Jagdfeld. Eine Galerie kam dazu und in die restlichen Räume mieteten sich Künstler, Labels und DJs ein. „Das Haus wurde vielseitig genutzt. Und ich konnte bei allen mitmachen. Die DJs haben mir erklärt, wie man auflegt, ich konnte T-Shirts drucken und Gitarre spielen“, freut sich Niki Jagdfeld. Inzwischen ist das Scala geschlossen, das Haus wird renoviert.

Wie passt das zusammen? Das hysterische Nachtleben und der Anzug tragende Geschäftsmann? „I am a man of many seasons,“ sagt er. „Mich interessieren eben viele Dinge.“ Wenn er von den Nächten im Scala schwärmt oder von seiner ehemaligen Sekretärin erzählt, die mittlerweile Türsteherin ist, ändert er plötzlich seinen Tonfall. Auf einmal klingt er weniger förmlich, echte Begeis­terung ist zu spüren. Beim Gestikulieren rutscht der Sakko-Ärmel etwas nach oben und gibt den Blick frei auf eine sportliche Kunststoff-Uhr und ein abgenutztes rotes Stoffbändchen. „Ich bin nun mal in diese Familie reingeboren. Das bringt Pflichten mit sich, aber auch eine Menge Möglichkeiten.“ Demnächst möchte er einen neuen Club eröffnen. Kleiner soll der sein, ein Tanzraum und ein Raum zum Reden, und etwas exklusiver soll es werden. „Ich habe keine Lust mehr, in Clubs aus Plastikgläsern zu trinken, an denen noch Lippenstiftreste kleben“, sagt der junge Unternehmer und spricht da nicht für Leute seiner Gehaltsklasse, sondern für junge Berliner, die lange genug in schmutzigen Kellern gefeiert haben. Er hat sich schon drei Locations angeschaut. Alle sind in Mitte, weil er möchte, dass der Laden von allen Teilen der Innenstadt mit dem Taxi zu erreichen ist, ohne mehr als zehn Euro zahlen zu müssen. Nikolaus Jagdfeld kennt die Glitzerwelt in der Friedrichsstraße, er spricht die Businessvokabeln eines steifen Geschäftsmannes. Aber genauso kennt er die junge, ständig improvisierende Kunst- und Party­szene der Stadt. Und er spricht ihre Sprache.

Text: Laura Ewert

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