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Du bist Berlin: Peter Antony – Der Wein-Selige

Peter_AntonyPeter Antony wirkt nicht wie ein Weinmensch. In Jeans und Hemd thront der Einmeterneunzig-Mann hinter dem Schreibtisch in seinen Büroräumen am Borsigturm. An den Wänden hängen Fotos seiner Söhne und der Fußballmannschaft von Tennis Borussia. Nichts an Peter Antony wirkt gekünstelt. Er redet gerne über Fußball und seine Familie, nicht über Barriquefässer oder Jahrgänge, ja er trinkt nicht einmal gerne Wein. Aus einem Kühlschrank holt er dennoch eine bauchige Flasche Riesling, nur zum Anbieten. „Ein trockener Franke. Sehr gut“, sagt er nüchtern. Er nimmt ein Weinglas aus dem Schrank, gießt ein und macht es sich wieder hinter seinem Schreibtisch gemütlich. Er selbst trinkt ein Glas Cola. Nein, Peter Antony sieht nicht aus wie der Chef einer erfolgreichen Weinmesse. Und eigentlich hatte der 49-Jährige nach seiner Kindheit auf einem kleinen Weingut in Trier die Nase voll von Weinbergen und Reben. Sein Vater war Lkw-Fahrer und nebenberuflich Winzer. Die Ferien verbrachte Peter Antony regelmäßig auf dem Pflug oder bei der Weinernte. „Wir waren das ganze Jahr damit beschäftigt. Urlaub kannten wir nicht.“

Als er 1980 mit 18 von Rheinland-Pfalz nach West-Berlin kam, war dies keine Flucht vor dem Wein und der Provinz. Es war vor allem eine Flucht vor der Wehrpflicht. „Am 15. August sollte ich eingezogen werden, am 13. August kam ich nach Berlin“, erzählt er. Es ging zum Bruder, der dort bereits studierte. Es folgte ein wildes Leben im Berlin der frühen Achtziger: Rockmusik, sich ausprobieren, besetzte Häuser und Barjobs. „Chaotische Zeiten eben.“ Dass er einmal vor Gericht stand, weil er zwölf Mal beim Schwarzfahren erwischt wurde, ist das Einzige, was Peter Antony verrät. „Das waren andere Zeiten.“ Viel lieber erzählt er über seinen Lebenswandel und seine große Liebe. „Das Beste, was mir passieren konnte“, sagt er über seine Frau, die er 1985 beim Fachabi kennenlernte. „Vorher Chaot, dann Freundin.“ Er grinst. Ihr Einfluss war es wohl, unter dem er das Abitur abschloss, später an der Hotelfachschule studierte und dort Lothar Urban traf, der bis heute sein Geschäftspartner ist. 1989 eröffneten sie zusammen ein Restaurant in den Hansa-Tonstudios am Potsdamer Platz. Im gleichen Jahr stemmten sie dort auch die erste Weinveranstaltung. „Es war im August 1989, kurz vor dem Mauerfall am Potsdamer Platz unter der Magnetbahn, die damals dort noch fuhr“, erinnert sich Antony. „Auf einer Bühne spielte die Big Band der russischen Streitkräfte Glen Millers ‚Chattanooga Choo Choo‘. In Uniform, direkt an der Mauer!“

Dass sie dieses erste Weinfest wegen schlechten Wetters fast in den Ruin trieb, erwähnt er nur im Nebensatz. Er erinnert sich lieber an die spektakulären Details seiner Karriere. Zum Beispiel den ersten Kontoauszug, der gerahmt im Büro hängt. 55.000 Mark. „Zusammengeschnorrt, für Kaution, Miete und so.“ Oder ihre erste echte Weinmesse im Jahr 1994. Ursprünglich nur eine Marketingmaßnahme für das Restaurant im geschäftsarmen Monat Januar. „Wir hofften auf 800 Besucher, es kamen 2000.“ An die rebellischen Zeiten erinnert heute nur noch wenig. Vielleicht Antonys Einstellung zu Visitenkarten. Er besitzt nämlich keine. Es gibt nur namenlose von seiner Firma, die sich Deutsche Weinmarketing GmbH nennt. Aus dem „Publicity-Gag“ von einst ist 17 Jahre später ein erfolgreiches Unternehmen geworden. Es vereint heute unter seinem Dach nicht nur die Weinmesse Berlin, eine der größten Deutschlands, die Ende Februar zum ersten Mal im Flughafen Tempelhof ihre Zelte aufschlägt. Es gibt auch die Berliner Wein Trophy, eine anerkannte Weinverkostung, die Anfang Februar unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor der Messe stattfindet. Aus aller Herren Länder bewerben sich Weingüter mit ihren Tropfen um die beliebte Auszeichnung.

Alles lagert in den Büroräumen von Peter Antony. Etwas stolz führt er durch die Flure, vorbei an Regalen, die bis unter die Decke reichen, voll mit Hunderten von Weinflaschen aus der ganzen Welt. Von Champagner bis Portwein. In Dosen, handbemalten Flaschen und sogar Plastikbehältern. 120 Weinkenner werden drei Tage lang jeden Wein verkosten. Und Peter Antony selbst? Versöhnt sei er schon lange mit dem Rebensaft. „Ich konzentriere mich aber auf die Vermarktung der Weine.“ In der Theorie wisse er alles über Weine, über die Anbaugebiete und Jahrgänge. „Aber um ehrlich zu sein, ich trinke gar keinen Alkohol“, gibt er am Ende zu, „das Verkosten überlasse ich deshalb lieber den Profis.“

Text: Antje Binder

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Weinmesse Berlin Flughafen Tempelhof, 25.?–?27.2., www.weinmesseberlin.de

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