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Du bist Berlin: Robert Wachs – Tarantinos Tresenmann

Robert WachsBorchardt, Papа Pane, Cafй Einstein, Universum Lounge. Überall war Quentin Tarantino – seit Beginn der Dreharbeiten zu seinem neuesten Film „Inglourious Basterds“ in Babelsberg ein oft gesehener Gast in Berlins Nachtleben – von den Paparazzi bereits gesichtet worden. Nur am Tresen von Robert Wachs war er immer noch nicht aufgetaucht: „Wir dachten ja schon, er schafft es nicht zu uns.“ Robert Wachs, muss man wissen, ist seit vier Jahren der Besitzer des Tarantino’s – einer kleinen Cocktailbar in der Brunnenstraße, die dank unzähliger Tarantino-Devotionalien dem Schaffen des Kaliforniers gewidmet ist. Filmposter und Szenenfotos in allen Größen und aus allen Filmen von „Reservoir Dogs“ bis „Death Proof„.

Aus den Boxen dröhnen die Soundtracks, und auf der Wochenkarte stehen Cocktail-Namen, entlehnt aus den Filmen: „Bad Motherfucker“, „Black Mamba“, „Misses White“. Ein Laden also, bei dem man sich wundert, dass die Kloschüsseln nicht der Toilette nachempfunden sind, auf der John Travolta in „Pulp Fiction“ erschossen wird. Doch ausgerechnet hier im Tarantino’s ließ sich der echte Tarantino nicht blicken.
Und auch als ihm eines Abends ein neuer Besucher zuraunte: „Wie fändste das denn, wenn ich den echten Tarantino mal hierher mitbringe“, blieb Wachs misstrauisch: „Da wäre ich nicht traurig drüber“, antwortete er ausweichend, dachte sich aber insgeheim: „Was will der mir denn erzählen.“ Wachs sitzt in seiner Bar, nimmt einen Schluck Pellegrino und grinst. „Aber dann kam er doch.“ Und zwar genau am „4. Oktober, abends um halb zehn“.

Robert WachsWachs stand hinterm Tresen und polierte gerade seine Musik-DVDs, da sagte seine Frau neben ihm: „Du – ich glaub, jetzt geht’s los“: Fünf VW Touaregs hielten vor der Tür. Als Quentin Tarantino als Letzter reinkam, stand Wachs bereits an der Tür und begrüßte den Namens­geber seiner Bar: „Willkommen in deinem Wohnzimmer.“ Jener raunende Gast war Tarantinos Berliner Fahrer: „Der hat ihn quasi hierher entführt, als kleine Überraschung nach einem Dreh.“ Dass ihm ein wenig mulmig war, zeigte er damals an der Tür nicht: „Wir wussten ja nicht, ob er das okay findet oder uns gleich die Anwälte auf den Hals schickt.“ Doch Tarantino fühlte sich geehrt, ist staunend durch den ganzen Laden gelaufen und „hat stolz die Getränkekarte rumgezeigt“. Auch einen Lieblingscocktail fand er schnell: „Den Rubber Duck“. Wodka, Cointreau, O-Saft und Cranberry. „Erst hat er den ‚Bad Motherfucker‘ probiert, aber der war ihm zu hart“, verrät Wachs und grinst.

Das mit dem Wohnzimmer nahm man wörtlich: Die Crew feierte bis morgens um fünf, und ein paar Tage später kam Tarantino wieder. Erst zusammen mit Tom Tykwer, ein anderes Mal dann mit zwei Begleiterinnen, um sich per Bar-Beamer „Death Proof“ anzuschauen: „Da dachten wir schon, dass es ihm gefallen hat“, sagt Wachs über seinen neuen Stammgast. Und er sollte recht behalten. Vier Partys hat die „Basterds“-Crew mittlerweile im Tarantino’s gefeiert. Bei einer dieser Partys entdeckten dann auch die weltweiten Klatschblätter die kleine Bar. Denn da brachte Tarantino neben Til Schweiger und Daniel Brühl auch Brad Pitt mit ins Tarantino’s. „Da kamen schon mittags die Security-Leute, haben alles kontrolliert und uns gesagt, wir sollen doch die Türen und Fenster abkleben.“ Pitt selbst war dann wie der Rest der Mannschaft ziemlich pflegeleicht: „Mich hat schon überrascht, wie wenig Allüren die alle an den Tag legen. Da gab’s nie Stress, keine Robert WachsSonderwünsche. Die hauen das Geld auf den Tresen und wollen einfach nur feiern.“ Brad Pitt stand den ganzen Abend an der Bar, hat erst Hefeweizen getrunken, später ein paar „Rubber Ducks“ und dann Roberts Frau glück­lich gemacht: „Sie hatte in der Nacht Geburtstag, und Brad Pitt hat zusammen mit „Hostel“-Regisseur Eli Roth ,Happy Birthday‘ gesungen.“

Am Morgen nach der Party riefen dann Zeitungen aus aller Welt an. Doch auch wenn sich Wachs über die Prominenz freut, aus dem Nähkästchen plaudern will er nicht. „Wir verraten natürlich weder, wann die wiederkommen, noch, was sie hier erzählen.“ Für den tip macht er dann aber eine Ausnahme. Über „Inglourious Basterds“ sagt er: „Ich bin ziemlich sicher, dass Quentin selber mitspielt. Vor drei Wochen kam er mit so einer fiesen Nazi-Frisur rein.“

Text: Björn Trautwein

Fotos: Harry Schnitger

Tarantino’s Bar Brunnenstraße 163, Mitte, Mo-Sa ab 19 Uhr, www.tarantinos-bar.de

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