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Du bist Berlin: Sven Felski – Der Beständige

SvenFelskiDie Stimmung beim Eisbä­ren-Training im Wellblechpalast in Hohenschönhausen ist konzentriert, aber gelöst. Wieder spielt der Meister eine heraus­ragende Saison. Der Eishockeyverein, der mittlerweile in der Fried­richshainer O2-Arena heimisch ist, geht nach der Olympia-Unterbrechung als Tabellenführer und Favorit in die Play-Offs Ende März, die über die deutsche Meisterschaft entscheiden. Inmitten der Übungsgruppe um Chef-Coach Don Jackson dreht Stürmer und Kapitän Sven Felski doch recht entspannt seine Runden. Zwischen den Einheiten flachst er mit den Kollegen und den Betreuern am Rande der Bande. Als einer der letzten verlässt er nach Trainingsschluss inmitten eines bayrisch-englischen Sprachengewirrs das Eis und marschiert in seiner schweren Schutzmontur erstmal gen Kabine.

Seine 35 Jahre sieht man dem „Bürgermeis­ter von Hohenschön­hausen“, wie ihn die Fans nennen, nicht an. Im Gegensatz zu manchem doch arg ramponierten Gesicht der Kollegen, wo hier und da mal ein Zahn fehlt oder eine unschöne Narbe von einem besonders umkämpften Spiel zeugt, ist Felski gut erhalten.SvenFelski
Beinahe anzunehmen, er wäre dem Eiskunstlauf treu geblieben, mit dem er einst im Sportforum, nur fünf Fußminuten von der Wohnung der Eltern entfernt, erste Erfahrungen auf Kufen sammeln konnte. Darauf angesprochen entfährt ihm ein kurzes „Schrecklich“ und ein Schmunzeln. Wegen seiner ers­ten Erfahrungen auf dem Eis kommen „schon kleine Spitzen von den Kollegen in der Kabine“.
Doch dies wäre wohl der einzige Grund, den Rekordmann zu belächeln. Auf über 800 Einsätze in der deutschen Elite-Klasse baut Felski derzeit seine Bestmarke aus. In diesen Spielen gelangen dem Außenstürmer mit der linken Schusshand über 200 Tore und zwar alle für den einen, seinen Verein: die Eisbären. Seine Vereinstreue „gibt es viel zu selten“, wie er meint.
Schließlich hat er in all den Jahren auch „die Zeiten miterlebt, in denen es für den Verein nicht gut lief, was heute ganz anders ist“. Wie wahr: Der Club holte vier der fünf deutschen Meisterschaften der letzten Jahre. Laut Felski könne der amtierende Meister „kein anderes Ziel als Meister werden“ haben, doch als Top-Favorit sieht der Stürmer sein Team nicht unbedingt: „In den Play-Offs muss man abwarten, da geht es einfach von vorne los.“

SvenFelskiVor vielen Jahren, Ende der 90er Jahre, hätte er seinen EHC Dynamo, wie die Eisbären bis 1992 hießen, beinahe verlassen. Allerdings nicht die „Riesenstadt Berlin“, wie er seinen Heimatort liebevoll nennt. Ihm lag ein Angebot vom – bei den Fans unbeliebten und mittlerweile in unteren Spielklassen verschwundenen – Lokalrivalen Preussen Berlin vor, zu einem Zeitpunkt, wo er mit dem EHC-Trainer nicht zurecht kam. Heute ist er glücklich, dass sich der Wechsel zerschlug. Die Fans haben ihm den Flirt längst verziehen. Sie sagen, er sei „einer von ihnen geblieben“, sagt Felski, für den seinerseits in all den Jahren auf der anderen Seite der Bande „Freundschaften entstanden sind“.
Felski ist diese Nähe und Verbundenheit zum Verein deut­lich anzumerken, wenn er sich fast dafür entschuldigt, dass er mittlerweile mit seiner Familie in Pankow wohnt. Abseits all der sportlichen Highlights, die gerade seinen Terminkalender zieren, hat er einen besonderen Tag im kommenden Sommer vorgemerkt: Nach zig Jahren will er „ein kleines Spielchen mit den alten Kumpels organisieren“, mit denen er schon als Kind fast so übers Eis geflitzt ist wie heute mit seinen Eisbären.

Text: Denis Demmerle

Foto: Judith Triebel/tip

www.eisbaeren.de

 

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