Stadtleben

Duodezfürst Wowi

Sasha Waltz bekommt mehr Geld. Das ist eine gute Nachricht. Zumindest auf den ersten Blick. Denn sang- und klanglos hätte die mittlerweile weltberühmte Choreografin sonst ihre Compagnie abgebaut und wäre mit dem nächsten attraktiven Angebot aus der Stadt entschwunden. Vor allem in Frankreich, wo sie gerade erst diesen Sommer einen der größten Kulturauszeichnungen des Landes, den Titel »Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres« verliehen bekommen hat, würde man die Choreografin liebend gerne engagieren. Dazu wird es jetzt wohl doch nicht kommen. Ab der Spielzeit 2010 erhält die Compagnie Sasha Waltz & Guests 300 000 Euro mehr. Das klingt nach viel Geld – so lange man es nicht ins Verhältnis setzt zu anderen kulturpolitischen Entscheidungen.

Da ist etwa die Opernstiftung. 2007 wurde deren Etat um sagenhafte 20 Millionen Euro aufgestockt. Aber jetzt, wo es im Kulturetat mal endlich etwas zu verteilen gab, fiel dem Kultursenator Klaus Wowereit und seinem Staatssekretär Andrй Schmitz nichts anderes ein, als noch einmal 2,4 Millionen Euro drauf zu legen. Sogar in der Stiftung selbst, so wurde bei  einer Anhörung vor dem Kulturausschuss deutlich, wusste man gar nicht recht, was man mit dem vielen Geld anfangen soll. Den Mut, der daraufhin laut gewordenen Forderung von CDU und Grünen nachzugeben, und das bereits in Aussicht gestellte Geld wieder zu streichen, brachte man auch nicht auf.

Dabei brennt es an so vielen Ecken und Enden, vor allem in der freien Szene. Aber Wowereit und Schmitz mögen nun einmal die Oper – und darum scheint es bei der Geldverteilung am Ende hauptsächlich zu gehen. Sasha Waltz hatte eine Erhöhung von 415 000 Euro gefordert. Dann würde sie immer noch 50 Prozent ihres Etats selbst erwirtschaften (an den subventionierten Bühnen und Opern sind es eher um die 15 Prozent). Aber irgendwas hat sie dafür wohl falsch gemacht in Wowereits Duodezfürstentum.  

Michaela Schlagenwerth

Mehr über Cookies erfahren