Stadtleben

East Side Gallery


Kani Alavi ist der Sprecher einer Künstlerinitiative, die eine prima Geschäftsidee hatte und dafür jetzt mit zwei Millionen Euro von EU- und Lottogeldern belohnt wird. Jetzt gehen also die Arbeiten an der sogenannten Hinterlandmauer weiter, die zu DDR-Zeiten die freie Sicht auf Kreuzberg am damaligen Hauptbahnhof bis zur Oberbaumbrücke versperrte. Was war das doch für ein hübsches Bauwerk entlang der von Trabbis und Wartburgs durchfluteten Mühlenstraße. Es war so schön strahlend weiß und ausnahmsweise gut beleuchtet, damit auch ja kein Mensch auf die Idee käme, das Sperrwerk zu überwinden. Dafür mag sich der eine und die andere mit Fantasie Bilder auf die weiße Mauer(leinwand) projiziert haben.

EastSideGallery_Foto_von_AnnaBlanckeManche haben sich Brüderküsse und Schwesterküsse vorgestellt, manche mögen sich Blumen vorstellt haben und einen immer blauen Himmel. Bestimmt hat sich jemand einen Reißverschluss gewünscht, um das Ding zu öffnen, und einige würden sich eine wesentlich dickere, höhere und unüberwindliche Mauer zum verhassten Westen gewünscht haben.
Aber dann kam eben alles anders, und der Denkmalschutz hat geschlafen und nicht verhindert, dass sich Künstler auf der Mauer verewigen konnten, so wie früher Graffitisprüher es auf der westlichen Seite grandios praktizierten. Diese wurde beim Abriss einfach enteignet, das anarchistische Volksvergnügen (Jeder Mensch ist ein Künstler!) eingestellt, was ziemlich blöd ist. Aber die Künstler, die mal gut, mal schlecht, mal scheußlich die jungfräuliche Hinterlandmauer bemalten, erhalten jetzt Geld für eine schwachsinnige Veranstaltung, die Wiederherstellung einer geschichtslosen Bemalung von Auftragskünstlern ohne Auftrag, die das Bild der Mauer auf der Ostseite gerade entstellt. Reißt endlich die hässliche Mauer ab! Freier Blick auf West-Berlin! Oder überlasst sie der Kunst des Volkes!

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