Stadtleben

Ein Leben im Internet

Nein, nein, so wie im Titel beschrieben, ist es dann doch noch nicht ganz. Das komplett-virtuelle Leben im Internet gibt es auch weiterhin nur bei Second Life und ist damit durchaus ein sogenannter Hype, der sich gerade wieder (wie es der Hype eben so an sich hat) nach kurzer Zeit wieder in Luft auflöst.
Trotzdem ist es für geschätzte 5000 Japaner nach Angaben der Tokioter Stadtverwaltung nur noch ein kleiner Schritt bis zum Leben in der virtuellen Welt. Die meist jungen Menschen leben nämlich in Internetcafйs. Nicht ganz freiwillig, sondern eher aus der Not eine Tugend machend. Denn auch in Japans Hauptstadt wird Armut mehr und mehr zum Thema. Und japanische Internet- und Zeitschriftencafйs bieten ihren Kunden eben mehr als einen dünnen Ikea-Klappstuhl und blechern klingende Kopfhörer für studenlange Ego-Shooter-Trips. Neben Computern und Lesestoff gibt es in den Läden auch Liegen, Getränke und Duschen.
Warum dann also die hohen Mieten zahlen, die man sich sowieso nicht mehr leisten kann? Meist handelt es sich bei den Cafй-Bewohnern um junge Leute mit geringem Verdienst und/oder befristeten Arbeitsstellen. Immerhin: Das japanische Arbeitsministerium hat das Problem erkannt und bietet den obdachlosen Menschen nun kleine Darlehen für ihre Lebenshaltungskosten und die Miete. Dazu soll es in Hilfszentren praktische Tipps zur Jobsuche, zum Sparen und zum Leben in einer Mietwohnung geben.

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