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Einweihung des temporären Denkmals „9841“

Johann-TrollmannAls Johann „Rukeli“ Trollmann (Foto) im Juli 1933 gegen Gustav Eder zum Boxen im Ring antrat, stand der Ausgang des Kampfes von vornherein fest: Obwohl Trollmann größer war als Eder, somit eine längere Reichweite hatte als sein Kontrahent, und auch mehr Gewicht auf die Waage brachte, hatte der 25-jährige Mittelgewichtler keine Chance. Denn alles, was ihn als Boxer auszeichnete, seine Schnelligkeit oder sein tänzerischer Stil, durfte er per Verordnung nicht einsetzen: Der früh von Nazis durchsetzte Boxverband wollte einen Arier und nicht einen Sinto wie Trollmann siegen sehen. Genau deshalb war Johann Trollmann kurz zuvor der von ihm am 9. Juni 1933 gegen Adolf Witt errungene deutsche Meistertitel im Halbschwergewicht mit einer fadenscheinigen Begründung wieder aberkannt worden.
Trollmann fand für seine Diskriminierung deutliche Zeichen: Zum Kampf gegen Gustav Eder trat er weiß gepudert, mit blond gefärbten Haaren an und ließ sich von Eder in der fünften Runde KO schlagen. An die Tragödie um den sinto-deutschen Sportler, der 1944 im KZ Wittenberge ermordet wurde, erinnert ab dem 9. Juni nicht nur das temporäre Denkmal 9841 – die Zahl erinnert an die Häftlingsnummer Trollmanns – im Kreuzberger Viktoriapark, sondern auch eine Veranstaltungsreihe, in der es um Sinti und Roma, um Ausgrenzung und um die gesellschaftliche Rolle des Boxsports geht.

Text: Eva Apraku
Foto: Manuel Trollmann

Einweihung des temporären Denkmals 9841
in der Gelben Villa
, 9.6., 18 Uhr (u.a. mit ?Dr. Silvio Peritore vom Dokumentations- und ?Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Manuel Trollmann, Großneffe von Johann Trollmann oder der Musikerin Dotschy Reinhardt). Veranstaltungsprogramm unter www.trollmann.info.

 

Weitere Veranstaltungen zum Denkmal:

10.6. 19:00; 12.6. 15:00; 17.6. 19:00; 30.6. 19:00; 1.7. 16:30

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