Stadtleben

Energiewende in Berlin

Margot-Kessler_pixelio.de„Nein“, sagt Hannes Stefan Hönemann, Pressesprecher von Vattenfall. Der Super-Gau in Fukushima habe in Berlin zu „keinen signifikanten Bewegungen“ beim Vattenfall-Kundenstamm geführt. Bei 1,2 Millionen Stromkunden in Berlin gebe es zwar immer mal Kündigungen. Doch statt größere Kundenabgänge bedauern zu müssen, freue man sich, auch in der aktuellen Situation, vielmehr über Neukunden: „Der überwiegende Wechselgrund von einem Stromlieferanten zum anderen ist immer noch der günstigere Preis“, sagt Hönemann. Und in dieser Hinsicht läge Vattenfall in Berlin weit vorne.

Wie jetzt? Der schlimmste AKW-Unfall seit Tschernobyl, Anti-AKW-Demos ohne Ende – und bei Vattenfall, dem Betreiber von Atom-, Kohle- oder Wasserkraftwerken, herrscht business as usual? Das nicht ganz, sagt Hönemann. Berliner Vattenfall-Kunden wechselten jetzt innerhalb des Konzernangebotes häufiger zu Vattenfall Naturstrom, der zu 100 Prozent aus norwegischen Wasserkraftwerken stammen soll. Für andere Stromlieferanten hingegen, allen voran den unabhängigen, kleinen Öko-Stromanbietern, sieht die Lage seit Fukushima ganz anders aus. Die Düsseldorfer NaturStromHandel GmbH etwa – sie beliefert auch Berliner Haushalte –, konnte ihren Kundenstamm von rund 100.000 Haushalten seit Fukushima auf 175.000 Haushalte erweitern. „Insgesamt versorgen wir in Berlin 16.300 Kunden“, sagt NaturStrom-Sprecher Tim Loppe. Von denen seien „seit Fukushima rund 6.300 Kunden … zu uns gewechselt.“

Laut Florian Noto, Sprecher der Initiative „Atomausstieg selber machen“, ist NaturStrom damit der große Gewinner der privaten Energiewende. Florian Noto vermutet, dass dies mit dem vergleichsweise günstigen Strompreis zusammenhängt, den NaturStrom bislang verlangt, will aber auch nicht ausschließen, dass der Erfolg an der Transparenz liegt, den NaturStrom seinen Kunden bietet. So erfahren die Kunden, woher der Strom stammt, wie es um die Besitzverhältnisse der Firma steht und in wieviel neue Öko-Stromanlagen bislang investiert wurde. Doch nicht nur Ökostromanbieter wollen der Bevölkerung bei ihrer persönlichen Energiewende helfen. Auch Einrichtungen wie der Berliner Energiecheck, eine vom BUND Berlin initiierte Energiesparberatung, vermitteln, dass jede gesparte Kilowattstunde nicht nur den Geldbeutel schont, sondern auch Droh-Szenarien vom angeblich unvermeidlichen großen Blackout den Boden entzieht. Bereits ohne jede Investition, sagt Tobias Quast vom Berliner Energiecheck, könne man durch Sparmaßnahmen wie dem Abschalten des Standby-Modus‘ etwa bei Fernseher oder HiFi-Geräten, jährlich Kilowattstunden im Wert von rund 70 Euro einsparen. Ist man hingegen bereit, cirka 200 Euro etwa in Energiesparlampen zu stecken, kann man sogar jährliche Energie im Wert von bis zu 250 Euro sparen.

Text: Eva Apraku

Foto: Margit Kessler (pixelio.de)

Foto: Caro / Blume

Berliner Energiecheck www.berliner-energiecheck.de, Tel. 78 79 00 60. Ziel des Projektes ist es, insbesondere Personen aus einkommensschwachen Berliner Haushalten (nach Selbstauskunft) darüber zu informieren, wie sie durch einfache Maßnahmen weniger Strom, Gas, Wasser und Heizenergie verbrauchen und damit auch ihre Energiekosten senken können. Wer nicht zu diesem Personenkreis zählt, zahlt für eine Beratung im eigenen Haushalt 40 Euro.

Die Verbraucherinitiative e.V. Elsenstraße 106, Treptow, Tel. 53 60 73-3, www.verbraucher.org. Diese ausdrücklich ökologisch orientierte Verbraucherorganisation informiert unter anderem regelmäßig über Energiesparen. Auf ihrer Homepage kann man so etwa das Themenheft „Klima schützen –Geld sparen“ mit vielen Heizenergie- und Stromspartipps herunterladen.

Verbraucherzentrale Energieberatung www.verbraucherzentrale-energieberatung.de ist ein Service des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der vielseitig in Sachen Energiesparen berät und ebenfalls (für 45 Euro/ Besuch) Energiesparberater in Haushalte schickt.

Vattenfall Center Nürnberger Straße 14/15, Schöneberg, Tel. 01801-267 267. An seine Kunden verleiht Vattenfall kostenlos Stromverbrauchsmessgeräte.

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