Stadtleben

Entspann dich mal!

Kachelhaus_SonnendeckHuckleberry Finn auf der Spree
Wer Berlin auf dem Seeweg erkunden möchte, aber keine Lust auf eine Dampferfahrt hat, sollte einfach mal Stammgast werden – Baumstammgast. Anstatt zwischen Touristen und Rentnern zu sitzen, die alle zeitgleich den Kopf nach links oder rechts drehen und dem monotonen Bericht eines Dampferguides lauschen, kann man sich nämlich auch ein Floß mieten und selbst Kapitän spielen. Bis zu acht Personen passen auf die kleinste Ausgabe der Flöße, die man bei „Floß und Los“ am Müggelsee mieten kann, ganz ohne Führerschein. Mit einem kleinen Außenborder ausgerüstet, schippert man die Spree entlang und kann hier und da anhalten, wo es einem eben gerade so passt. Da Berlin wunderbarerweise mit einem engmaschigen Netz von Flüssen und Seen ausgestattet ist, kommt man auch auf den Wasserstraßen viel herum. Sogar für gebürtige Berliner ist das eine Erfahrung wert, da die Stadt vom Wasser aus eine ganz neue Perspektive bietet. Zumal sich an der Spree einfach viel urbanes Leben abspielt. Wenn das aber noch zuviel Großstadt sein sollte, kann man auch aus der Stadt he­rausnavigieren und sich ein ruhiges Plätzchen in der Wasserlandschaft im Umland suchen, und dort sportlich von der sogenannten Dachterasse des Floßes ins Wasser hüpfen. Sogar das Grillen auf dem Floß ist gestattet. Wer dann noch einen Angelschein besitzt, hat natürlich nur gewonnen. Für den Fall, dass die Wettersituation sich verschlechtert und die See rauer wird, wird in der kleinen Kajüte gespeist. Auf Anfrage sind auch Übernachtungen möglich. So könnte man dann theoretisch bis zur Müritz hochschippern und der Zivilisation im Stil von Huckleberry Finn entsagen.
Seebad Friedrichshagen, Müggelseedamm 216, Friedrichshagen, Tel. 645 57 56 www.flossundlos.de

Schweizer für einen Tag
Seit einigen Jahren entwickelt der Schweizer Frank Sippel die ehemalige Schultheissbrauerei in Schöneberg zu einem Kreativzentrum. Die großen denkmalgeschützten Backsteingebäude werden der Reihe nach saniert. Aber nicht nur äußerlich vollzieht sich hier ein Wandel. Nachhaltigkeit heißt jetzt das große Thema der Malzfabrik. Stück für Stück soll das Areal umweltgerecht gestaltet werden, und im Zuge dessen finden viele Aktionen und Workshops statt. Einen guten Blick über das Gelände und die vier beeindruckend großen Darren, die Gebäude und Schornsteine zur Trocknung von Malz und Hopfen, hat man von der Dachterrasse aus. Im Sommer kann man hier sehr angenehm sitzen und Zeit verbringen. Falls einen dort oben hinterrücks der Hunger überfällt, sorgt Köchin Sylvie aus dem Bergstübli für Verköstigung. Auch hier wird natürlich darauf geachtet, dass die Lebensmittel aus der Region stammen und ökologisch produziert sind. Eine Suppe bekommt man dort schon ab drei Euro. Die angrenzende Malzwiese wurde im Zuge des Imagewandels neu begrünt. Geplant sind außerdem Felder für Gemüse- und Obstanbau und zwei kleine Seen zur Fischzucht. Die Malzwiese soll zudem als Eventlocation für Open Air Veranstaltungen genutzt werden. Die nächste Veranstaltung auf dem Areal findet am 31. Juli statt. Dann heißt es zum 3. Mal: „Sei Schweizer für einen Tag“. Im Zuge des „Schwiiztages“ werden kostenlos Schweizer Spezialitäten und historische Führungen durch die alte Mälzerei angeboten.
Malzfabrik Bessemerstraße 2-14, Schöneberg Bergstüblis tgl. 12.30–15 Uhr, www.malzfabrik.de

trailerparkNeu-Barock in Neukölln
In unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Neukölln befindet sich der Körnerpark. Er versteckt sich nur einen Block neben der lauten Verkehrsader Karl-Marx-Straße und bietet inmitten von Mietshäusern trotz seiner zen­tralen Lage einen Rückzugsort.
Betritt man den Park, stellt sich ein Gefühl der Geborgenheit ein. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Park fünf bis sieben Meter unter dem Level der umliegenden Wohnstraßen liegt, da er um 1910 auf dem Gelände einer Kiesgrube erbaut wurde. Nach einigen Zerstörungen im zweiten Weltkrieg wurde 1983 das gesamte Gelände restauriert und ist mittlerweile denkmalgeschützt. Wenn man die Stufen zu dem im neu-barocken Stil angelegten Park hinunterschreitet, besticht er mit schönen, gepflegten Grünflächen, die zum entspannten Herumliegen einladen. Auf der einen Seite befindet sich, zur Freude vieler jauchzender Kinder, ein Brunnen mit großer Wasserfontäne. Wer den Wegen bis zum anderen Ende des Parks folgt, gelangt bis zur alten Orangerie. Dort befindet sich ein gemütliches Cafй mit gutem Essen (Di–Do 10–20 Uhr, Fr–So 10–22 Uhr), in dem man schön draußen sitzen kann. Außerdem beherbergt die Orangerie die Galerie im Körnerpark, in der regelmäßig Kunstausstellungen stattfinden. Noch bis zum 31. Juli ist dort die Ausstellung „Neukölln Norwegen“. Jeden Sonntag gibt es zudem kostenlose Livemusik.
Körnerpark Neukölln zwischen Schierker Straße und Jonasstraße

Wagenladung
Nur ein kleines orangefarbenes Schild über der Einfahrt deutet darauf hin, dass sich im Innenhof der Kastanienallee 64 mehr verbirgt, als bloß ein paar Bäume und Büsche. Auf dem Schild ist ein Wohnwagen abge­bildet, Trailer Lounge steht darunter.
Geht man durch die Einfahrt und lässt den Straßenlärm hinter sich, betritt man einen grünen Innenhof. Man wird von Musik empfangen, die aus Boxen schallt. Zwischen Sträuchern stehen Wohnwagen. Das Besondere daran: Sie sind auf einer Seite aufgeschnitten und innen ausgestattet mit Bänken und Kissen, davor stehen Stühle, die weitere Sitzmöglichkeiten bieten. Das Ganze sieht irgendwie heimelig aus. Gleich beim Eingang befindet sich eine Bar, die neben den üblichen Getränken auch leckere selbstgemachte Limonade anbietet. Je weiter man nach hinten geht, desto ruhiger wird es. Zwei weitere der insgesamt vier Trailer stehen hier. Das Laptop kann man auch mitbringen, W-LAN ist kostenlos. Wem das Rumsitzen auf Dauer zu langweilig wird, der vertreibt sich mit einer Runde Boccia die Zeit. Die Idee der Trailer Lounge ist nicht neu, schon 2006 gab es in Mitte einen Trailerpark. Der wurde aber noch im selben Jahr dicht gemacht – und im Mai dieses Jahres in Prenzlauer Berg wieder neu eröffnet. Aber auch hier werden die Wohnwagen nicht lange stehen, nächstes Jahr müssen sie einem Bauvorhaben weichen. Die Erfinder der Trailer Lounge haben sich zum Ziel gesetzt, während des zehnmonatigen Bestehens aus dem Grundstück ein Kunstwerk zu machen, dazu gehört unter anderem die Arbeit von Ingolf Keiner, der sich in den leerstehenden Wohnungen der Kastanienallee 64 austobt. Mehr darüber im Blog mapmystory.com.
Trailer Lounge Kastanienallee 64, Prenzlauer Berg, tgl. 13–22 Uhr

1 | 2 | weiter

Mehr über Cookies erfahren