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Neustart: Acht Erfolgsgeschichten aus Berlin

Ariane_Trautmann_DvB_14Ariane Trautmann: Die Umsattlerin

Früher: Goldschmiedin. Jetzt: Hufschmiedin. Ariane Trautmann wagte ihren Neuanfang in einer echten Männerdomäne

Einmal sei die Mutter eines Kunden – “so eine richtige Dorfmutter mit Kittelschürze“ – extra mit in den Stall gekommen. “Das muss ich mir angucken“, habe die Kittelschürzenmutter staunend gesagt, „eine Frau als Hufschmied!“ Ariane Trautmann, die diese kleine Geschichte erzählt, ist solche Reaktionen gewöhnt. Das Hufschmieden ist eine echte Männerdomäne. Laut der Rahnsdorferin praktizieren im Raum Berlin-Brandenburg überhaupt nur drei Frauen diesen Beruf. Und zugegebenermaßen fällt es schwer, sich ihre schlanke Gestalt im Kampf mit 800 Kilogramm schweren Pferden vorzustellen. „Aber durch Technik kann man einiges wettmachen“, sagt die Pferdeliebhaberin.

Ursprünglich war ihre Technik auf deutlich filigranere Objekte als Pferdefüße gerichtet. Begonnen hat Trautmann als Goldschmiedin. Die Ausbildung gefiel ihr, doch anschließend stellte sie fest, wie schwer es war, mit Gold auch wirklich Geld zu verdienen.

Sieben Jahre hielt sie dennoch im Job durch. Schließlich war es der Hufschmied ihres Pferdes, der sie auf die Idee brachte, selbst zur Hufschmiedin, nun ja: umzusatteln. Bei Freunden stieß diese Entscheidung allerdings auf viel Skepsis. Ihr Mann hingegen unterstützte sie. Trotzdem waren die letzten neun Monate der Ausbildung – ein Spagat zwischen Familie, körperlicher Arbeit und Lernen – nicht leicht: “Das war das Härteste, das ich in meinem Leben mitbekommen habe.“ Rückblickend hat es sich gelohnt. Für Ariane Trautmann ist ihr jetziger Beruf genauso kreativ wie ihr vorheriger. “Jeder Fuß ist anders“, erklärt sie, „und manchmal muss man zaubern können.“ Diese Zauberei hat sich herumgesprochen – Ariane Trautmann kann sich vor Anfragen kaum retten. Obwohl das Beschlagen Pferden eigentlich nicht weh tut, sind viele traumatisiert, denn kleinste Fehler können für das Pferd starke Schmerzen bedeuten.

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Besonders zu solchen traumatisierten Pferden wird Trautmann oft gerufen. Sie hat nämlich den Ruf, selbst zu lebensgefährlichen Pferden einen Zugang zu finden. “Ein gewisser Kitzel ist auch dabei“, gesteht sie. Eine gute Hufschmiedin ist auch immer eine gute Pferdeflüsterin – und Menschenflüsterin: “Die Zweibeiner leiden meistens mit.“ Für die Hufschmiedin ist ihre Arbeit eine ständige Erfüllung. Nur eine Sache in ihrem Leben bereut sie zutiefst: “Ich hätte von Anfang an Hufschmiedin werden sollen!“ 

Text: Rebekka Wiese

Foto: David von Becker

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