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Stadtleben

Eva Apraku kommentiert: Bunt gegen braun

Eva Apraku

Vier Tage Straßenfest mit Live-Bands kostenlos und für jedermann, ein Nachmittag bunter Kostümumzug für Kinder mit anschließendem Spielfest und, die Hauptattraktion, der eigentliche Karneval der Kulturen, bei dem sich zuletzt am Pfingstsonntag 82 internationale Gruppen mit 5?300 Teilnehmern fröhlich präsentierten. ?Okay – für alteingesessene Berliner ist das Spektakel nicht mehr ganz neu, ein Gewöhnungseffekt macht sich breit. Außerdem gibt es Kritik: zu kommerziell, zu chaotisch. Trotzdem lockte in diesem Jahr alleine der Umzug rund 740?000 Zuschauer an die Strecke. Plus 560?000, die sich rund um das Straßenfest friedlich amüsierten. Es ist eine Veranstaltung, auf die Berlin stolz sein kann: So bunt, so verträglich, so lebensfroh ist die Stadt. ?Dass die Veranstalter, die Werkstatt der Kulturen, dennoch jedes Jahr mit dem Klingelbeutel für die Finanzierung der Parade sorgen müssen, ist beschämend. So gab der Senat zu den 780?000 Euro, die dieses Highlight 2014 mit Organisation, Straßenreinigung und Sicherheitsleuten insgesamt kostete, gerade mal läppische 270?000 Euro dazu. Nur mal so zum Vergleich: Die polizeiliche Absicherung eines einzigen Fußballbundesligaspiels kostet im Schnitt 300?000 Euro. Wie viel Polizeieinsätze im Rahmen der Hooligans-gegen-Salafisten-Aufmärsche, der rechten „Montagsdemos“ in Marzahn oder der fürchterlichen Pegida-Kundgebungen kosten, wurde bislang noch nicht berechnet.  ?“Der Karneval der Kulturen symbolisiert interkulturelles, friedliches Zusammensein, das über den Austausch und die Musik ein Zeichen setzt“, schreibt angesichts der wieder akuten Gefährdung des Karnevals der Kulturen eine Petitionsunterzeichnerin auf www.change.org, wo man sich für den Erhalt der Veranstaltung derzeit einsetzt. ?Es sind Worte, die sich der Senat hinter die Ohren schreiben sollte. Ganz abgesehen von der touristischen Attraktion, die dieses Völkerfest ebenfalls garantiert.

Text: Eva Apraku

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