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Fahrraddiebstahl hat in Berlin Konjunktur

fahrraeder„Ich dachte, ich sehe nicht richtig“, sagt Yusuf Islamoglu. „Da steht mein Fahrrad vor der Sparkasse direkt bei mir um die Ecke.“ Und das, obwohl man ihm sein schwarzes Herrenrad eine Woche vorher gestohlen hatte. Yusuf blieb vor der Sparkasse stehen und wartete auf den vermeintlichen Dieb.

7557 Räder wurden von Anfang Januar bis Ende Mai geklaut. Das ist eine Steigerung um 45,6 Prozent verglichen mit demselben Zeitraum in 2010. „Wir können bisher nur Vermutungen anstellen“, sagt Guido Busch von der Berliner Polizei. Der Anstieg könne zum einen am gestiegenen „Angebot“ liegen. In Berlin gäbe es viel mehr Fahrräder als früher. Laut Busch wird von der Polizei aber auch immer wieder beobachtet, dass viele Besitzer es den Dieben zu leicht machen. „Oft sind Räder nur mangelhaft gesichert.“ Sie werden nicht an feste Gegenstände wie Straßenlaternen angeschlossen, viele Schlösser sind auch zu einfach zu knacken.

Die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstahl liegt in der Hauptstadt weit unter der des Bundesdurchschnitts von zehn Prozent, nämlich bei nur vier bis fünf Prozent. Diese Quote könne durch eine zentrale Anlaufstelle für Raddiebstahl verbessert werden, meint Sarah Stark, Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Berlin. Die Berliner Polizei denke aber weiterhin nicht über eine Art SOKO Fahrradklau nach. „Wir reagieren auf die gestiegene Quote damit, dass wir mehr Streife fahren und an Orten kontrollieren, die für Diebstahl bekannt sind“, erklärt Busch. Das sind zum Beispiel die Vorplätze von Bahnhöfen oder Schwimmbädern, wo es nicht groß auffällt, wenn sich jemand etwas länger an einem Fahrrad zu schaffen macht.

Auch das schwarze Herrenrad war vor der Sparkasse an einem belebten Ort abgestellt. Yusuf wartete geduldig. Er habe das Rad für 50 Euro auf der Kottbusser Brücke gekauft, sagte der junge Mann erschrocken, der das geklaute Objekt aufschließen wollte. Der Unbekannte willigte schnell ein, das Fahrrad seinem Besitzer zu überlassen. Schließlich ist auch das Kaufen von Hehlerware strafbar.

Beim Fahrradklau geht es klar ums Geschäft. Oft, so Guido Busch, „haben wir es mit Beschaffungskriminalität zu tun und der Täter stiehlt wahllos Räder, verkauft sie billig, um dann an Drogen zu kommen“. Es gibt aber auch Diebe, die es gezielt auf teure Räder absehen. „Wir haben auch schon Gruppierungen auf frischer Tat ertappt“, erklärt Busch. „Aber ich würde da noch nicht von Banden und organisierter Kriminalität sprechen.“

Von einer Maßnahme erhofft sich die Berliner Polizei Hilfe: Besitzer können ihre fahrbaren Untersätze codieren lassen. Dabei wird der Name und eine Erkennungsnummer in das Sattelrohr eingefräst. Das soll laut Polizeisprecher mehrere Vorteile haben: Zum einen könnte die Erkennung Diebe abschrecken, zum anderen könnten die beschlagnahmten Räder besser ihren eigentlichen Besitzern zugeordnet werden. Und müssten nicht irgendwann auf Auktionen versteigert werden.

Text: Wiebke Heiss

Foto: Oliver Wolff

www.berlin.de/polizei/service/fahrradcodierungen.html
www.adfc-berlin.de/service/codierung.html

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