Stadtleben

Falk Walter und der Admiralspalast

Die 20-Millionen-Immobilie
„Ich hätte nicht gedacht, dass er damit überhaupt so lange durchhält“, wundert sich Barth. „Vor einem Jahr hat er uns ein Wirtschaftlichkeitsgutachten vorgelegt, weil er da schon keine Miete zahlen konnte, das war katastrophal. Da standen schon 4,4 Millionen Euro Verlust auf der Uhr, ich will nicht wissen, wie viel es heute ist. Nicht bezahlte Künstler, Putzfrauen, Werbefirmen, Zeitungsanzeigen, Getränkelieferanten, weit über 500 Gläubiger damals, halb Berlin.“ Unter ihnen Selbstständige, kleine Unternehmer, Künstlerensembles, die durch die Insolvenz in Existenznöte geraten seien.
Und noch etwas sagt Joachim Barth: Auch das Badeschiff sei nicht Falk Walters Idee gewesen. Kein genialer Einfall in der Badewanne? Da lacht er nur: „Pardon, aber die Presse ist ja auch dumm.“

Tatsächlich ist das eine Geschichte, die sich verselbstständigt hat. Jeder kann auf der Homepage nachlesen, dass die Künstlerin Susanne Lorenz das Badeschiff im Rahmen eines Ausstellungsprojektes zusammen mit dem spanischen Architekturbüro AMP arquitectos und dem Berliner Architekten Gil Wilk realisiert hat. Nur sei ihr die ursprünglich geplante Spree-Location nicht genehmigt worden, weswegen sie auf die Arena zugekommen sei, so Barth. Was sagt das über Walter? „Seine große Stärke ist es“, attestiert immerhin Steinmüller, „verschiedene Ideen aufzunehmen und zusammenzuführen. Nennen wir das mal Ideen­management.“ Allerdings: Barth und Steinmüller behaupten unisono, die Künstlerin und die Architekten hätten sich in mehreren Instanzen eine Messingtafel am Badeschiff-Ufer erklagen müssen, die sie als Erfinder ausweist – und dieses verneinen sowohl Wilk als auch Lorenz.

Wer hat hier welche Absichten? Für Falk Walter ist der Fall klar: In fünf Jahren laufe die kulturelle Nutzungsbindung des Admiralspalastes aus, dann bringe die Immobilie, die heute 20 Millionen wert sei, mindestens das Dreifache. Es gäbe das Interesse benachbarter Hotels, daraus ein Kongresszentrum а la Estrelle zu machen. Joachim Barth lacht Hohn, wenn er dergleichen hört. „Das Gebäude steht unter Denkmalschutz“, sagt er, „was soll ich daraus machen: ein Parkhaus? Oder einen Supermarkt?“ Barth bestreitet auch, dass er sich als neuer Betreiber installieren will. Er und Steinmüller betonen, dass sie einen neuen Mieter suchen. Dass sie nach wie vor davon überzeugt seien, dieses Haus – das sich in vier Jahren voller Querelen kein künstlerisches Profil erspielen konnte – sei profitabel zu führen.

Vom Risiko, Theater zu lieben
Zurück bleibt Ungewissheit. Und die Frage: Was zog Falk Walter wirklich in den Admirals­palast? „Er hätte mit den `Caveman`-Gewinnen die Arena weiter ausbauen können, oder er hätte sich Millionen auf ein Konto in der Schweiz schaffen oder sich ein Riesenhaus hinstellen können“, sagt jemand aus seinem Umfeld. War es der Schauspieler Walter, der sich den Traum vom eigenen Theater erfüllen wollte? „Seine große Liebe ist das Theater“, so wird bestätigt, „schon vor Jahren, bevor es überhaupt die Arena gab, hat er sich mit Freunden für das ‚Theater Zerbrochene Fenster‘ interessiert.“ Falk Walter allerdings hört die Frage nach dem Künstler und Theaterliebhaber nicht gern. Weil Künstler nicht als geschäftstüchtig gelten. Sondern als Risiko.

Wenn man ihn abschließend fragt, ob er wirklich an seine Zukunft im Admiralspalast glaube, dann antwortet er mit der Geschichte, wie er 2006 das „Popkick“ organisierte. Ein Public-Viewing-Spektakel zu WM-Zeiten mit Bandauftritten vor den Spielen für bis zu 30?000 Leute. Acht Wochen vor Startschuss, erzählt er, hatte sich auf einmal eine riesige Bürgerbewegung gegen ihn formiert, die um alles Mögliche fürchtete: die Ruhe des sowjetischen Ehrenmals könne gestört werden, die dort siedelnde Nachtigallen-Population sowieso, der Rasen könne kaputt getreten und das Niedriggestrüpp bepinkelt werden. „Und plötzlich bewegte sich kein Amt mehr“, sagt er, klar, es war Wahljahr. „Und trotzdem hatte ich nicht eine Sekunde Zweifel, dass wir stattfinden würden.“ Und wieso? „Weil wir gegen alles, was man uns vorwarf, gegen jeden einzelnen Punkt bereits zwei Jahre vorher Maßnahmen ergriffen hatten!“ Er schaut triumphierend. So ist das, wenn man die Tatsachenwahrheit auf seiner Seite hat. 

Text: Patrick Wildermann

Foto: Harry Schnitger

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