Stadtleben

Falk Walter und der Admiralspalast

Als der Club schon fast fertig ausgebaut war, habe man ihm bei Nacht und Nebel die Brandschutztüren weggetragen, Stromzahlungen, die er geleistet habe, seien von der Eigentümergesellschaft einbehalten worden, „und zwar nur, um die Schlagzeile zu provozieren: ‚Im Admiralspalast gehen die Lichter aus!'“ Die Vertreter der Eigentümergesellschaft sagen dazu bloß „Blödsinn“. Walter hat diese Geschichte mittlerweile dennoch oft erzählt. Unglaublich klingt sie nach wie vor. Von Vattenfall kann man sich lediglich bestätigen lassen, dass nicht Walters Produktions GmbH, sondern die Besitzgesellschaft, die Admiralspalast GmbH & Co KG, die Verträge abgeschlossen hat. Allerdings sagt ein Insider: „Die haben das Geld für den Strom nicht einbehalten, sondern es ist einfach nicht genug da, dass man was abführen könnte.“

Falk Walter hingegen sitzt im Anhalt und rechnet einem die Leistungen seiner Produktionsgesellschaft vor, die 2009 mit einem leichten Plus abgeschlossen habe, trotz 2,4 Millionen Hauskosten im Jahr. Den Insolvenzantrag habe er gestellt, sicher, aber nicht wegen totaler Insolvenz, sondern um gegen die untragbare Situation anzugehen. Und dass er Lieferungen oft nur noch gegen Vorkasse bekäme, das läge eben an den bewusst lancierten Verleumdungen. So wie er schon 2008, als er die Staatsoper während des Umbaus Unter den Linden ins Haus holen wollte, gegen das gestreute Gerücht hätte anargumentieren müssen:“Es geht euch ja nur darum, euch zu retten.“ 

Zweierlei Realitäten

„Falk Walter legt sich seine eigene Welt zurecht“, sagt der Immobilien-Unternehmer Hans Christian Steinmüller, einer der Kommanditisten aus der Eigentümergesellschaft. „Er trägt das in sich plausibel und logisch vor und glaubt dann auch selber an das, was er erzählt.“ Steinmüller nennt es Realitätsverlust. „So wie Walter mit Überzeugung von den bösen Vermietern spricht – dass er Miteigentümer ist, dass er das alles von Anfang an mitkalkuliert und mitgetragen hat, in dieser Rolle sieht er sich dann nicht mehr.“

Tatsächlich sitzt Falk Walter auf beiden Seiten, er hält 18 Prozent Anteile an der Besitzgesellschaft. Und wenn es nach ihm ginge, hätte er dort längst die Mehrheit übernommen, „um sich Gehör zu verschaffen“, wie er sagt. Ein juristisch geschlossener Vergleich gäbe ihm eigentlich die Möglichkeit dazu, erzählt er, aber – Quintessenz einer langen und komplizierten Geschichte – die Bank, Hauptkreditgeber für den Admiralspalast-Umbau, verhindere es. Dort sei ein Herr mit den Vorgängen betraut, der eigentlich fürs Auslandsgeschäft zuständig sei, „aber zu­fällig einer der besten Freunde von einem der Kommanditisten ist“. So sieht es Walter. Verschwörungstheorie? Oder Tatsachenobjektivität?

Hans Christian Steinmüller und Falk Walter jedenfalls widersprechen einander in allen Punkten. Sie streiten, ob das Musical „The Producers“, das ein Prestigeprojekt Walters werden sollte, nun „eine schwarze Null“ gefahren habe (Walter), oder „eine Million Miese“ hinterließ (Steinmüller). Und sie streiten darüber, wie hoch die Mietschulden der Produktionsgesellschaft tatsächlich sind. Der Insolvenzverwalter Udo Feser, der es genau wissen dürfte, äußert sich nicht dazu, zumindest nicht öffentlich. Vielleicht wäre die Situation, wie sie jetzt ist, nie eingetreten, hätte Falk Walter nicht die Rechte am „Caveman“ verloren. Die Show über den Steinzeitjäger im Mann war jahrelang ein Renner, sie lief in 81 Städten und brachte, so Walter, „die Hälfte unseres Gesamtumsatzes von 50 bis 60 Millionen im Jahr“.

Aus steuerlichen Gründen allerdings wandelte Walter den Kooperationsvertrag, den er mit dem isländischen Rechteinhaber Jon Tryggvason geschlossen hatte, in einen leichter lösbaren Lizenzvertrag um. Was fatal wurde, als Tryggvason seine Anteile 2008 an einen isländischen Publikumsfonds verkaufte. „Diese Heuschrecke guckt sich die Vertragssituation an, sieht, aha, 50 Prozent Gewinn-Sharing, warum das, und kündigt mir im August 2009 den Vertrag“, erzählt Walter. Plötzlich fehlten ihm annähernd sechs Millionen Euro Gewinn pro Jahr. Über diesen Verlust geriet auch die Arena ins Schlingern, gegen Mitte des Jahres wurde ein Insolvenzantrag gestellt, allerdings wieder zurückgezogen. Aus Walters Umkreis kommen dennoch Andeutungen: Auch in der Arena ginge es nicht mehr lange gut. Er hingegen sagt, die Arena habe im Juni 2010 bereits wieder schwarze Zahlen geschrieben, die Locations, die der „Caveman“-Cashflow ermöglicht habe, Arena-Club, Badeschiff, die würden nun der Arena helfen. Was Walter nicht bestreitet: dass im Laufe der Jahre viel „Caveman“-Geld auch in den Admiralspalast geflossen ist. Wobei er einräumt: „Ein Unternehmen auf Kosten eines anderen zu führen, das geht auf Dauer nicht.“

Machtkämpfe und Marionetten
Steinmüller hingegen sieht bei Walter vor allem Willkürwirtschaft: „Das hat ja auch der Insolvenzverwalter festgestellt: ‚Sieh an, da wurden Zahlungen im Admiralspalast geleistet, die eigentlich der Arena zuzurechnen sind.‘ Es hat nie für irgendwas einen Businessplan gegeben, nie eine klare Struktur. Wenn es irgendwo brannte, wurde in die Kasse gegriffen, fertig. Linke Tasche, rechte Tasche.“ Er spricht auch von Schulden aus der „Caveman“-Zeit, von einer Art Regietantieme in fünfstelliger Höhe, die Walter der „Caveman“-Regisseurin Esther Schweins noch schulde. Wozu Schweins über ihre Agentur nur mitteilen lässt, dass sie sich dazu nicht äußern möchte. Für Steinmüller ist jedenfalls eines klar: „Falk Walter ist kein Kaufmann.“

Walter hingegen hält Steinmüller, der lediglich acht Prozent Anteile an der Besitzgesellschaft besäße, für die Marionette seines eigentlichen Kontrahenten. Der heißt Joachim Barth und ist inzwischen Geschäftsführer der Immobilie Admiralspalast. „Ein ehemaliger Mitarbeiter, dem ich noch das Geld vorgeschossen habe, damit er überhaupt mit rein kann“, so Walter. Von einem Machtkampf zwischen Barth und Walter war zwischenzeitlich auch unter den Gesellschaftern die Rede. Joachim Barth erzählt diese Geschichte allerdings ein bisschen anders. Man erreicht ihn in Rom, wo er gerade mit Peter Stein ein Gastspiel hatte. Stein war es auch, der Barth und Walter zusammenführte. Barth, ein angestammter Theatermann, war damals technischer Leiter des „Faust“-Mammutprojektes, das in der Arena gastierte, er traf dort, wie er sagt, „auf eine Truppe engagierter Jungs, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten“, Falk Walter war einer von ihnen. Barth investierte sein Knowhow „und einiges von Peter Steins Geld“, womit unter anderem die MS Hoppetosse angeschafft worden sei. Er zog dann mit dem „Faust“ weiter nach Wien, aber bald erreichte ihn der Hilferückruf aus der Arena: ob er nicht noch einmal für ein Jahr zurückkehren und bei der Betriebsorgani­sation helfen könne?

„Es war die Zeit“, erzählt er, „da fing das ganze Unglück an.“ Inzwischen nämlich hätte Walter sich zum einen das Big Eden am Ku‘damm gekauft, „ein Millionengrab“, wie Barth ächzt. Und sich zum anderen von seinen beiden Mitgesellschaftern aus der Kultur­arena GmbH verabschiedet. „Herr Walter ist ein extremer Machtmensch“, so Barth. „In der Arena hat er alle weggebissen, und das war auch seine Strategie für den Admiralspalast. Am Ende allein dazustehen und zu sagen: Ich hab’ das Ding gemacht.“ Die Idee aber, das Gebäude an der Friedrichstraße überhaupt zu übernehmen – die stamme von ihm, nicht von Walter. Der habe erst von dem Projekt überzeugt werden müssen und dann schon in der Bauphase begonnen, extrem unpartnerschaftlich zu agieren, was die „Dreigroschenoper“-Premiere gefährdet habe. Weswegen man ihn in einem gemeinsamen Kraftakt hätte „ruhigstellen“ müssen und es auch gleich danach zum großen Knall gekommen sei. Seitdem, das ist Fakt, ist Walter alleiniger Geschäftsführer der Admiralspalast Produktions GmbH.

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