Stadtleben

Feuerwehr

Meine These: Nach dem 11. September 2001 sind wir mehr amerikanisiert worden, als es bei der ganzen Bush-Phobie den Anschein hat. Mein Beweis: Seit dem 11.9. haben die Feuerwehrleute eine totale Umdeutung erfahren: Weg von vereinsseligen Tröpfen, die für den Sportverein zu unsportlich und für den Schützenverein nicht stumpf genug sind, hin zu wagemutigen Burschen, die schnittig daherkommen und im Kampf gegen den Terror eine wichtige Stütze sein werden – wenn der Terror erst einmal hierherkommt.
In der Provinz hat man über die Feuerwehr immer gelächelt. Wie sie da mit ihren albernen Helmen vor ihrer Garage saßen, die Chromstoßstangen ihrer roten Löschzüge wienerten, ab und zu die Stange herunterrutschten, um unten Skat zu spielen oder ihren Durst zu löschen – das hatte mehr was von Langeweile statt von Brandbekämpfung.

In Berlin ist das natürlich ein bisschen anders – hier gibt es ja schon seit jeher nicht nur Scheunen zu löschen, die irgendein Bauer in finanzieller Verlegenheit angezündet hat, hier brennt es natürlich immer schon richtig. Aber dennoch haftet auch den Berliner Feuerwehrleuten ein eher biederes Image an. Sagen wir mal: wie den Polizisten, auf deren kleiner Schultheiss-Wampe eine Maschinenpistole ruht und die vor den Synagogen auf und ab gehen. Nun aber gibt es auch hier Feuerwehrmänner, die zum Träumen taugen: muskelbepackte Hünen in schneidigem Outfit, mit kantigen Gesichtern, die das Atemgerät so leicht schultern, als wäre es eine Freitag-Tasche. Oder die den hammerschweren Löschschlauch ausrollen wie ein Jojo. Und die just in diesen Tagen bekannt geben, an der „WM der Firefighter“ (so nennen sie sich jetzt) teilzunehmen. Wahnsinn: unsere Jungs gegen das Team vom World Trade Center.

Ich habe übrigens selbst Erfahrungen. Ich wohnte im 4. Stock, Altbau, als plötzlich Rauch unter der Tür hervorquoll und das Licht ausging. Als ich auf den Balkon ging, sah ich unten auf der Straße eine Menschenmenge stehen, die mitleidig zu mir hochschaute. So schnell wie möglich rannte ich zur Wohnungstür, und als ich die aufmachte, war da nur eine Wand aus Rauch, aus der schemenhaft ein Feuerwehrmann mit Gasmaske auftauchte und mich wortlos zurück in die Wohnung drängte. Er sagte nichts. Nicht mal, dass ich nicht sterben würde oder alles halb so schlimm sei. Bei der Kommunikation brennt es also noch am meis­ten.

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