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Finanzsenator Sarrazin wechselt zur Bundesbank

StadtlebenJetzt geht er also wirklich. Thilo Sarrazin heuert bei der Bundesbank an. Nach Ostern droht damit die Wiederauferstehung allen Berliner Übels, das von 2002 bis 2009, in des eisernen Finanzimperators Regentschaft, überwintern muss­te. Hartz-IV-Empfänger speisen nun wieder unbeachtet das fettige Burger-Menü (rund fünf Euro) anstatt der nahrhaften Sarrazin-Diät (unter vier Euro). Sons­tige Arbeitslose müssen fortan wie früher den ganzen Tag Oliver Geissen gucken, weil sie nicht mehr schwarz malochen dürfen, wie vom Finanzsenator empfohlen. Sarrazin konnte sogar Lobe in Schmähungen kleiden. Die angeblich streng müffelnden Beamten seiner Verwaltung – seine Ode auf ihren?Fleiß. Klang bloß nicht so.

Für die komplette Liste derjenigen, die sich von Sarrazins Verbalgrätschen ohne Rücksicht auf Verluste – außer in seinem Etat – beleidigt fühlten, fehlt uns hier leider der Platz. Als Bundesbank-Vorstand muss er sich sowieso neue Belehrungsopfer suchen. Wo­möglich Finanzmanager. Die Pechsträhne der Banker reißt einfach nicht ab.
Aber wer gibt in Berlin künftig bloß den Thomas Bernhard des Senats? Außer Klaus Wowereit, hin und wieder. Der nette Harald Wolf? Ach nee. Heidi Knake-Werner, Ingeborg Junge-Reyer, Gisela von der Aue? Also, hm, ja …

Entschuldigung, wir sind gerade kurz weggenickt.
Vielleicht ja Sarrazins Nachfolger Ulrich Nußbaum, den Wowereit gerade hervorzauberte wie den Kai aus der Fischkiste. Als Finanzsenator in Bremen hatte der parteilose Flossentiergroßhändler 2007 Knall auf Fall die Anschluss­beschäftigung im Wirtschaftsressort hingeworfen – nur weil er in die SPD eintreten sollte. Das stimmt hoffnungsfroh. Sein Bremer Arbeitsnachweis dagegen nur begrenzt. Sarrazin selbst merkte gern an, die notorisch klamme Hansestadt hätte lieber ihre Bun­deshilfen verjubelt, statt wie er den Haushalt zu kitten. Nein, es wird nicht leichter nach Thilo.
Weshalb auch der Dresdner Finanzprofessor Helmut Seitz mal im „Spiegel“ vorschlug, man müsse Sarrazin eigentlich klonen und einige Kopien unter anderem über Bremen abwerfen. Die Idee hat was. Vielleicht ist dann ja auch noch ein Klon für Berlin übrig. Als eiserne Reserve.

Text: Erik Heier

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