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Folge 178: Being Bukowski – Wie werde ich Schriftsteller?

Being BukowskiMein erstes Buch erscheint im Herbst und einige Menschen werden jetzt denken: „Hat die Stadt nicht schon genug Probleme?“ Den größten Teil der Leser beschäftigt aber vermutlich eine ganz andere Frage: „Wie kommt man dazu, den lieben langen Tag auf einem Landgut in der Provence abzuhängen, literweise Rotwein zu trinken und im Bademantel, am antiken Sekretär sitzend, ein paar Gedanken zu formulieren und dafür auch noch einen mehrstelligen Betrag zu kassieren?“ So oder ähnlich wurde ich befragt und hier möchte ich nun antworten. Es scheint fast so, als ob jeder in Berlin ein Buch schreibt oder zumindest plant, eines zu schreiben. Den meisten fehlt am Ende der Mut, andere werden niemals fertig und wieder andere schicken ihre Manuskripte an Verlage und warten bis an ihr Lebensende auf Antwort. Gegen Mut- und Antriebslosigkeit bin auch ich machtlos. Aber all jenen, die umsonst auf Antwort eines Verlages warten, möchte ich dringend zu einem Literaturagenten raten. Eine gut vernetzte Literaturagentur ist nämlich die halbe Miete im Verlagsgeschäft. Mir hat das im letzten Jahr eine Freundin, zufälligerweise Bestsellerautorin, gesteckt und sogleich machte ich mich auf die Suche. Zum Vorstellungstermin beim gefragtesten Agenten der Stadt trug ich eine dunkle Perücke und einen sandfarbenen Trenchcoat. In den elegant eingerichteten Kanzleiräumen in Mitte trank ich mehrere Cappuccini und schilderte vor allem privates Leid. Der Vertrag wurde mir nach drei Tagen, vermutlich aus Mitleid, zugesandt. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich zuvor ein halbes Pfund Probetexte verfasste, welche meinem Buchkonzept beilagen. Mein Agent vermittelte zwischen Lektoren unterschiedlicher Verlage. Am Ende entschied ich mich, so wie man das von mir kennt, für den Schönsten von allen, einen Mitarbeiter des Blumenbar-Verlags. Die Konditionen handelte meine Agentur aus und ich durfte mich ganz auf meine Rolle der geistesgestörten  Autorin konzentrieren. Der Vorschuss fürs Buch wurde übrigens nicht in ein Landgut in der Provence investiert sondern, der Höhe angemessen, in ein Wrack von Haus ohne Kanalisation in Zühlsdorf. Als Zwischenbilanz (Kapitel 3) kann man festhalten: Das Bücherschreiben wäre ein Traumjob, würde nicht das Leben ständig stören. Es bringt einen mit überfälligen Steuererklärungen, vernachlässigten Partnern, Nachtruhe und Nahrungsaufnahme immer wieder aus dem Konzept, nicht zu vergessen dem Lektor selbst. Der möchte nämlich andauernd etwas genauer, anders, emotionaler, differenzierter oder irgendwie tiefgründiger beschrieben haben. …Anstrengend! Am Ende kommt dies natürlich alles dem Buch zugute, behauptet zumindest mein Lektor. In Anbetracht des Aufwandes kann man wohl schon jetzt von einem Werk monumentaler Bedeutung sprechen. Mein erstes Buch erscheint dann hoffentlich im Herbst und manchmal denke ich: Habe ich nicht schon genügend Probleme?

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Zwischen Disko und Dispo – Folge 178: Being Bukowski – Wie werde ich Schriftsteller?

 

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