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Zwischen Disko und Dispo: Drogentest mit Flötz (Folge 63)

 


„Spice, Alter ?! – krasse Scheiße.“ – meint Marko, zieht ein letztes Mal an seiner Kippe, um sie anschließend mit dem Markenturnschuh mit Fersenluftpolsterung auszutreten. Der 16-Jährige wohnt über mir und erwies sich schon häufiger als nützlicher Informant der nachwachsenden Partygeneration.
Auf meine Frage zur neuen Droge fällt seine Antwort erwartungsgemäß aus. „Jugend berauscht sich an rätselhafter Biodroge“, „Neue Drogenwelle“ oder „Unbekannte Gefahr“- so titelt die Presse über eine Kräutermischung, die derzeit ganz legal, offiziell als Räucherduft fürs Wohnzimmer, erhältlich ist.

Über die Wirkung von Spice gehen die Meinungen auseinander. In Userforen wird sie von ‚nicht vorhanden’ bis ‚stark halluzinogen’ beschrieben – Im österreichischem Kurier warnt man gar vor möglicher Todesfolge.
Ich beschließe mir ein eigenes Bild zu machen – was deutschlandweit junge Leute beschäftigt, kann einer Berufsjugendlichen schließlich nicht wurscht sein.
Doch der Selbstversuch gestaltet sich komplizierter als erwartet. In mindestens 16 Berliner Headshops ist Spice wegen ‚hoher Nachfrage’ ausverkauft – nach etlichen Telefonaten werde ich in Friedrichshain fündig. „ Du hast Glück, wir bekommen heute Ware“ -spricht’s am Telefon des Geschäftes mit Namen Flashback. Wenig später wird mir hier eine Tüte der brandneuen Sorte Spice „Tropical“ verkauft- drei Gramm für 28 Euro. Die Verkäuferin ist freundlich und mahnt zur Vorsicht bei Gebrauch.
Ich beschließe einen Experten hinzuzuziehen. Flötz hat das Handbuch der „100 Heilpflanzen der Götter“ studiert und sich (bis auf zwei Ausnahmen) jedem darin erwähnten Gewächs intensiv gewidmet. Über Drogen kann er daher eine Menge berichten – außer vielleicht, dass sie jung halten. Flötz ist 34 und sieht aus wie Mitte 50. Auch er hat schon von Spice gehört. Zum verabredeten Zeitpunkt steht er freudig erregt im Weddinger Wohnzimmer, links neben ihm ein bunt bedrucktes Sofa, rechts eine zwei Meter Jucca Palme. Flink dreht Flötz eine Zigarette mit dem unbekanntem Pulver . Beim Anzünden steigt Rauch in die Nase – Sandelholznote. Flötz nimmt einige Züge und reicht mir die Kippe. „Und – merkst Du was? “ frage ich vorschnell und inhaliere grauen Rauch. „Weis noch nicht“ -lautet die Antwort. Gespannt harren wir der Dinge. Flötz legt eine Reaggeplatte auf und lächelt kurz. „Was ist bei Dir? – „ fragt er. Ich nehme noch zwei Züge, antworte mit Verzögerung: „Keine Ahnung- Nichts?“
Dann möchte ich wissen, ob Flötz meine Tasche gesehen hat, ich weis nämlich nicht mehr wo ich sie ablegte, ähnlich geht’s mir mit dem Handy. Auch Flötz wirkt zerstreut, er sucht offenbar eine bestimmte Platte im Regal. Ich frage ihn, um welche es sich handelt, daraufhin schaut Flötz aus sehr kleinen, roten Augen rüber und sagt: „Weis nicht mehr.“ Nach einer halben Stunde sitzen Flötz und ich auf der Coutch. Dillinger singt von Kokain und Flötz stellt fest: „Da kommt nichts mehr. „
„War denn überhaupt was?“ -will ich wissen. „Kann schon sein.“ – spekuliert Flötz. „Nur, falls da was war – war es der Rede nicht wert“ – ergänzt er, steht auf und holt eine Flasche Rotwein aus der Küche.

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