Stadtleben

Folge 65: Jahresvorschau- so wird 2009!



Was kommt im neuen Jahr auf den interessierten Clubgänger zu? Ist Saufen noch trendy? Sollten Nuraver jetzt erdfarbene Kordhosen tragen? Wo lauert der Beschiss? Welche Musik wird gespielt und was ist mit den Drogen? Frau A. sucht nach Antworten.


Der Öko-Club

In Rotterdam hat letztes Jahr der erste Öko -Club eröffnet, der Clubbetreiber folgte damit einer Entwicklung, die man auch in Berlin längst bemerkt: Leute wollen nicht mehr nur stumpf konsumieren sondern sind immer häufiger auch an Nachhaltigkeit und ‚ökologischer Korrektheit’ interessiert. Leider ist Berlin für eine Öko-Disse nur ‚mental’ bereit. Der Bau mit ökologischen Materialien erfordert sehr viel Geld – das Letzte, worüber man in dieser Stadt verfügt. Bei uns ist eher mit Folgendem zu rechen:


Die Öko-Verarsche

Zukünftig wird es mehr Partys mit Untertiteln geben, wie : ‚Wir spenden Teile unserer Einahmen an Umweltorganisationen’ – das mag von einigen Veranstaltern auch aufrichtig gemeint sein, andere schieben das Motto vor und schaffen so Spielraum für Mogelpackungen und Betrug am Gast.


Die Wege

Auf der Suche nach einem letzten Rest ‚Underground’ hat es der Berliner weit gebracht- mit den Öffentlichen bis nach Treptow, Schöneweide und Karlshorst. Ein wenig Besserung verspricht das neue Jahr – mindestens ein Club o.g. Kategorie wird wieder zentraler, auf der Brunnenstraße, eröffnen.


Politik

„Living for the Night“ – hieß vor Jahren noch das Ravermotto und Alles, was außerhalb des Nachtlebens passierte, war dem Ravehörnchen wurscht. Heute ist politisches Interesse wieder da und einige der aufregendsten Partys im letzten Jahr gingen Hand in Hand mit politischen Aktionismus, wie bei der Demo gegen ‚Mediaspree’. Die Freude am gemeinsamen aufmucken bleibt und 2009 wird weiter (tanzend) demonstriert.


Drogen

vermutlich werden Alkohol, Kokain, Extasy und Amphetamine auch 2009 exzessiv in den Clubs konsumiert werden, hingegen hat der Hype um GHB schon in letztem Jahr nachgelassen- nicht zuletzt wegen der emotionalen Aufklärungskampagne von Veranstalter Dorian Mazurek, der selbst nach einer Überdosis reanimiert werden musste. Weit vorn unter den Drogen bleibt der Alkohol: Wodka wird neben Bier und Prosecco auch 2009 zu den meistbestellten Getränken im Club zählen.


Keine Drogen

Fit mit ‚Clubmate’ , high durch Musik und Tanz- was nach Hippie-Humbug klingt, funktioniert am Ende doch. Dufte Stimmung und charmante Hormonverwirrtheit wirken selbst auf nüchterne Menschen ansteckend -wenn auch zeitverzögert. Deshalb mein Tipp für 2009, wagen sie mal was Verrücktes: bleiben sie nüchtern- und flippen trotzdem aus!


Sex

Die Erotikfilm-Actrice und Produzentin Dolly Buster ist derzeit als DJane auf Clubtour und wird ihnen sicher gerne bestätigen: Sex im Club bleibt in!

Kein Sex
ähnlich wie ‚keine Drogen‘ ist ‚kein Sex’ 2009 ein Thema, mit dem sich neben jungen Experimentellen auch zunehmend Personen aus der Zielgruppe ‚weit über 30’ auseinander setzen (müssen). Jetzt könnten sie fragen, wozu dann überhaupt noch ausgehen -meine Antwort: Tanzen?


Musik

Berliner Clubmusik bleibt bunt, wie ein Patchwork-Teppich: Indietronic, Wave, Nu Rave, Dubstep, Electro, Tech-House, Cosmic-Disko, Minimal – die Liste läst sich fortsetzen. Zudem werden 2009 die neuen Alben zweier besonderer „P“ – Bands erwartet: Presets und Prodigy


Selbstironie

Das verstärkte Aufkommen von Bade-Taste und Kostüm-Partys kommt nicht von ungefähr: Auch der letzte Depp hat inzwischen mitbekommen, dass gelebte Selbstironie mehr zur Unterhaltung im Club beiträgt bei als cooles Rumgestehe an der Bar. Daher ist Selbstironie auch 2009 extrem in- nur den Leuen in den Rn’B -Clubs hat keiner Bescheid gesagt!

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