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Stadtleben

Fortsetzung: Prenzlauer Berg vs. Schöneberg: Teil 2 – Schöneberg

Schoeneberger_GasometerWahrzeichen von Schöneberg ist nicht etwa das Rathaus, vor dem John F. Kennedy 1963 dreist behauptete, er sei ein Berliner, sondern der imposante Gasometer.
Im Inneren des 100 Jahre alten Stahlkolosses soll mal ein gläsernes europäisches Energieforum seinen Sitz finden. Das wird von den Anwohnern natürlich mit äußerstem Argwohn betrachtet. Seit letztem Jahr hängt zumindest schon die größte Leuchtreklame Europas am armen Gasometer und verwandelt das denkmalgeschützte Bauwerk bei Nacht in
eine unwirkliche „Blade Runner“-Filmkulisse.

Schöneberg ist ein Kinobezirk. Das Xenon-Kino (früher Colonna) im Erdgeschoss der Kolonnenstraße 5, in dem ich schon mit vier Jahren alle Godzilla-, Pippi-Langstrumpf- und Bud-Spencer-Filme gesehen habe und in dem ich selbst 20 Jahre als Filmvorführer gearbeitet habe, wurde in diesem Jahr auch 100. Es ist das zweitälteste Kino Berlins. Nur das tausendmal umgebaute Moviemento in Neukölln ist älter. Das Odeon, das Kino für englischsprachige Originalfassungen in der Hauptstraße, wurde 1950 erbaut und hatte früher den schönen Namen Sylvia. Auch hier wurde die Schöneberger Jugend an Sonntagnachmittagen mit Horror- und Mons­terfilmen sozialisiert. Den Kinoschlauch Notausgang in der Vorbergstraße gab es seit 1914, und er war so eine Art Kunstkino. Schoeneberg_XenonVielleicht musste es deshalb 1999 schließen und heißt jetzt Video World. Selbst der elitäre Filmkunsttempel Arsenal hatte von 1964 bis im
Jahr 2000 seinen Sitz in der Welserstraße in Schöneberg. Viele Stunden mit überlangen Stummfilmen ohne Musikbegleitung habe ich dem Hungertod nahe dort verbracht. Denn Essen und Trinken war im Saal, in dem ein wandgroßes Foto von Ivan dem Schrecklichen mahnend auf die Zuschauer niederblickte, strengs­tens untersagt.

Das Schöne ist, dass Schöneberg nicht angesagt oder „hip“ sein will. Echte Schöneberger wissen gar nicht, was „hip“ sein soll. Uns ist eine Prise Prolltum der Nachbarbezirke Neukölln oder Kreuzberg lieber als ein Hauch von Prenzlauer Berg.

Text: Jörg Buttgereit
Fotos: Harry Schnitger, Bernd Sauer-Diete

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Statistik
Fläche 10,71 km2
Bevölkerungsanzahl 143.593 Einwohner, davon weiblich 50,45%, davon männlich 49,55%
Bevölkerungsdichte: 10875/km2
Ausländische Bevölkerung 22,43%
Arbeitslosenzahl: 8932 Personen
Arbeitslosenquote (Großbezirk Tempelhof-Schöneberg): 11,5% Eigentümerquote 15%, Mieterquote 85 % (Großbezirk Tempelhof-Schöneberg)

Haushaltsgröße (Großbezirk Tempelhof-Schöneberg)
1 Person: 52,56%
2 Personen: 30,96%
3 Personen: 9,56%
4 Personen: 6,93%

Einkommensverteilung (Großbezirk Tempelhof-Schöneberg)
unter 900 Ђ: 17,31%
900-2000 Ђ: 45,99%
2000-3200 Ђ: 21,76%
3200 Ђ und mehr: 15,45%

Altersverteilung
0-15 Jahre 12,1%
15-25 Jahre 9,88%
25-39 Jahre 23%
40-65 Jahre 40,18%
ab 65 Jahre 14,85%

Alle Angaben stammen vom Landesamt für Statistik und sind aktuell bzw. von 2008

POLAROIDS VOM SCHÖNEBERGER GASOMETER

PRENZLAUER BERG VS. SCHÖNEBERG TEIL 1: PRENZLAUER BERG

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