Stadtleben

Über den Spargel aus Brandenburg

Jacobs_andreas_kottlorz_hipiWas geschieht mit Spargeläckern, die nach jahrelanger Bepflanzung keine guten Erträge mehr bringen?

Jürgen Jakobs vom Spargelanbauer Jakobs-Hof Beelitz: „Das Schicksal eines Spargelackers sieht heutzutage ungefähr folgendermaßen aus: Der Spargelacker wird im ersten Jahr für eine Bepflanzung mit einjährigen Pflanzen  vorbereitet. Diese umfasst die Düngung mit Gründünger und organischen Düngern. Das Feld selbst wird auf einer Tiefe von bis zu einem Meter mit Bodenbearbeitungsgeräten gelockert. Die Spargelpflanzung erfolgt in den ersten Aprilwochen. Dann gedeihen die Spargelpflanzen über das Jahr. Sie müssen mit Wasser und Düngemitteln versorgt und frei von Schädlingen gehalten werden. Im Folgejahr kann dann für rund 14 Tage eine erste Spargelernte erfolgen. Im dritten Standjahr wird die Spargelpflanzung bis Ende Mai beerntet, in allen folgenden Jahren bis zum 24. Juni. Dies könnte nun immer so weiter gehen.

Die Spargelpflanze erlebt ihre höchste Leistungskraft im fünften bis sechsten Standjahr. Danach nimmt der Spargelertrag jährlich ab, bis es sich für den Spargelbauern nicht mehr lohnt, die Ernte vor­zunehmen, da die Spargelstangen zu wenig oder aber auch zu dünn werden. Dann ist es an der Zeit den Spargelacker aufzugeben, das heißt, nach dem letzten Erntejahr wird die Anlage umgebrochen bzw. gepflügt und es werden andere Pflanzen wie Mais oder Getreide auf dem Acker angebaut. Eine neue Spargelanpflanzung auf dem gleichen Acker sollte dann eigentlich erst nach einer Frist von rund 25 Jahren wieder erfolgen, weil sich in den alten Spargelwurzeln, die bis zwei Meter Tiefe gehen, möglicherweise Pilze bilden, die eine neue Spargelkultur an­greifen können. Das Verrotten der alten Spargelwurzeln dauert mindestens zwei Jahrzehnte.“

Spargelhof_winkelmannWas ist das Geheimnis von qualitativ hochwertigem Spargel?

Ernst-August Winkelmann, Inhaber Spargelhof Klaistow: „Das wichtigste ist immer die Frische! Wenn die Berliner und Brandenburger unseren leckeren Beelitzer Spargel genießen, dann haben sie ein erntefrisches Gemüse aus der Region auf dem Teller. Dieser kurze Weg garantiert beste Frische und ist umweltschonend. Noch bis Ende Juni können Sie sich am kulinarischen Frühlingsboten in gewohnt hervorragender Qualität erfreuen.“

Bernhard_KnuthWelche Bedeutung hat der Spargel­anbau für das Land Brandenburg?

Bernhard Knuth, Bürgermeister von Beelitz: „Der Glasermeister und Ackerbauer Karl Friedrich Wilhelm Herrmann begründete 1861 die Tradition des Spargelanbaus in Beelitz. Aufgrund der idealen Bodenverhältnisse lässt sich das Edelgemüse hervorragend in unserer Region, der Stadt Bee­litz, anbauen. Der Spargelanbau ist sowohl für die Wirtschaft als auch für den
Tourismus von großer Bedeutung, da die Spargelstadt Beelitz durch den Spargel berühmt wurde und somit jedes Jahr von April bis Johannitag in aller Munde ist. Das „Weiße Gold“ zieht viele Besucher aus den verschiedensten Regionen nach Beelitz und lädt zum Verweilen auf die Spargelhöfe, Gastronomien und in die Geschäfte ein. Der original Beelitzer Spargel ist einzigartig in seinem Geschmack und für jedermann ein Gaumenschmaus.“

JVogelsaengeWelche Vor- und Nachteile hat die Aushebelung von gesetzlichen Handelsklassen?

Jörg Vogelsänger, Agrarminister: „Die Reform der Marktorganisation hat Vorschriften reduziert und vereinfacht – und Bürokratie abgebaut. Die EU hat Regeln an Stellen abgeschafft, die eigentlich niemand zu regeln braucht. Viele werden sich zum Beispiel an die kuriose Diskussion um den Krümmungsgrad der Gurke erinnern. Die Handelsklassen sollten ursprünglich eine gewisse Qualität beim Obst und Gemüse  sichern. Allerdings spielten bei der Einordnung nicht etwa die Frische, der Anbau und die Herkunft eine wesentliche Rolle, sondern vorrangig das Aussehen. Das war nicht wirklich ein aussagekräftiges Qua­li­tätsmerkmal. So werden viele Berliner und Brandenburger bestätigen können, dass eine Stange frischen Beelitzer Spargels von den Äckern der märkischen Sandbüchse durch einen tollen Geschmack überzeugt – egal, ob sie nun 18 Zentimeter für die Handelsklasse 1 misst oder zwei Zentimeter kürzer ist.“

Foto Jürgen Jakobs: Andreas Kottlorz / HIPI

Wer holt den Spargel aus der Erde?  

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