Stadtleben

Fremdgehen

Sie erwarten hier doch nicht etwa die heißen Tipps vom Profi?
Sie glauben ich packe hier aus, lasse mich anschließend aus der partnerschaftlich genutzten Wohnung schmeißen und im nächsten Iran-Urlaub steinigen, nur damit sie ein bisschen was zu lachen haben? Ich denke das geht zu weit und sie – egal wie unschuldig sie jetzt kucken- wissen das auch. Von mir bekommen sie daher nur soviel zu hören: Alle Fremdgänger sind Schweine und gehören ausgewiesen!

Ach, das finden sie übertrieben? Ich denke, die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist da ganz anderer Meinung. Mehr noch, inzwischen muss man davon ausgehen, dass in einigen Landesregionen wie Oberbayern oder Thüringen bereits Nägel mit Köpfen gemacht wurden, und hunderte Fremdgänger und Fremdgängerinnen per amtlichen Gerichtsbeschluss der Heimat verwiesen wurden. Und weil diese Personen nach ihrer Ausweisung ja nun irgendwo hin müssen haben sie sich in ihrer Verzweiflung offenbar alle ein und dieselbe Zufluchtsstätte ausgesucht, und das statistisch ermittelte Mekka aller Fremdgänger heißt: Berlin! Wie sonnst sollte man die Nachricht der Seitensprungplattform Firstaffair.de interpretieren, die hier den deutschlandweit höchsten Aktivitätsindex ermittelt haben will?

Foto_von_Ernst_Rose_Pixelio
Die können ja wohl kaum uns meinen – die paar Pärchen, die in der Single- Hauptstadt leben? Die meisten davon kenne ich persönlich und ich garantiere hier mit meinem guten Namen: da geht keiner fremd! Auch wenn uns da letztens ein Stadtmagazin in seiner Titelgeschichte Anderes weis machen wollte oder so ein Dortunder in Berlin durchdreht und nun hauptberuflich Mottopartys schmeißt, die „Untreu“ oder „Fuck You“ heißen. Diese Menschen ahnen ja nicht, was nur echte Berliner wissen: Fremdgehen tun hier ausschließlich Touristen.

Falls sie jetzt doch unsicher geworden sind und -einem spontanen Reflex folgend- gerade Manteltaschen oder Email-Account des Partners nach Untreue-Beweisen durchforsten, lassen sie es. Holen sie sich lieber ihr Urvertrauen zurück mit einem Blick in die Tierwelt. Beispielsweise zu den treuen Schwänen oder den bezaubernden Rosenköpfchen, einer Papageienart, die man wegen ihres Paarverhaltens auch „die Unzertrennlichen“ nennt.

Das muss fürs Erste genügen. Auf gar keinen Fall sollten sie sich weiterhin mit Tieren beschäftigen, wie den Pinguinen, den Blaumeisen, oder den Muriki-Affen, es sei denn sie stehen auf offene Beziehungsmodelle.Über die Murikis schrieb Evolutionsexperte David Quammen:

„Eine Handvoll Männer warten darauf, dass sie an der Reihe sind, es mit Affendame Cher zu treiben. Sie tauschen dabei sanfte Glucks- und Grunzlaute aus…oder schenken sich eine brüderliche Umarmung.“

Mag ja sein, dass diese Cher derzeit das Heißeste ist, was im Regenwald durch’s Geäst huscht (und so ein Name will auch erst mal verdient werden). Allerdings ist öffentliches Schlangestehen für Sex und dabei ‚einen auf brüderlich machen‘ völlig stillos und selbst für Affen unter aller Sau. Eine Kleinigkeit aber haben ‚Cher and Friends’ uns voraus: Wer keine Geheimnisse voreinander hat, braucht auch keine Fremdgeh-Tipps.

Frau A. bei Myspace: www.myspace.com/jackieberlin

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