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Führung durch das Labyrinth im Karmanoia Berlin

Karmanoia LabyrinthEine Hand packt mich und zieht mich zum Labyrintheingang. Der Schlüssel dreht sich im Schloss, und mit einem Schubs bin ich in der Dunkelheit. Eng. Klamm. Ich kann mich kaum bewegen. Wie in einem Schornstein gefangen, fange ich an, die Eisenleiter hochzuklettern. Obwohl sich der Schacht noch weiter hochzieht, hört die Leiter plötzlich auf. Auf allen Vieren geht es weiter. Irgend etwas streift mein Gesicht. Dann kann ich mich wieder aufrichten. Ich laufe ein paar Schritte. Ein Reisigzweig, der von der Decke baumelt, hat sich in meinen Haaren ver­fangen. Und während ich mich zwischen ein­gezogenen Wänden hindurchschiebe, achte ich auf die japsenden Hintergrund­geräusche. Irgendwo tropft Wasser von der Decke. Hände aus Pappmachй, die sich mir entgegenstrecken, ste­cken in Bottichen, die an der Decke festgemacht sind. Ich spüre noch immer das spitze Ende eines Anker­hakens im Rücken, als ich bereits eine Rampe hochgeklettert bin und durch einen stockdunklen Tunnel krieche. Am anderen Ende sehe ich einen Karmanoia Labyrinthmenschlichen Schatten, der sich mir nähert. Ich verharre mucks­mäuschenstill. Kurz darauf lese ich auf einer Stoffbahn: „Come to me?“ Und während ich mich dem Ausgang nahe fühle, zwickt mich eine Hand in die Hüfte. Ich zucke zusammen, drehe mich um, und blicke in das Gesicht meiner Freundin. Kurz bevor wir uns im Treppenhaus eines ganz normalen Neuköllner Mietshauses wie­der­finden, schauen wir noch in die blauen Glubschaugen einer überdimensionalen, menschenartigen Pappmachйfigur.

Das Zeitgefühl ist uns abhandengekommen. Wie viele Höhenmeter wir erklommen haben, können wir nicht sagen, aber in einem sind wir uns einig: Das wirklich Gruselige sind die anderen Labyrinth­besucher!

Text: Ina Soetebeer

Führungen im Peristal Do ab 20 Uhr,
Karmanoia, Mainzer Straße 5, Neukölln,
Eintritt: 4 Ђ

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