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Für den Cannabis-Eigenbedarf: ein Homegrower über seinen grünen Daumen

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Die straffreie Eigenbedarfsgrenze ist in den jeweiligen Bundesländern unterschiedlich hoch angesetzt. In Brandenburg liegt sie bei 6 Gramm, in Berlin dagegen bei bis zu 15 Gramm für erstauffällige Konsumenten. 

Als ich später in die Stadt zog, kifften viele meiner Bekannten. Weil man häufig nicht zufrieden mit dem Kurs oder der Qualität des Dopes war, haben wir kollektiv beschlossen, unser eigenes Zeug anzubauen. Allerdings ausschließlich für den Eigenbedarf, nicht um damit kommerziell zu handeln. Wir haben dann für eine sogenannte Homegrowbox zusammengelegt, die kann man mittlerweile im Internet bestellen, das kostet je nach Ausführug circa 600 Euro. Darin ist ein Lichtsystem und ein Lüftungsfilter integriert, es gibt auch Modelle mit automatischem Bewässerungssystem. Das Saatgut kann man entweder im Internet bestellen oder mitbringen, wenn man mal nach Holland fährt.

Die Box haben wir dann in einer unserer Wohnungen aufgebaut. Mit 1,40 mal 1,40 Metern und einer Höhe von zwei Metern ist das Ding nicht gerade klein, da passen 15 bis 20 Pflanzen rein. Einer meiner Bekannten hat schon Muffensausen bekommen, dass die Nachbarn das Geräusch der Lüftung hören könnten. Aber wir, die alle davon profitieren wollten, haben ihn dann im Sinne des Allgemeinwohls beruhigt.

Die Stromrechnung erhöht sich um etwa 30 Euro. In der Homegrow-Szene gibt es die Empfehlung, beim örtlichen Versorger vorab eine Erhöhung des Verbrauchs anzumelden. Es gibt nämlich Geschichten darüber, dass Leute aufgeflogen sind, weil ihr Stromverbrauch auf einmal enorm war, und dann stand die Polizei vor der Tür. Ob die Stromversorger wirklich befugt oder verpflichtet sind, Auffälligkeiten im Stromverbrauch zu melden, weiß ich aber nicht.

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Der zeitliche Aufwand ist eher gering. Alle zwei Tage muss man die Pflanzen gießen, ansonsten rund vier Monate Geduld mitbringen. Wenn die Blüten dann erntereif sind, gibt es ein paar kritische Tage. Weil es natürlich ein extremer Geruch in der Wohnung ist, wenn die Pflanzen blühen und man das Gras nach der Ernte trocknet und zerkleinert. Alles riecht danach: die Hände, die Kleidung, der Hausflur – wichtige Termine sollte man nicht am gleichen Tag wie die Ernte erledigen, denn den Geruch kriegt man nicht so schnell weg.

Am Anfang haben wir ungefähr ein halbes Kilo Ertrag gehabt. Wenn man die Investitionskosten mit einberechnet, hat bei der ersten Ernte ein Gramm zehn Euro gekostet, eigentlich ein gängiger Straßenkurs. Bei der zweiten Ernte hatten wir dann aber einen Kurs von drei Euro das Gramm. Auf lange Zeit betrachtet lohnt sich das also schon.

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Wenn es in Berlin einen Coffeeshop gäbe, würde ich mir den Aufwand allerdings nicht mehr machen, zu Hause anzubauen, dann könnte man sich auf die kontrollierte Qualität verlassen. Man will ja gar nicht so genau wissen, womit das Gras auf der Straße gestreckt wird, von Zucker über Vogelsand bis hin zu Phosphor-Kalium-Verbindungen ist da alles möglich.

Aufgezeichnet von Lea-Maria Brinkschulte

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