Stadtleben

Ganz große Kasse als Makler in Berlin

Barbara Eckholdt / Pixelio

Im besten Fall ahnungslos, im schlechtesten kriminell. Dann natürlich stinkfaul. Außer wenn es um die eigene Provision geht. Das mag ein wenig überspitzt klingen, wahr ist aber: Das Bild des Maklers ist meist miserabel. Das finden interessanterweise nicht nur Kritiker und Verbraucherschützer. Auch innerhalb der Branche steht es um deren Ruf nicht immer gut. Unter dem Pseudonym Aaron Panoptes hat ein langjähriger Immobilienmakler letztes Jahr ein dünnes Buch geschrieben: „Immobilienmakler. Inkompetent, faul, frech, teuer.“ Fazit: Die Sitten seien verroht. Dessen Herausgeber Stephan Probst sagt: „Fehlende Ausbildung und mangelndes Wissen sind weit verbreitet, Skrupel im Umgang mit den Kunden kaum mehr vorhanden.“ Denn Immobilienmakler ist kein geschützter Beruf. Jeder kann sich so nennen. Eine Ausbildung ist weder Pflicht noch Voraussetzung. Das hat den Vorteil, dass man auch als begabter Quereinsteiger im Immobiliensektor einen schnellen Euro verdienen kann – und den Nachteil, dass das viele auf nicht ganz saubere Tour versuchen. Ob nun absichtlich oder wegen mangelnder Qualifikationen. Der Branchenverband Ring Deutscher Makler fordert deshalb schon lange eine geregelte Ausbildung zum Beruf.

Und das in seltener Einigkeit mit Verbraucherschützern und Mieterverbänden. Peter Dirk, bei der Berliner Verbraucherzentrale für Fragen zu Immobilien zuständig: „Ein Makler sollte schon ein wenig Ahnung über kaufmännische und juristische Fragen haben. Das ist aber oft nicht der Fall. Eine geregelte Ausbildung würde da sicher helfen.“ Doch bisher reicht eine Art minimale Unbedenklichkeitsbescheinigung für rund 300 Euro Gebühr bei den zuständigen Bezirksordnungsämtern. Die besagt, dass der Antragsteller seit fünf Jahren nicht wegen Veruntreuung oder Betrug verurteilt wurde und nicht pleite ist. Mit dieser Lizenz zum Makeln kann man dann sofort loslegen. Etwas aufwendiger ist der Weg zum Beruf über die Fachhochschule. Denn Studieren kann man Makeln auch. In Berlin an der Karlshorster Hochschule für Technik und Wirtschaft, beim Diplomstudiengang Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Immobilien. Dazwischen gibt es zahlreiche private Formen der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Viele private Bildungseinrichtungen bieten Grundlagenkurse, meist mit dem Schwerpunkt auf Vertrieb. Vom Crashkurs bis zum mehrmonatigen Fernlehrgang ist alles dabei. Generell sollte man darauf achten, dass am Ende als Minimal-Zertifikat eine Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) steht. Gemeinsam mit der IHK findet in Berlin auch die dreijährige Lehre zum Immobilienkaufmann statt. Der gängigste Weg derer, die den Beruf erlernen. Es ist auch das Mindeste, was Heike Bethke empfiehlt. Sie ist Ausbilderin bei einem der Big Player am Berliner Markt, der Firma Engel & Völkers, und seit 1999 selbst im Bereich tätig. Sie distanziert sich schon begrifflich von den schwarzen Schafen der Branche, spricht nicht von Maklern, die bei Engel & Völkers arbeiten, sondern von sogenannten „Kooperationspartnern“. Freiberuflich, auf Provisionsbasis. Den Nachwuchs bildet das Unternehmen dabei seit drei Jahren selbst mit aus. In einem der Innenstadt-Büros der Firma in Mitte machen auch Praktikanten regelmäßig erste Erfahrungen. Welche Bewerber wiederum zum eigenen Betrieb passen, davon hat Bethke selbst eine klare Vorstellung: „Man muss natürlich lieben, was man tut“, sagt sie, „und Verkaufstalent haben.“ Dafür bietet Berlin im Moment für Makler ein sehr gutes Pflaster: „Hier sind die Chancen für Makler gerade besonders gut“, erklärt Heike Bethke. „Der Markt boomt.“ Die Mieten steigen, der Wohnraum wird knapper. Da sind Experten gefragt. Bei denen käme es auch auf den „gewissen Hunger“ an, sagt sie. „Man muss schon Geld verdienen wollen.“

Makler arbeiten fast immer auf Provisionsbasis. Allzu großer Hunger ist dann aber wiederum genau das Problem. Über Tricks in der legalen Grauzone reden Insider nur ungern. „Tatsache ist aber, das ist auch branchenintern unstritt ig: Die Kunden fühlen sich reihenweise abgezockt“, sagt „Immobilienmakler“-Herausgeber Probst. „Da werden Provisionen verlangt, wo gar keine Vertragsverhältnisse bestehen, oder Aufwandsentschädigungen jenseits von Gut und Böse eingefordert, die jeder rechtlichen Grundlage entbehren.“ Überhaupt: überhöhte Provisionen. Einer der Klassiker. Makler versuchen, neben der gesetzlich festgelegten Marge von zwei Monatskaltmieten plus Mehrwertsteuer zusätzliche Gebühren oder Auslagen in Rechnung zu stellen. Doch das ist genauso verboten wie Vorschüsse. Verbraucherschützer Dirk: „Makler dürfen ausschließlich Provision nehmen, und das auch nur, wenn es wirklich zum Vertragsabschluss kommt.“ So regelt es das Wohnungsvermittlungsgesetz. Ebenfalls beliebt: Bauliche Mängel oder andere nachteilige Eigenschaften einer Wohnung werden dem Mieter verheimlicht. Oder auch: Makler, die eigentlich Hausverwalter sind, also in eimem Abhängigkeitsverhältnis zum Vermieter stehen. Da fungiert dann die Frau als Maklerin und zockt potenzielle Mieter ab.

Eine, die sich vom schlechten Image des Berufs nicht abschrecken lässt, ist Silvana Bischoff. Die 21-Jährige ist einer der drei Azubis im Engel-&-Völkers-Büro in Mitte. Sie ist wohl das, was man gerne als Zukunft der Branche sieht. Kein schmieriger Provisionsritter, sondern eine gut ausgebildete, kundenorientierte Nachwuchskraft. Vor einem Jahr ist sie nach Berlin gezogen, um eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau zu absolvieren. Das Image hat sie nie abgeschreckt, den Beruf fand sie schon immer faszinierend: „Er bietet Abwechslung, man hat viel Kontakt zu Menschen, und wenn man das mit Herz macht, dann ist das schon in Ordnung.“ Statt zu tricksen, lernt sie in der Ausbildung, in schwierigen Lagen Lösungen anzubieten: „Man muss den Kunden immer eine Alternative geben.“ Das bedeute, negative Umstände umzudeuten. Gäbe es keine Stellplätze vor dem Haus, müsse man wissen, wo die nächste U-Bahn-Station ist, oder ein Parkplatz, den man anmieten könne. Ihre eigene Wohnung hat Silvana Bischoff trotzdem nicht per Makler gefunden: „Sondern über das Internet. Ich wollte unbedingt in eine WG.“

Text: Björn Trautwein

Foto: Barbara Eckholdt / Pixelio

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