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Gastbeitrag: Neuer Chef an der Komischen Oper

Na bitte, geht doch: Während die Staatsoper nach dem Rauswurf von Peter Mussbach verzweifelt auf Intendantensuche ist und auch an der Deutschen Oper langsam die Frage geklärt werden muss, ob Kirsten Harms auch nach 2011 auf dem Chefsessel sitzen darf, hat die Komische Oper bei ihrer wichtigsten Personalentscheidung kurzen Prozess gemacht. In einer minutiös geplanten und – oh Wunder! – bis zuletzt geheim gehaltenen Aktion verkündete Berlins Oberkulturpolitiker Klaus Wowereit nicht nur den Abgang von Intendant Andreas Homoki an die Zürcher Oper, sondern präsentierte quasi auf dem Silbertablett auch schon den Nachfolger.

Barrie-Kosky__Felix-Drobek-TruesdaleAb 2012 soll der Australier Barrie Kosky den Modernisierungskurs fortsetzen, den Deutschlands Opernkritiker zuletzt mit dem prestigeträchtigen Etikett „Opernhaus des Jahres“ belohnt hatten. Und die Kulturschaffenden der Stadt reiben sich die Augen: Dass ein Intendant sein Haus nicht erst verlässt, wenn schon alle auf seine Ablösung drängen, hat nicht nur in Berlin Seltenheitswert. Und dass einem Haus die nervenzehrenden Spekulationen über Nachfolgekandidaten erspart bleiben, ist nach wie vor die Ausnahme. Die erfolgreiche Premiere von „Kiss me, Kate“ Ende Mai war es, die bei Wowereit den Ausschlag gab: Mit dem rauen Charme von Dagmar Manzel, mit pfundweise Pailletten und dem knisternden Sexappeal der knapp bekleideten Tänzer hatte Kosky nicht nur den Regierenden, sondern auch das Publikum überzeugt.

Fest steht: Nicht viele Regisseure machen derzeit so vital Oper wie der schwule Theatermann aus down under. Und viel hat er mit seinem neuen Haus vor: Uraufführungen, Musical und große Oper – gemacht von Leuten, die heute vermutlich selbst noch nicht wissen, dass sie in der Behrenstraße Musiktheater machen sollen. Die Oper, sagt Kosky gern, braucht eben hin und wieder einen kick in the ass, um nicht in Routine zu erstarren. Schön, dass er jetzt noch genug Zeit hat, um Anlauf zu nehmen.

Text: Jörg Königsdorf

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