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Gastbeitrag von Jacek Slaski: Wann ist Kunst Kunst?

Aus gegebenem Anlass wird an dieser Stelle eine elementare Frage gestellt: Was ist Kunst? Wie funktionieren die Mechanismen des Kunstmarktes? Und weshalb werden manche Werke für astronomische Summen gehandelt, während andere nicht mal auf dem Flohmarkt einen Käufer finden? Das Künstlerhaus Bethanien regt mit seinem Projekt „Anonyme Zeichner“ diese Fragestellungen an.
Bis zum 31. Oktober sollen sich dort Künstler und Nichtkünstler mit Zeichnungen bewerben, die im Dezember anonym ausgestellt werden.

Flohmarktbilder_Foto_von_Gerd_AltmannZum Einheitspreis von 150 Euro werden die eingereichten Arbeiten dann verkauft, den Namen des Verfassers erfährt man erst nach dem Kauf. Hat man nun einen echten Daniel Richter erwischt oder doch nur ein Werk der Bäckerstocher, darüber entscheidet nur das eigene Auge und der Geschmack, auf diese Konstanten ist allerdings nicht immer verlass. Mit solchen Regeln zu spielen, die der Kunstmarkt vorgibt, ist durchaus amüsant. Vor einigen Monaten hat die polnische Künstlergruppe Krasnale (Zwerge) ein Bild im Stil des polnischen Malers Wilhelm Sasnal gemalt und es beim Londoner Auktionshaus Christie’s zur Versteigerung angeboten. Der vermeintliche Sasnal mit dem schönen Titel „Affen mit weißen Bananen“ wurde mit Whielki Krasnal (Riesiger Zwerg) signiert und von Christie’s prompt auf mehr als einhunderttausend Euro geschätzt. Nicht nur, dass man in London geschlampt hat und ein gefälschtes Bild so teuer angeboten hat, nein, das war nicht einfach nur ein peinlicher Fehler, hier haben die Krasnale gemeinsam mit der unfreiwilligen Hilfe der Christie’s-Experten, die Mechanismen des Kunstmarktes entlarvt.

Kunst, teure Kunst ist eben nur die, auf die der richtige Name draufgepinselt wurde. Das genau wird im Bethanien anders sein, wenn man das große Los gezogen hat und einen anonym gezeichneten echten Sigmar Polke sein Eigen nennen darf oder die Niete, und man legte gutes Geld für ein Werk hin, von … sagen wir mal, dem Autor dieses Textes!

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