Stadtleben

Geld

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Unter einer besonders lustigen Überschrift wurde neulich im
Maxim Gorki Theater über die Finanzprobleme der Theater diskutiert. Die
Ursachen dafür, dass derzeit von Wuppertal bis Bonn und von Halle bis Potsdam
die Bühnen in finanzielle Nöte geraten, sind banal und in der Regel nicht
selbstverschuldet: Den Geldgebern geht das Geld aus. Die Kommunen, die
wichtigsten Träger der Stadttheater, leiden unter struktureller
Unterfinanzierung. Die Rezession hat tiefe Spuren in ihren Etats hinterlassen.
Die Neuverschuldung der Kommunen hat in 2010 ein Rekordniveau erreicht. Also
sparen sie, wo sie können. Bei gesetzlich vorgeschriebenen Ausgaben wie im
Sozialetat, dürfen sie nicht sparen. Bei der Kultur dürfen sie. Pech für die
Theater.


Die denkbar dümmste Antwort auf diese Situation formuliert in milieutypischer
Mauligkeit der Titel der Diskussion im Maxim Gorki Theater: „Genug Geld ist
da.“ Soll wohl heißen: Wenn der Staat Milliarden zur Stützung „systemrelevanter“
Banken ausgibt, müssen auch ein paar Millionen für die Theater drin sein. So
verworren können nur Subventionsempfänger argumentieren. Geld fällt nicht vom
Himmel. Es ist nicht einfach „da.“ Es muss erwirtschaftet werden. Die Theater
erwirtschaften kein Geld. Sie geben es aus. Also müssen sie mit jeder Premiere
und jeder Repertoire-Vorstellung ihre immer noch ziemlich üppige öffentliche
Finanzierung aus Steuergeldern legitimieren. Zum Beispiel durch intelligentes
Theater. Zum Beispiel durch große Kunst. Zum Beispiel dadurch, dass sie ihr
Publikum ernst nehmen. So ernst, dass sie sich nicht an reine
Unterhaltungsbedürfnisse anbiedern, sondern ihren Zuschauern zutrauen,
Vergnügen am Denken zu haben. Das ist gegenüber der Allgemeinheit, die jede Theaterkarte
mit gut hundert Euro subventioniert, nur höflich. Und es erhöht die
Überlebenschancen der Subventionstheater mit Sicherheit mehr als eine etwas
arrogante Anspruchshaltung. Theater, das niemand braucht, will völlig zu Recht
auch niemand mit seinen Steuern finanzieren.

Peter Laudenbach

 

 

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