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Grüne Großstadt

Gemeinschaftsgärten in Berlin: Hier können sich urbane Gärtner austoben

Gärtnern in der Großstadt klingt ein bisschen wie schwimmen in der Wüste. Gemeinschaftsgärten machen’s aber möglich und, viel wichtiger, zugänglich für alle. Denn klar, ein paar Häuser mit hübsch angelegtem Garten oder Schrebergärten gibt es zwar schon, doch die sind nur wenigen vorbehalten. Dicht bebaute Kieze, etwa in Neukölln und Wedding, bieten kaum Platz fürs Einzelgängeridyll. In guter Gesellschaft buddelt es sich ohnehin viel besser. Gerade deshalb wollen wir euch ein paar schöne Gemeinschaftsgärten in Berlin vorstellen.


Prachttomate

Schon klar, was im Gemeinschaftsgarten Prachttomate besonders leidenschaftlich angebaut wird. Foto: Imago/Peter Widmann

Zehn Jahre ist es her, da tat sich die Nachbarschaft der Bornsdorfer Straße in Teilen zusammen, um eine Brache vor ihrer Haustür von Müll zu befreien und sie mit Beeten zu füllen. Mittlerweile ist die graue, trostlose Fläche grün und lebendig. Hobbygärtner:innen treffen dort auf Neueinsteiger:innen und bauen Kräuter, Tomaten (wie der Name vermuten lässt), aber auch anderes Gemüse und Beeren in Hochbeeten an. Individuelle oder private Beete gibt es nicht.

  • Prachttomate Bornsdorfer Straße 9, Neukölln, E-Mail, weitere Infos hier

Pyramidengarten

Manchmal Grünkohl, manchmal Gurken oder auch Kartoffeln. Die Gärtner:innen haben im Gemeinschaftsgarten Pyramidengarten freie Wahl, was sie in ihre Hochbeete pflanzen wollen. Foto: Imago/Cavan Images

2007 startete der Verein Multikultureller Nachbarschaftsgarten das Projekt Pyramidengarten. Er pachtete eine Fläche am Columbiadamm, um Menschen aus allen Kulturen die Vielfalt der Pflanzen wie auch den Spaß an der Gartenarbeit zu vermitteln. Heute verfügt der Garten über 800 Quadratmeter Beete, wovon 600 individuell genutzt werden. Vereinsmitglieder sind für ihre Felder selbst verantwortlich. Einen Lehmofen gibt es ebenfalls. Erde wühlen und Teig kneten (vielleicht vorher Händewaschen), was verbindet mehr?

  • Pyramidengarten Columbiadamm 120, Neukölln, Tel. 030/68 08 86 22, weitere Infos hier

Prinzessinnengarten

In den beiden Prinzessinengärten könnt ihr euch auch einfach hinfläzen und quatschen. Foto: Staffan Cederborg/CC BY-SA 3.0

Pflanzen ziehen auf einem Friedhof klingt zunächst schräg, eventuell sogar pietätlos, dabei gibt es in Pankow mit Mayda sogar eine Bioblumen-Farm mit diesem Konzept. Und ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass es durchaus sinnvoll ist. 1867 eröffnete der Neue St. Jacobi Friedhof in Neukölln. Mit 7,5 Hektar Fläche (umgerechnet 75.000 Quadratmeter) bietet er viel Platz. Viele Gräber blieben allerdings aus Kostengründen unbelegt, viel Fläche ungenutzt.

Entsprechend stauchte der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte den Friedhof auf 4,2 Hektar (noch immer stolze 42.000 Quadratmeter) und verpachtete die übrige Fläche, unter anderem ans Prinzessinengarten-Kollektiv. Auf Beeten in Rollkisten bauen Freiwillige Gemüse an. Jeder kann mitmachen, es gibt keine privaten Beete. Kurse zu Bienenzucht, Recycling oder auch Heimwerken sorgen für Abwechslung zum Gartenalltag, ein Café gibt es ebenfalls. Übrigens: Am Moritplatz befindet sich ein weiterer Prinzessinnengarten.

  • Prinzessinnengarten Hermannstraße 99-105, Neukölln, Tel. 0176/20 81 53, E-Mail, weitere Infos hier
  • Prinzessinnengarten Prinzenstraße 35-38, Kreuzberg, E-Mail, weitere Infos hier

Allmende Kontor

Das Tempelhofer Feld bietet Platz für Gemeinschaftsgärten. Foto: Imago/Winfried Rothermel
Das Tempelhofer Feld bietet Platz für Gemeinschaftsgärten. Foto: Imago/Winfried Rothermel

Seit 2010 rollen keine Flugzeuge mehr über das Flugfeld, sondern Skateboards – oder alles andere, was Räder hat. Flughafen dicht und trotzdem viel los auf dem Tempelhofer Feld. Schon kurz nach der Eröffnung forderte der Verein Allmende Kontor Flächen für Gemeinschaftsgärten. Nach gut einem Jahr standen die ersten Hochbeete. Heute sind es etwa 250. Neben den Mitgliedern vorbehaltenen Beeten gibt es Gemeinschaftsbeete für alle, darunter Bienengärten, Getreidekringel und Anzuchtbeete.

  • Allmende Kontor Tempelhofer Feld, Neukölln, E-Mail, weitere Infos hier

Gleisbeet

Angefangen hat es mit dem Wriezener Freiluftlabor, bei dem verschiedene Menschen verschiedene Konzepte ausprobierten, darunter ein Gemeinschaftsgarten, aus dem das Gleisbeet wurde. Foto: GeorgDerReisende/CC BY-SA 4.0

Erst separater Bahnsteig des Schlesischen Bahnhofs, dann eigenständiger Bahnhof und heute Heimat des Gemeinschaftsgartens Gleisbeet. Zwischen 1898 und 1990 war der Wriezener Bahnhof Berlin Endpunkt der Reisezüge nach Wriezen, daher der Name. Heute fährt hier nichts mehr, die ungenutzten Gleise baute die Deutsche Bahn ab.

Der Verein Gleisbeet setzte sich 2012 das Ziel, den unter anderem vom Güterzugverkehr beschädigten Boden wieder fruchtbar zu machen. Auf über 1000 Quadratmeter können Freiwillige gärtnern, basteln oder abschalten, solange sie Vereinsmitglied werden. Für Anwohner:innen rund um die Helsingforser Straße gibt es freie Beete.

  • Gleisbeet Helsingforser Straße 29, Friedrichshain, E-Mail, weitere Infos hier

Rosa Rose Garten

Auch Obstbäume stehen im Garten Rosa Rose. Hier zu sehen: die Apfelblüte. Foto: Imago/Gottfried Czepluch

Zunächst sah es für den Nachbarschaftsgarten Rosa Rose nicht gut aus. 2004 eröffnete er an der Kinzigstraße, 2009 musste er den Standort verlassen – ein Problem mit Investor:innen, wie die Verantwortlichen schreiben. Nach verzweifelter Suche und einem Intermezzo auf einer Fläche des Liegenschaftsfonds landete er ein Jahr später auf einer Grünfläche an der Jessnerstraße. Dort blieb er. Es gibt Einzel- sowie Gemeinschaftsbeete, an denen sich alle beteiligen dürfen, außerdem Obstbäume und Beerensträucher.

  • Rosa Rose Garten Jessnerstraße 3, Friedrichshain, E-Mail, weitere Infos hier

Interkultureller Garten

In dem interkulturellen Gemeinschaftsgarten ziehen blühende Krokusse auch Bienen an. Foto: Imago/Future Image

Gärtnern verbindet. Im interkulturellen Garten Pankow, gegründet vom Verein Bunter Garten Buchholz, kommen viele Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen, um gemeinsam die Hände in die Erde zu stecken. Erfahrungen sollen dabei ausgetauscht, Vorurteile abgebaut werden. Auf 2.000 Quadratmetern mit rund 20 Parzellen, einer Kräuterspirale und einem Feuchtbiotop können sich die Hobbygärtner:innen seit 2009 austoben.

  • Interkultureller Garten Pankow Auberstraße 1, Pankow, E-Mail

Nachbarschaftsgarten Kreuzberg

Insektenhotels sind auch Rückzugsorte für Bienen und gerade in Städten wichtig. Entsprechend gut ist es, dass der Gemeinschaftsgarten in Kreuzberg eines errichtet. Foto: Imago/Frank Sorge

Der Verein Nachbarschaftshaus Urbanstraße schloss sich 2019 mit einer Gruppe Kreuzberger:innen und geflüchteten Menschen aus Syrien und Afghanistan zusammen, um einen Nachbarschaftsgarten in der Kolonie am Flughafen in Kreuzberg zu eröffnen. Ein Jahr später standen zwei Parzellen, und die ersten Saaten wanderten unter die Erde.

Es gilt vor allem, den Menschen aus der Nachbarschaft Einblicke in gesunde Ernährung, Selbstversorgung und Umweltschutz zu geben. Insektenhotel und Komposttoilette gibt es ebenfalls. Zwei Dinge, auf die Städter:innen sehr wahrscheinlich seltener stoßen – und wer möchte nicht auf einem Berg Kompost sein Geschäft verrichten?

  • Nachbarschaftsgarten Kreuzberg Kolonie am Flughafen Züllichauer/Ecke Golßener Straße, Kreuzberg, 0178/311 28 03, weitere Infos hier

Kiezgarten Fischerstraße

April, die Zeit der Apfelblühte. Die Bäume finden sich häufig auf Streuobstwiesen wie auf der des Gemeinschaftsgartens Kiezgarten Fischerstraße. Foto: Imago/Ulmer Pressebildagentur

Seit 2013 besteht der Kiezgarten in der Fischerstraße. Auf rund einem Hektar können sich Hobbygärtner:innen auf Gemeinschafts-, Themen-, Gruppen und Einzelbeeten, einer Streuobstwiese oder auch einer Holzbauwerkstatt kreativ wie auch gärtnerisch frei entfalten. Erfahrung, Geld und Herkunft spielen keine Rolle, alle dürfen mitmachen.

  • Kiezgarten Fischerstraße Fischerstraße 23, Lichtenberg, E-Mail, weitere Infos hier

Wilde 17

Aus den Endivien können die Gärtner:innen Salate für die Gemeinschaft machen. Foto: Imago/Westend61

Ein kleines Hinterhofidyll, so lässt sich die Wilde 17 am ehesten beschreiben. Wenige Meter vom Gesundbrunnen entfernt, versteckt zwischen Häuserblocks liegt der Gemeinschaftsgarten. Er ist vielleicht nicht ganz so geschichtsträchtig wie das Gleisbeet oder Tempelhofer Feld, dafür aber ähnlich gemütlich und mit 600 Quadratmetern überraschend groß. Ein Maschendrahttor, der braungelbe Boden, der Bauwagen und selbstgebastelte Felder lassen wie eine romantisierte Vorstellung einer Postapokalypse wirken. Jeder darf reinschauen, allerdings kann man sich erst zur nächsten Saison als Gärtner:in bewerben.

  • Wilde 17 Böttgerstraße 17, Wedding, E-Mail, weitere Infos hier

Himmelbeet (Noch im Umzug)

Im Gemeinschaftsgarten Himmelbeet stehen die Hochbeete vielleicht nicht auf einem Dach, sie machen dennoch was her. Foto: Maximilian Bühn/CC BY-SA 4.0

Gärtnern über den Dächern der Stadt fernab von lärmenden Autos und gestressten Menschen – so der Plan, den die gemeinnützige Himmelbeet GmbH 2013 erdachte. Ein Gartenprojekt sollte auf dem Dach des Schillerpark-Centers an der Müllerstraße entstehen. Klingt schön, kam aber anders. Das Vorhaben scheiterte an Fragen zu Statik und Brandschutz, die bürokratische Mühle verwandelte den Traum in Staub. Aufgegeben haben die Verantwortlichen ihre Idee von Gemeinschaftsgärten aber nicht.

Sie pachteten eine Schotterfläche im Wedding, bauten etwa 225 Beete aus Europaletten und teilten sie mit allen, die Interesse an Gartenbau haben. Einen Teil verpachten sie, der Rest war für alle bestimmt. Ein paar Jahre ging das gut. Leider musste das Himmelbeet Wedding verlassen. Die nächste Gartensaison soll in diesem Jahr in der Gartenstraße starten.

  • Himmelbeet befindet sich noch im Umzug (Gartenstraße/Ecke Grenzstraße), Mitte, [email protected], weitere Infos hier

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