Berlin verstehen

12 kuriose Postkarten aus dem alten Berlin

Die Postkarte gehörte im alten Berlin zum Alltag dazu. Bevor Telefon und Internet die schnelle Nachricht und unverbindliche Kommunikation ablösten, war man auf sie angewiesen. Heute werden Postkarten gelegentlich noch aus dem Urlaub an die Großeltern verschickt, weil die ja kein Facebook und Instagram haben. Wir zeigen hier 12 kuriose Postkarten, die einiges über das Leben in Berlin vor etwa einem Jahrhundert erzählen.

Der kleine Prinz

Berlin Postkarten: Prinz Wilhelm von Preußen.
Prinz Wilhelm von Preußen. Foto: Imago/Arkivi

Der kleine Prinz posiert nicht, er nestelt im Garten an irgendeiner Schnur herum, schaut nicht in die Kamera und sieht obendrein recht unbeteiligt aus. Das ist seltsam, denn normalerweise achtete die kaiserliche Familie stets auf ihr Erscheinungsbild und ließ auch den Nachwuchs standesgemäß ablichten. Auf diesem Schnappschuss trägt der zukünftige Monarch aber Hot Pants und Schnürstiefel, die bis übers Knie reichen. Mutige Kombination und einer unserer Favoriten unter den Berlin Postkarten!


Spaß im Eispalast

Blick in den Hohenzollern-Sportpalast.
Blick in den Eispalast in Schöneberg. Foto: Imago/Arkivi

Der Eispalast in der Schöneberger Martin-Luther-Straße eröffnete 1908 als multifunktionaler Veranstaltungsraum, der knapp 5.000 Menschen Platz bot. Neben Eissport fanden in dem berühmten Etablissement auch Konzerte, Shows und Revuen statt.

Zwischendurch gingen die Betreiber pleite und man nutzte die mit einer Kälteanlage ausgestattete Räume, um darin Fleisch zu lagern. Um 1920 wurde der Eispalast zum Varietétheater Scala und das Kulturprogramm wieder aufgenommen. 1943 zerstörtem Fliegerbomben das Gebäude.


Zeppelin über Berlin

Berlin Postkarten: Zeppelinsches Luftschiff über dem königlichen Schloss.
Luftschiff über dem königlichen Schloss. Foto: Imago/Arkivi

Zeppeline über Berlin gehörten in der Kaiserzeit durchaus zum Stadtbild dazu. Die deutsche Erfindung sollte den weltweiten Verkehr revolutionieren. Das daraus nichts wurde und wie die Tragödie in der die gesamte Unternehmung mündete, sind gut bekannt. Kurios an dieser Postkarte ist aber gar nicht mal das Flugschiff, sondern die jubelnden und schauenden Berliner, die plump ins Bild montiert wurden. Der Wachmann mit der Pickelhaube links unten ist besonders zu beachten.


Soeben in Berlin angekommen!

Landung in Berlin.
Landung in Berlin. Foto: Imago/Arkivi

Die Sache mit den Luftschiffen konnte ja nichts werden, auch in Berlin stieg man schon bald aufs Flugzeug um. Diese schöne Postkarte sieht aus, als wäre sie einem Kinderbuch von Erich Kästner entnommen. Entspannt steigen die Passagiere aus der Maschine, der kleine junge mit dem roten Luftballon könnte doch Emil sein… oder Anton?


Der fröhliche Kaiser

Berlin Postkarten: Kaiser Wilhelm II. von Preußen und eine fröhliche Mädchenschaar.
Kaiser Wilhelm II. von Preußen und eine fröhliche Mädchenschaar. Foto: Imago/Arkivi

Was war da nur los? „Unser Kaiser inmitten einer fröhlichen Mädchenschaar.“ Klasse Bildunterschrift. Und die Postkarte zeigt, wie begeistert man einst vom Monarchen war. Neben Landschaften und berühmten Gebäuden, gehörten Postkarten mit den Konterfeis der kaiserlichen Familie zu den beliebtesten Motiven. Heute ist es kaum vorstellbar, dass jemand ernsthaft eine Postkarte mit dem Foto von Angela Merkel oder Frank-Walter Steinmeier verschicken würde.


Alte Bauernschänke

Berlin Postkarten: Alte Bauernschänke, Jägerstraße 69, Mitte.
Alte Bauernschänke, Jägerstraße 69, Mitte. Foto: Imago/Arkivi

Jau, hier ist man noch unter sich, frohen Mutes säuft sich die Gesellschaft in der Alten Bauernschänke gepflegt einen an. Etwas idealisiert wirkt die Illustration schon, als wären wir gar nicht in der Jägerstraße in Mitte, sondern irgendwo im Alpenländischen. Gemütlich schaut es aber aus, nur der Wirt oben rechts kommt etwas streng daher.


Gruß aus Wittenau

Gruss aus Wittenau.
Gruss aus Wittenau. Foto: Imago/Arkivi

Die „Grüße aus…“-Postkarte ist ein Klassiker. Normalerweise hieß es „Grüße aus Berlin“ und man zeigte das Stadtschloss, den Tiergarten und den Kaiser. Aber es ging auch eine Nummer kleiner. Auf der „Gruß aus Wittenau“-Karte werden Schule, Kirchen und das Warenhaus von Franz Borries gewürdigt. Praktischerweise hat letzterer die Karte drucken lassen. Damals gehörte die Gemeinde noch nicht zu Berlin, erst 1920 wurde Wittenau Ortsteil von Groß-Berlin und ist heute das Herz von Reinickendorf.


Zum Schwabenwirt

Berlin Postkarten: Zum Schwabenwirt.
Zum Schwabenwirt. Foto: Imago/Arkivi

Berlin-Postkarten waren auch in der kulinarischen Welt verbreitet. Das gutbürgerliche Wirtshaus in der Schöneberger Motzstraße war eine beliebte Adresse für Nachtschwärmer und Gourmets. Das Motiv beweist auch, dass die Schwaben bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Einzug in Berlin gehalten haben. Und damals hatte das nichts mit der Wehrpflicht oder schicken Wohnungen in Prenzlauer Berg zu tun.


Doppelnashorn Mtoto

Afrikanisches Doppelnashorn Mtoto.
Afrikanisches Doppelnashorn Mtoto. Foto: Imago/Arkivi

Diese Postkarte versprüht noch den kaiserlich-kolonialen Gestus, dabei schreiben wir immerhin das Jahr 1928. Doch der Text steht für sich: „Das afrikanische Doppelnashorn Mtoto wurde von der Tierfangexpedition des Zoologischen Gartens Berlin in Ostafrika gefangen. Es war drei bis vier Monate alt“. So, so. Man kann sich die schnurrbärtig-preußischen Zoologen förmlich vorstellen, wie sie in ihren weißen Tropenuniformen dem Tier nachjagten. Wie dem auch sei, Mtoto kam nach Berlin und war eine Sensation. In dieser Zeit wurde auch der berühmte Gorilla Bobby ein Berliner und gehörte zu den berühmtesten Tieren im Berliner Zoo.


Längenvergleich: Schiff vs. Schlossplatz

Berlin Postkarten: Längenvergleich – Dampfer Kaiser Wilhelm II. und Schloßplatz.
Längenvergleich – Dampfer Kaiser Wilhelm II. und Schlossplatz. Foto: Imago/Arkivi

Das muss man gesehen haben, am besten auf einer Postkarte. Der Doppelschrauber-Schnellpostdampfer „Kaiser Wilhelm II“ ist mit 215 Metern länge nur zehn Meter kürzer als der Berliner Schlossplatz. Ohne diese Karte hätten das niemand gewusst. Quasi ein Vorläufer der Internet-Memes.


Pilzhaus am Schäfersee

Berlin Postkarten: Anlagen am Schäfersee.
Anlagen am Schäfersee. Foto: Imago/Arkivi

1928 gab es noch keine Schlümpfe, hätte es welche gegeben, wären sie sicherlich hoch erfreut über den Kiosk am Schäfersee in Reinickendorf-Ost. Ein hübsches Pilzhaus, darin kühle Erfrischungen. Was will man mehr bei einem Ausflug ins Grüne? Eine Postkarte natürlich!


Handball-Städtekampf

Berlin Postkarten: Der Handball Städtekampf Hannover Berlin.
Der Handball Städtekampf Hannover Berlin. Foto: Imago/Arkivi

In Berlin gab es Postkarten zu vielerlei Anlässen, auch der Sport bot Gelegenheit, die Druckmaschine anzuschmeißen. Denn es ereignete sich Folgendes: Am 11. April, das Jahr ist unbekannt, sagen wir mal 1931, schlug Hannover Berlin beim Handball-Städtekampf mit 8:7. Trotz der gefährlichen Spiellage vor dem Tor der Hannoveraner, die diese Postkarte bis in alle Ewigkeit festhält.


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