Berlin verstehen

Autos, Räder, Dackel und Seifenkisten: 12 große Rennen in Berlin

Schneller, schneller, schneller! Ob zu Pferd, im Auto, auf dem Rad oder mit der Kraft der eigenen Beine. Der Mensch liebt es, sich im Wettbewerb zu messen und herauszufinden, wer zuerst ins Ziel kommt. Auf den Sieger wetten, anfeuern, jubeln und sich ärgern, gehört zum Ritual dazu. Die Rennen gehören zu unseren ältesten kulturellen Traditionen. Natürlich auch in Berlin.

Einst fanden sie bei Turnieren und Volksfesten statt, ab dem 19. Jahrhundert etablierten sich spezialisierte Rennveranstaltungen. Die Geschichte des Berliner Sechstagerennens, der Regatten auf dem Müggelsee, der Autorennen auf der AVUS und der Galopprennen in Hoppegarten reicht weit zurück. Hier erzählen wir ein Stück rasanter Stadtgeschichte: 12 Rennen in Berlin.


Berliner Sechstagerennen

Der Start zum 27. Berliner Sechstagerennen ! Blick in den Sportpalast kurz vor dem Start. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-13120/CC-BY-SA 3.0
Der Start zum 27. Berliner Sechstagerennen ! Blick in den Sportpalast kurz vor dem Start. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-13120/CC-BY-SA 3.0

Das Sechstagerennen ist keine Berliner Erfindung. In New York fanden die „Sixdays“ schon gut zehn Jahre früher statt. In der preußischen Metropole ging es 1909 los. Damals in der Ausstellungshalle am Zoo. Doch die Stadt ist der Veranstaltung treu geblieben, vor allem wegen des enormen Zuspruchs seitens der Zuschauer und der Bedeutung des Rennens als gesellschaftliches Ereignis.

Die Radrennfahrer rasen in Teams auf der ovalen Arena bis zur Erschöpfung. Teilweise fand das Rennen mehrmals im Jahr statt. In der Frühzeit im längst abgerissenen Berliner Sportpalast, später in der ebenfalls nicht mehr existierenden Deutschlandhalle und seit 1997 im Velodrom, wo 2020 das 109. Berliner Sechstagerennen stattfand.


Bundesjollen im Rennen auf dem Müggelsee

Bundesjollen im Rennen, Müggelsee, ca. 1930. Foto: Imago/Arkivi
Bundesjollen im Rennen, Müggelsee, ca. 1930. Foto: Imago/Arkivi

Auch der Wassersport hat in Berlin eine lange Tradition. Am Wannsee trainierten die Ruderer und regelmäßig fanden im Westen der Stadt Ruderwettbewerbe statt. Die Segler trafen sich neben dem Wannsee und dem Tegeler See, wo es auch ein Motorboot-Rennen gibt, auch auf dem Müggelsee im Südosten Berlins. Die Aufnahme aus den frühen 1930er-Jahren zeigt ein Bundesjollen-Rennen. Die Köpenicker Segelregatten gibt es bis heute.


Internationales Motorradtreffen in Berlin

Motorradrennen in Berlin, 1932. Foto: Imago/Topfoto/United Archives International
Motorradrennen in Berlin, 1932. Foto: Imago/Topfoto/United Archives International

Ab 1922 fanden auf der AVUS auch Rennen für Motorräder statt, die sich schon bald europaweit etablierten und die besten Fahrer des Kontinents anzogen. Das Rennen gehörte zu den wichtigsten Motorradrennen der Welt, das auch nach dem Krieg fortgesetzt wurde. Bis 1966 fuhren die heißen Öfen noch auf der Autobahn-Rennstrecke im Südwesten der Stadt.


Internationale Friedensfahrt

DDR-Rennradlegende Gustav Schur (links) bei der Internationalen Friedensfahrt, 1956. Foto: Imago/Topfoto/United Archives International
DDR-Rennradlegende Gustav Schur (links) bei der Internationalen Friedensfahrt, 1956. Foto: Imago/Topfoto/United Archives International

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Teilung Europas hat sich auch die Sportwelt unterschiedlich entwickelt. So entstand 1947 die Idee für die Internationale Friedensfahrt, ein Straßenradrennen, das durch diverse sozialistische Länder führte. Anfangs verlief die Strecke von Warschau nach Prag. Ab 1952 führte das Rennen auch nach Ost-Berlin.

In den Staaten des Warschauer Pakts gehörte die Friedensfahrt zu den sportlichen Höhepunkten des Jahres, während der Westen die Veranstaltung eher vernachlässigte.


AVUS Rennen – Grand Prix

Rennen in Berlin: Autorennen auf der AVUS, 1964. Foto: Imago/Serienlicht
Autorennen auf der AVUS, 1964. Foto: Imago/Serienlicht

1921 wurde die Trasse im Südwesten Berlins eröffnet, es war die erste dem Autoverkehr vorbehaltene Straße der Welt – und damit die Geburtsstunde der Autobahn. Auf der gut acht Kilometer langen Strecke fanden ab 1926 Autorennen statt. Die großen europäischen Autohersteller wie Mercedes, Alfa Romeo und Bugatti gingen mit ihren pfeilschnellen Konstruktionen an den Start.

Nach dem Krieg ging es 1951 mit den Rennen wieder los. Infolge von mehreren, teilweise tödlichen Unfällen endete aber die Ära der Berliner Grand-Prix-Rennen auf der AVUS in den späten 1950er-Jahren. Bis Ende der 1990er fanden aber noch Nachwuchsrennen sowie Rennen mit Tourenwagen auf der AVUS statt.


Seifenkistenrennen

Seifenkistenrennen in Berlin, 1974. Foto: Imago/Gerhard Leber
Seifenkistenrennen in Berlin, 1974. Foto: Imago/Gerhard Leber

Ah ja, die gute alte Seifenkiste. Da muss man an die seligen West-Berliner Zeiten denken, als es nur drei Fernsehkanäle gab und die Eltern vorne im Wagen HB-Zigaretten rauchten, während die Kinder umangeschnallt auf der Rückbank tobten.

Auf dem Mehringdamm in Kreuzberg ging bei den Berliner Seifenkistenrennen die Post ab. Später machten die Enthusiasten der selbstgebauten Null-PS-Schlitten in Wedding weiter und auch in Neukölln fanden mal Rennen statt.


FIA Formel E, Großer Preis von Berlin

Rennen in Berlin: FIA Formel E, Großer Preis von Berlin 2019. Foto: Imago/Jan Huebner
FIA Formel E, Großer Preis von Berlin 2019. Foto: Imago/Jan Huebner

Die Formel 1 hat es noch nicht so richtig nach Berlin geschafft, in Deutschland messen sich die weltbesten Fahrer in den wohl schnellsten Rennwagen überhaupt auf dem Hockenheimring in Baden-Württemberg. Doch die FIA Formel E, ein Rennen für Rennwagen mit Elektromotor, hat gefallen an der Stadt gefunden.

Es gab Formel-E-Rennen im Herzen der Stadt auf der Karl-Marx-Allee in Mitte und auch auf dem Tempelhofer Feld gingen die elektrischen Raser an den Start. Und im kommenden Jahr soll der Berlin E-Prix wohl weitergehen.


Trabrennen in Mariendorf

Trabrennen in Mariendorf, 2015. Foto: Imago/Marius Schwarz
Trabrennen in Mariendorf, 2015. Foto: Imago/Marius Schwarz

Zwei große Trabrennbahnen hat Berlin, so wie es sich gehört eine im Westen und eine im Osten der Stadt. Auf dem Gelände in Karlshorst fanden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erste Pferderennen statt. Man führte dort Galopp-, Hindernis- und Jagdrennen durch.

Nach dem Krieg wurde das Areal unter sowjetische Vorgabe zur Trabrennbahn umgebaut, auf der bis heute Rennen stattfinden. West-Berlin hatte seine Trabrennbahn hingegen tief im Süden, in Mariendorf. Seit mehr als 100 Jahren finden dort Rennen statt. Zwar sind die Besucherzahlen seit den 1990er-Jahren rückläufig, die Mariendorfer sahen sich sogar gezwungen, Teile des Grundstücks zu verkaufen, doch man will an dem Standort festhalten.


Großes Dackelrennen

Rennen in Berlin: Dackelrennen in Lichtenrade, 2003. Foto: imago/Olaf Wagner
Dackelrennen in Lichtenrade, 2003. Foto: imago/Olaf Wagner

Der Mensch ist nicht nur an seiner eigenen Schnelligkeit im Wagen, auf dem Rad oder zur See interessiert. Nein, auch sein bester Freund, der Hund soll möglich rasant von Punkt A zu Punkt B kommen. Hunderennen haben in Deutschland keine lange Geschichte und sind eher eine Randerscheinung, im Unterschied etwa zu den angelsächsischen Staaten.

Dennoch gibt es auch in Berlin gelegentlich Rennen für Vierbeiner. Windhunde kommen da einem in den Sinn, doch beim großen Dackelrennen in Lichtenrade treten die putzig langgezogenen Teckel in die Startlöcher. Die Distanz: 25 Meter für Junior und Senior und 50 Meter für die anderen. Trotz kurzer Dackelbeine kommen die Teilnehmer mit fliegenden Ohren ins Ziel!


Kakerlakenrennen

Kakerlakenrennen während einer Party in Berlin, 2007. Foto: Imago/Lars Reimann
Kakerlakenrennen während einer Party in Berlin, 2007. Foto: Imago/Lars Reimann

Die große Geschichte der Kakerlakenrennen müsste vermutlich noch erforscht werden. Angeblich ließen Gefängnisinsassen die Schaben um die Wette laufen, und sorgten damit für etwas Unterhaltung hinter Gittern. Wetten auf den Ausgang der kuriosen Wettbewerbe kann man schließlich auch.

In Berlin hat der russische Künstler Nikolai Makarov die Kakerlakenrennen populär gemacht. Anfang der 2000er tauchte er bei Partys auf und erntete große Begeisterung. Man konnte mit fünf Euro einsteigen, auf australische Kakerlaken, die Makarov mit Namen wie „Iwan, der Schreckliche“ versah, setzen und mit etwas Glück am Ende des Abends eine Flasche Wodka gewinnen. Prost!


Galopprennen in Hoppegarten

Rennen in Berlin: Galopprennen in Hoppegarten. Foto: Imago/Brigani Art
Galopprennen in Hoppegarten. Foto: Imago/Brigani Art

Die Galopprennbahn in Hoppegarten ist schon schick. Ein feiner Glanz vergangener Zeiten weht über dem Gelände. Wer an den Renntagen mal da war, fand sich in dieser speziellen Atmosphäre wieder. Einer Mischung aus Volksfest, elegantem Event und aufregender Sportveranstaltung.

Die Pferde werden vorgeführt, Jockey uns Trainer stehen Rede und Antwort. Preise werden überreicht. Eine Band spielt, man kann Wurst essen, die Kinder bespaßen und auf die Sieg oder Platz wetten. Auf der VIP-Tribüne drängen sich die Damen mit überdimensionalen Hüten, der Stadionsprecher surrt im Hintergrund. In Hoppegarten finden seit 150 Jahren schon die tollsten Rennen statt.


Berlin Marathon

Rennen in Berlin: Startschuss beim 45. BMW Berlin Marathon im Tiergarten, September 2017. Foto: Imago/POP-EYE/Ben Kriemann
Das wohl größte Rennen in Berlin: Startschuss beim 45. BMW Berlin Marathon im Tiergarten, September 2017. Foto: Imago/POP-EYE/Ben Kriemann

Jedes Jahr kommen zigtausende Läufer aus aller Welt nach Berlin und laufen gemeinsam die 42,195 Kilometer. Beim Berlin Marathon gab es Weltrekorde, irre Verkleidungen und die ganze Stadt wird zwar regelmäßig von der riesigen Veranstaltung lahmgelegt, aber gleichzeitig stehen Menschenmassen am Streckenrand und jubeln mit. Musiker geben spontane Konzerte und überhaupt herrscht bei diesem riesigen Rennen eine tolle Atmosphäre. Berlin ist nun mal eine Stadt der Rennen.


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