Verkehr

Berlin und die Autobahn – Geschichte des urbanen Schnellverkehrs

Berlin und die Autobahn, das sind 100 Jahre Verkehrsgeschichte. Denn mitnichten hat „Hitler die Autobahn gebaut“. Die AVUS wurde bereits am 24. September 1921 eröffnet, es war die erste allein dem Autoverkehr vorbehaltene Straße überhaupt. Und zumindest in Berlin entstanden die meisten Autobahnen erst nach 1945 – vor allem die A 100 sowie weitere Autobahnen und Zubringer und auch die meisten Abschnitte des Berliner Rings. Denn obwohl er größtenteils auf brandenburgischem Gebiet liegt, wirkt sich die Ringautobahn A 10 enorm auf die Stadt aus.

Entlang von 12 Fotos erzählen wir hier von Berlin und der Autobahn – es ist eine Geschichte des urbanen Schnellverkehrs. Eine Geschichte der freien Fahrt, aber auch der Kritik an ungebremsten Verkehrskonzepten, die das Auto in den Mittelpunkt stellen.


Am Anfang war die AVUS

Berlin und die Autobahn: Rennen auf der AVUS, 1964. Foto: Imago/Serienlicht
Rennen auf der AVUS, 1964. Foto: Imago Images/Serienlicht

Am Anfang war die AVUS. 1921 wurde die Trasse im Südwesten Berlins eröffnet, es war die erste dem Autoverkehr vorbehaltene Straße der Welt – und damit die Geburtsstunde der Autobahn. Auf der gut acht Kilometer langen Strecke fanden ab 1926 Autorennen statt. Die großen europäischen Autohersteller wie Mercedes, Alfa Romeo und Bugatti gingen mit ihren pfeilschnellen Konstruktionen an den Start.

Nach dem Krieg ging es 1951 mit den Rennen wieder los. Der stromlinienförmige Mercedes-Benz W 196 (Foto) sorgte damals für Furore. Infolge von mehreren, teilweise tödlichen Unfällen endete aber die Ära der Berliner Grand-Prix-Rennen auf der AVUS in den späten 1950er-Jahren. Bis Ende der 1990er fanden aber noch Nachwuchsrennen sowie Rennen mit Tourenwagen auf der AVUS statt.


Die Stadtautobahn entsteht

Stadtautobahn am Hohenzollerdamm mit Blick auf den Funkturm, um 1960. Foto: Imago/Serienlicht
Stadtautobahn am Hohenzollerdamm mit Blick auf den Funkturm, um 1960. Foto: Imago Images/Serienlicht

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die West-Berliner Verkehrsplaner auf den Autoverkehr. Die Straßenbahnen wurden abgeschafft, zwar wurde zeitgleich das U-Bahnnetz ausgebaut, doch dem Auto sollte die Zukunft gehören. Ein Kernprojekt dieses Vorhabens war die Stadtautobahn A 100. Der erste Abschnitt wurde 1958 eröffnet, er verband die Ausfahrten Kurfürstendamm und Hohenzollerndamm.

Die vorerst letzte Abschnitt ist seit 2004 in Betrieb und führt von der Ausfahrt Buschkrugallee bis zur Grenzallee, weitere Teilstrecken sollen in den kommenden Jahren hinzukommen und bis zum Treptower Park bzw. Storkower Straße reichen. Die Pläne zum Ausbau der A 100 werden heftig kritisiert.


Von West-Berlin nach Westdeutschland auf der Transitstrecke

Unterwegs auf der Transitstrecke, 1960er-Jahre. Foto: Imago/Serienlicht
Auf der Autobahn raus aus Berlin: Unterwegs auf der Transitstrecke, 1960er-Jahre. Foto: Imago Images/Serienlicht

Zwar führten die Transitstrecken, die West-Berlin mit Westdeutschland verbanden, nicht direkt auf Berliner Stadtgebiet, doch sie müssen zur Berliner Autobahngeschichte hinzugerechnet werden. Über drei Strecken konnte man die Mauerstadt in Richtung Westen, Südwesten und Nordwesten verlassen und erreichen.

Man holperte mit Tempo 100 über die von der Stasi streng überwachten einsamen Autobahnen, konnte im Intershop Halt machen, wo es Zigaretten und andere DDR-Produkte gab, und musste die Grenzkontrollen und grimmige Beamte über sich ergehen lassen.


Leben an der Autobahn in Berlin

Berlin und die Autobahn: Luftaufnahme von Steglitz mit Bierpinsel und Stadtautobahn, 1970er-Jahre. Foto: Imago/Gerhard Leber
Berlin und die Autobahn: Luftaufnahme von Steglitz mit Bierpinsel und Stadtautobahn, 1970er-Jahre. Foto: Imago Images/Gerhard Leber

Bis in die 1970er-Jahre verlängerte sich die Stadtautobahn zu einem Halbring, der im Falle einer Wiedervereinigung zu einem kompletten innerstädtischen Autobahnring ausgebaut werden sollte. So sahen zumindest die damaligen Pläne der West-Berliner Verwaltung aus.

Dazu kam es nicht, auch wurde einige Autobahnprojekte nicht verwirklicht, etwa die Anbindung von Kreuzberg, die unter anderem an den Protesten der Hausbesetzer scheiterten. Die linken Spontis hatten keine Lust auf den Krach, der zum Alltag vieler Berliner in Steglitz, Wilmersdorf, Neukölln oder Tempelhof gehört.


Der Berliner Ring

Berliner Ring, Ausfahrt Birkenwerder. Foto: Imago/Frank Sorge
Berliner Ring, Ausfahrt Birkenwerder. Foto: Imago Images/Frank Sorge

Schon früh hat man erkannt, dass Großstädte ausgeklügelte Umgehungsstraßen benötigen, damit sich der Transitverkehr nicht durch die Ballungsräume bahnt, sondern an ihnen vorbeigeleitet werden kann. So begannen die Konzeptionen am Berliner Ring in der Zeit des Nationalsozialismus. Ab 1936 entstanden nach und nach die Teilstücke des heute längsten Autobahnrings Europas.

Insgesamt 196 Kilometer ist der Berliner Ring lang und umrundet damit zumeist auf brandenburgischem Gebiet die deutsche Hauptstadt. Damit ist die Autobahn A 10, wie der Berliner Ring offiziell heißt, ein elementarer Bestandteil des Berliner Verkehrs und verbindet sämtliche Stadtautobahnen: die A 100, A 111, A 113, A 114, A 115. Nur die A 177 dockt nicht direkt an den Ring an.


Verkehr der Zukunft?

Berlin und die Autobahn: Das ICC Berlin und die Stadtautobahn, Ende der 1970er-Jahre. Foto: Imago/Serienlicht
Das ICC Berlin und die Stadtautobahn, Ende der 1970er-Jahre. Foto: Imago Images/Serienlicht

Die 1970er-Jahre waren ein wichtiges Jahrzehnt für die Entwicklung der Autobahnen. Die Abschnitte Wexstraße, Schöneberg und Charlottenburg kamen hinzu, 1981 dann der Abschnitt Alboinstraße. Berlin war eine Autobahnstadt.

Doch im Zuge der Studentenproteste, der Entwicklung der alternativen Szene und schließlich der Gründung der Grünen beziehungsweise Alternativen Liste, wie die Partei in West-Berlin hieß, regte sich auch harsche Kritik an den vermeintlich zukunftsweisenden Verkehrskonzepten. Noch war die Zeit nicht reif für eine nachhaltige Diskussion über die Reduzierung des Autoverkehrs in Innenstädten.


Wenden auf der Autobahn

Autobahn auf der Höhe Heiligensee, 1987. Foto: Imago/Gerhard Leber
Autobahn auf der Höhe Heiligensee, 1987. Foto: Imago Images/Gerhard Leber

In den 1980er-Jahren schlief der Ausbau der Autobahnen kurzzeitig ein: West-Berlin hatte ein gut ausgebautes Netz von innerstädtischen Autobahnen, es gab den Berliner Ring und die Transitstrecken. Bis zur Wende passierte wenig. Erst nach dem Mauerfall wurde der gesamte Berliner Verkehr neu konzipiert, zahlreiche Autobahnen saniert und neue Strecken gebaut. Vor allem Richtung Osten.


A 115 – Kontrollpunkt Dreilinden

Autobahn A 115, ehemalige Tankstelle am Kontrollpunkt Dreilinden. Foto: Imago/Schöning
Autobahn A 115, ehemalige Tankstelle am Kontrollpunkt Dreilinden. Foto: Imago Images/Schöning

Die A 115, die sich die AVUS einverleibt hat, führt vom Zentrum in südwestlicher Richtung zum Berliner Ring. Wer nach Wannsee oder Zehlendorf will, nimmt diese Strecke. Sehenswert an der Autobahn ist dabei der Kontrollpunkt Dreilinden (Checkpoint Bravo), der heute zwar stillgelegt wurde, aber immer noch zu den außergewöhnlichsten Gebäuden in Berlin gehört.


Autofreier Sonntag

Berlin und die Autobahn: Fahrrad-Demonstration am autofreien Sonntag auf der Autobahn in Berlin, April 1995. Foto: Imago/Harald Almonat
Fahrrad-Demonstration am autofreien Sonntag auf der Autobahn in Berlin, April 1995. Foto: Imago Images/Harald Almonat

In den 1990er-Jahren wehte ein anderer Wind, die Kritik an Autobahnen und grenzenlosem Autoverkehr wuchs, die Positionen der Grünen wurden mehrheitsfähig und es entstand ein ökologisches Bewusstsein, dass tief in die deutsche Gesellschaft reichte. Zwar gilt bis heute noch oft der alte Slogan der ADAC-Nation „Freie Fahrt für freie Bürger“, doch genauso laut ertönen die Rufe nach Eindämmung des Stadtverkehrs, nach Umweltzonen, Umweltplaketten und Verkehrsberuhigung. Nicht nur der durch den massiven Individualverkehr verursachte CO2-Ausstoß ist aus der Sicht der Kritiker das Problem, sondern auch die Lärmbelastung und die riesigen Flächen, etwa für Parkplätze, die im Stadtraum exklusiv für Autos reserviert sind.


Autobahn in Ost-Berlin: Die A 114

Die A 114 in Pankow, Richtung Hamburg und Prenzlau, 2004. Foto: Imago/Steinach
Die A 114 in Pankow, Richtung Hamburg und Prenzlau, 2004. Foto: Imago Images/Steinach

Auch in Ost-Berlin wurden Autobahnen gebaut. So entstand ab 1973 im Norden der Stadt die heutige A 114. Sie verbindet das Dreieck Pankow mit dem Berliner Ring und ist heute Startpunkt für viele, die aus dem Ostteil der Stadt nach Hamburg, Prenzlau oder Stettin fahren wollen.

Das Autobahnteilstück ist nicht ans restliche innerstädtische Autobahnnetz der Stadt angebunden, etwa die A 100, und befindet sich seit Jahren in einem miserablen Zustand.


Die Stadtautobahn A 113

Berlin und die Autobahn
Unterwegs auf der A 113 im Britzer Tunnel. Foto: Imago/Schöning

Von der A 100 geht es in südöstlicher Richtung auf die A 113. Die Stadtautobahn gehört zu den ältesten in Berlin, der erste Abschnitt wurde bereits 1962 eröffnet. Sie verbindet das Autobahndreieck Neukölln mit dem Schönefelder Kreuz und ist damit die Autobahn, die zum neuen BER-Flughafen führt.


Die A 111

Flugzeug über der Autobahn A 111. Foto: Imago/Frank Sorge
Berlin und die Autobahn: A 111. Foto: Imago/Frank Sorge

Wenn man früher vom Flughafen Tegel abgeflogen ist oder dort ankam, standen die Chancen gut, sich danach auf der A 111 wiederzufinden. Die Autobahn führt vom Dreieck Charlottenburg Richtung Norden bis zum Kreuz Oranienburg.

Der Bau der Strecke begann tatsächlich bereits 1938, wurde aber 1940 wieder eingestellt. Der Krieg kam den NS-Verkehrsplanern dazwischen. Die Weiterführung der Arbeiten erfolgte dann erst 1965, bis in die frühen 1980er-Jahre wurden zahlreiche Abschnitte eröffnet. Auch die A 111 befindet sich in einem schlechten Zustand und wird ab 2021 umfassend saniert.


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