Geschichte

Melancholische Winter-Fotos: 12 Eindrücke aus dem geteilten Berlin

Berlin im Winter kann ziemlich unangenehm sein: Kälte, Matsch, eisiger Wind – aber man wartet oft vergeblich auf richtigen Schnee. Auch zur Zeit der Teilung war der Winter eine triste Angelegenheit. Graue Straßenzüge, leere Plätze – und Menschen, die den Elementen ausgesetzt sind. Ein Rest Melancholie blieb immer, trotz aller winterlicher Romantik.

Aber dieses Gefühl kann auch schön sein, vor allem in der Erinnerung. Und wir erinnern uns gern. 12 melancholische Winter-Fotos vom geteilten Berlin zeigen wir euch hier, entstanden in Ost- und West-Berlin zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren.


Marx und Engels im Nebel

Berlin Winter: Marx-Engels-Forum im Nebel, Winter 1986/87. Foto: Imago Images/Christian Thiel
Marx-Engels-Forum im Nebel, Winter 1986/87. Foto: Imago/Christian Thiel

Die Vordenker des Kommunismus blicken auf den Fernsehturm. Das Marx-Engels-Forum ist hier im Winter 1986 in Nebel getaucht. Vermutlich ist noch früher Morgen an einem Sonntag, denn der Platz ist menschenleer.


Betriebswerk Wannsee

Betriebswerk der S-Bahn in Wannsee, Winter 1987. Foto: Imago Images/Jürgen Heinrich
Betriebswerk der S-Bahn in Wannsee, Winter 1987. Foto: Imago/Jürgen Heinrich

Blick vom längst abgetragenen Überführungsbauwerk der 1961 mit dem Bau der Mauer eingestellten “Friedhofsbahn”. Die als Teil des Berliner S-Bahnnetzes betriebene “Friedhofsbahn” führte einst von Berlin-Wannsee über Dreilinden nach Stahnsdorf, wo sich bis heute der Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf befindet. Der Friedhof gehört dem Land Berlin, befindet sich aber in Brandenburg.


NVA-Soldat mit Freundin

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Ein NVA-Soldat mit Freundin läuft im Schneetreiben, Januar 1987. Foto: Imago/Christian Thiel

Schneetreiben in Prenzlauer Berg. Ein winterlicher Tag in Berlin im Januar 1987, der Fotograf Christian Thiel hält ein junges Pärchen, einen NVA-Soldaten und dessen Freundin (oder Ehefrau?) mit seiner Kamera fest.


Schneepflug im Stadion

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Der Platz wird für ein Spiel von Hertha BSC Berlin geräumt, Winter 1972. Foto: Imago/WEREK

Hier schlug fast 40 Jahre lang das Fußballherz der Stadt, denn im 1923 erbauten Stadion am Gesundbrunnen spielte bis in die frühen 1970er-Jahre Hertha BSC. Das Stadion zwischen Behm- und Bellermannstraße, unweit des S-Bahnhofs Gesundbrunnen, wurde verkauft, nachdem Hertha in eine finanzielle Schieflage geriet. 

1974 folgte der Abriss des von den Berlinern „Plumpe“ genannten Stadions. Auf dem Areal wurde eine Wohnsiedlung errichtet, heute erinnern Skulpturen von Fußballspielern an die ehemalige Spielstätte. Das Stadion gehört zu den legendären Berliner Orten, die nicht mehr existieren.


An der Bernauer Straße mit Versöhnungskirche

Blick über die Berliner Mauer im Winter 1985 an der Bernauer Straße mit der Versöhnungskirche auf dem Grenzstreifen, kurz vor deren Abriss. Foto: Imago/Imagebroker

Auch die Versöhnungskirche ist ein legendäres Bauwerk, das heute nicht mehr existiert. Das evangelische Gotteshaus stand von 1892 bis 1985 an der Bernauer Straße 4. Damit befand sie sich exakt auf der Grenze zwischen Wedding und Mitte und nach dem Kriegsende folglich genau zwischen dem französischen und dem sowjetischen Sektor. 

Nach dem Bau der Mauer im August 1961 wurde die Kirche, die de facto auf dem Todesstreifen stand, geschlossen. Teilweise nutzten sie Grenzsoldaten als Wachturm. Im Januar 1985 ließ die DDR-Regierung den nutzlos gewordenen Kirchenbau sprengen. Am 9. November 2000 wurde auf den Fundamenten der verschwundenen Versöhnungskirche die architektonisch spektakuläre Kapelle der Versöhnung eröffnet.


Über den Dächern von Prenzlauer Berg

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Blick über den Prenzlauer Berg, Januar 1987. Foto: Imago/Christian Thiel

Ende der 1980er-Jahre entstand in den maroden Altbauten in Prenzlauer Berg eine lebendige Subkultur. Künstler, Musiker und Literaten zogen in die bloß mit Kohleöfen und Außentoiletten ausgestatteten Wohnungen, die Bohemiens mischten sich unter die Arbeiter und Alteingesessenen und trugen zum Mythos Prenzlauer Berg ein.

Davon ist heute in dem komplett gentrifizierten Bezirk kaum noch etwas zu spüren. Einst spielten Punkbands auf Brachen, Maler stellten in leeren Dachgeschossen aus und die Partys waren legendär. Prenzlauer Berg in den 1980er-Jahren war eine völlig andere Welt.


Warten auf die S-Bahn

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S-Bahnhof Ernst-Thälmann-Park, ein melancholischer Eindruck im Berliner Winter, Februar 1987. Foto: Imago/Christian Thiel

Dieses Foto hätte von Harald Hauswald stammen können, dem großen Chronisten und von der Stasi verfolgten Fotografen, der Ost-Berlin und die DDR in seinen Fotografien festhielt wie kaum ein anderer.

Fotografiert hat diese Alltagsszene aber Christian Thiel: ein wartender Mann am S-Bahnhof Ernst-Thälmann Park. Heute heißt die Station wieder Greifswalder Straße, interessanterweise wurde der Bahnhof im späten 19. Jahrhundert unter dem Namen “Weißensee” eröffnet.


Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße

Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße, Februar 1987. Foto: Imago/Christian Thiel

Unweit des S-Bahnhofs mit dem wartenden Mann steht die Mitte der 1980er-Jahre fertiggestellte Wohnsiedlung, zu der neben Wohnhäusern ein Park, Schwimmhalle, Gaststätten und das Zeiss-Großplanetarium gehören. Die Anlage wurde nach dem KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann benannt, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde.


6. Polytechnische Oberschule

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6. Polytechnische Oberschule “Karl-Friedrich Schinkel” an der Erich-Weinert-Straße in Prenzlauer Berg, Winter 1989. Foto: Imago/Seeliger

Prenzlauer Berg bietet sich bei melancholischen Foto-Listen einfach an. Diese Aufnahme entstand im Winter 1989 in der Erich-Weinert-Straße, am Straßenrand stehen Trabanten, die 6. Polytechnische Oberschule “Karl-Friedrich Schinkel” steht dort grau und noch in unsaniertem Zustand.


Der Fünfjahresplan

PKW und Passantin im winterlichen Berlin und ein Plakat zum Fünfjahresplan, Winter 1955. Foto: Imago/Marco Bertram

Diese Aufnahme führt ins geteilte Berlin der 1950er-Jahre – ein wegweisendes Jahrzehnt für die Stadt. Die Siegermächte teilten die Stadt direkt nach dem Krieg in Sektoren ein, nun mussten die Berliner damit leben lernen. Schutt und Trümmer waren noch überall sichtbar, aber gleichzeitig spürte man auf beiden Seiten der innerstädtischen Grenze Aufbruchstimmung. 


Weihnachtsbaum an der Sektorengrenze

Berlin Winter: Ein Grenzsoldat und ein Weihnachtsbaum an der Sektorengrenze, 15. Dezember 1966. Foto: Imago Images/Belga
Ein Grenzsoldat und ein Weihnachtsbaum an der Sektorengrenze, 15. Dezember 1966. Foto: Imago/Belga

Weihnachtsstimmung an der Sektorengrenze. Ein Soldat bewacht den Grenzübergang zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Sektor in Berlin. Die winterlich-melancholische Aufnahme entstand kurz vor dem Weihnachtsfest 1966.


Strausberger Platz

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Strausberger Platz/Stalinallee im winterlichen Berlin, 1955. Foto: Imago/Marco Bertram

Die heutige Karl-Marx-Allee, die Mitte mit Friedrichshain verbindet, ist eines der markantesten städteplanerischen Projekte der Nachkriegszeit. Die extrem breite und schnurgerade Promenade im Stil der Moskauer Paradeboulevards sollte die Überlegenheit des Sozialismus symbolisieren. Ihr Name von den 1950er-Jahren bis 1961: Stalinallee. 

Entlang der Straße entstanden in einer massiven Bauanstrengung die sogenannten „Arbeiterpaläste“. Im Zuckerbäckerstil errichtete Wohnblöcke, die heute als herausragende Beispiele für das Werk von DDR-Architekten in Berlin gelten. Bei den Bauarbeiten kam es zu massiven Unruhen, die zum Aufstand vom 17. Juni 1953 führten.


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Kennt ihr die hier? Berliner Sprüche, die immer gehen. Neu hier? An diese Dinge müssen sich Zugezogene in Berlin erstmal gewöhnen. Ihr lebt schon immer oder zumindest seit einer halben Ewigkeit hier? Diese Dinge kennt jeder, der im West-Berlin der 1980er gelebt hat. Besuche bei Berühmtheiten: Hier sind die Gräber von Größen wie Brecht, Juhnke und Knef. Wir blicken gern zurück – in unserer Rubrik zur Berliner Geschichte.

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