Berlin verstehen

Die Geschichte des Mauerbaus in Berlin in Bildern: Das geschah 1961

Am 13. August 1961 errichteten DDR-Grenztruppen befestigte Absperrungen zwischen Ost- und West-Berlin. An jenem Tag begann die Geschichte der Berliner Mauer, die 28 Jahre währen sollte. Es war ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt. Die Berliner und Berlinerinnen spürten den Kalten Krieg im Alltag: Straßen endeten urplötzlich in Sackgassen, Häuserfronten in Grenznähe wurden zugemauert, man konnte Freunde und Familie nicht mehr besuchten oder seinen Arbeitsplatz nicht mehr erreichen. Berlin war geteilt. Auf der einen Seite der Mauer herrschte das von Moskau kontrollierte SED-Regime, auf der anderen Seite hielten die Alliierten – US-Amerikaner, Engländer und Franzosen – die Stellung in der Frontstadt. 2021 jährt sich der Mauerbau zum 60. Mal. Diese 12 Fotos erzählen von der dramatischen Entwicklung in den Wochen rund um das schicksalshafte Datum.


Ost-Berlin sperrt die Sektorengrenzen

Die Ost-Berliner Behörden stoppen am 8. August 1961 die Flüchtlingsflut in den Westteil der Stadt. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Die Ost-Berliner Behörden stoppen am 8. August 1961 die Flüchtlingsflut in den Westteil der Stadt. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Die politische Lage in Berlin spitzte sich im August 1961 zu. Immer mehr Menschen flüchteten aus der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) in den Westteil der Stadt. Als Reaktion auf diese Entwicklung schlossen die DDR-Behörden am 8. August die meisten Grenzübergangsstellen zwischen den Sektoren und stoppten auf drastische Weise und mit Einsatz von uniformierten Truppen und militärischen Einsatzfahrzeugen vorerst den Flüchtlingsstrom in den Westen.


Stummer Protest in West-Berlin

Berlin Mauerbau: Tausende West-Berliner demonstrierten am 8. August 1961 gegen das kommunistische Fluchtverbot von Ost- nach West-Berlin. Foto: Imago/ZUMA/Keystone
Tausende West-Berliner demonstrierten am 8. August 1961 gegen das kommunistische Fluchtverbot von Ost- nach West-Berlin. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Die verschärfte Situation an den innerstädtischen Grenzen erzürnte die West-Berliner Bevölkerung. Am 8. August marschierten gut 4000 Menschen schweigend zum Schöneberger Rathaus, dem Sitz des Senats. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie „Wiedervereinigung bald!“ und „Freiheit für alle!“. Der stumme Protest hatte Symbolcharakter, auf die Pläne der DDR-Behörden hatte er keine Auswirkung. Doch noch wusste niemand, was wirklich geschehen wird.


Der 13. August 1961

13. August 1961: West-Berliner versammeln sich an der Grenze und schauen DDR-Grenzsoldaten bei den Bauarbeiten an neuen Grenzabsperrungen zwischen den beiden Teilen der Stadt zu. Foto: Imago/United Archives International
In Berlin beginnt der Mauerbau – 13. August 1961: West-Berliner versammeln sich an der Grenze und schauen DDR-Grenzsoldaten bei den Bauarbeiten an neuen Grenzabsperrungen zwischen den beiden Teilen der Stadt zu. Foto: Imago/United Archives International

Am Morgen des 13. August 1961 riegeln Volkspolizisten die Grenzen zum Sowjetsektor ab. Insgesamt sind 15.000 bewaffnete Kräfte der Volkspolizei, Grenzpolizei und Kampftruppen an dem Einsatz beteiligt. West-Berlin ist isoliert. Während neue Grenzbefestigungen hochgezogen werden, fliehen an dem Tag noch mehrere Hundert Personen über die Sektorengrenze in den Westen. Willy Brandt beruft eine Sondersitzung des West-Berliner Senats ein. Im Osten herrscht Verzweiflung, im Westen Wut.


Mauer vor dem Brandenburger Tor

Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor, 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath
Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor, 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath

Nach der Teilung Berlins befand sich das Brandenburger Tor plötzlich am Stadtrand, es gehörte zu der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), also Ost-Berlin, stand aber unmittelbar im Grenzgebiet und nach dem Mauerbau 1961 mitten auf dem Todesstreifen. Zwar hat die DDR die zerstörte Quadriga restaurieren und neu aufstellen lassen, doch blickte sie zeitweise in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Es war eine „Retourkutsche“ des SED-Regimes, gerichtet an den Systemfeind, die BRD. Hier ist die Geschichte des Brandenburger Tors.


US-Panzer am Checkpoint Charlie

Panzer der US Army am Checkpoint Charlie in Berlin, 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath
Panzer der US Army am Checkpoint Charlie in Berlin, 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath

Am 27. Oktober 1961 kam es am Grenzübergang Checkpoint Charlie zum Showdown, als sich amerikanische und sowjetische Truppen bewaffnet gegenüberstanden. Die Ereignisse dieses Tages verdeutlichen, wie angespannt die Beziehungen zwischen den beiden Staatenblöcken damals war. Denn der Anlass für die Eskalation, die mit einem wenig Pech zum Dritten Weltkrieg hätte führen können, war relativ lapidar: Ein amerikanischer Offizier, der zwecks eines Theaterbesuches nach Ost-Berlin reisen wollte, wurde von DDR-Grenzern festgehalten.


Absperrungen am Potsdamer Platz

Berlin Mauerbau: Die Volkspolizei errichtet Blockaden am Potsdamer Platz, Aufnahme vom Herbst 1961. Foto: Imago/ZUMA/Keystone
Die Volkspolizei errichtet Blockaden am Potsdamer Platz, Aufnahme vom Herbst 1961. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Nach dem Mauerbau im August 1961 wurde der Potsdamer Platz, einst der verkehrsreichste Ort Berlins, von den Stadtverwaltungen aufgegeben. Die noch existierenden Gebäude wurden Großteils abgerissen, selbst das legendäre Vox-Haus, das noch völlig intakt war, wurde 1971 gesprengt, weil sich keine Mieter dafür fanden. Die Mauer teilte den Platz, der bis zur Wende zu einem Unort wurde.


Flucht von Ost nach West

Fahndungsplakat an einer Litfaßsäule vor der Berliner Mauer an der Bernauer Straße, 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath
Fahndungsplakat an einer Litfaßsäule vor der Berliner Mauer an der Bernauer Straße, 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath

Nach dem Mauerbau begann in Berlin die Ära der spektakulären Fluchten und Fluchtversuche. Es wurden Tunnel gegraben, Seilbahnen von Häuserdächern geworfen und Ausreisepapiere gefälscht. Immer wieder flohen auch Grenzsoldaten über die 1961 noch relativ provisorisch gesicherte Grenze. Das Foto zeigt ein Fahndungsplakat an einer Litfaßsäule in der Nähe der Bernauer Straße, dahinter sieht man die Berliner Mauer.


Drama an der Bernauer Straße

Berliner Mauer an der Bernauer Straße - Westberliner und Ostberliner schauen sich über die Mauer hinweg an, September 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath
Berliner Mauer an der Bernauer Straße – Westberliner und Ostberliner schauen sich über die Mauer hinweg an, September 1961. Foto: Imago/Sabine Gudath

Als in einer Nacht- und Nebelaktion vom 12. auf den 13. August die Betriebskampfgruppen, Volkspolizei und Nationale Volksarmee die Sektorengrenze mit Stacheldraht und Steinwällen versperrten, geriet die Bernauer Straße in eine strategisch brisante Lage. An der Straße, die Wedding und Mitte trennt, wurde der Irrsinn des Mauerbaus auf besonders dramatische Weise deutlich. Während sich die Häuser auf Ost-Seite befanden, gehörte der Bürgersteig bereits zum Westen. Die Mauer riss Familien auseinander, zerstörte Lebenswege und zerschnitt die Stadt, hier wurde die Tragödie fassbar. Heute erinnert an jenem Ort die Gedenkstätte Berliner Mauer an die Berliner Mauer, das Symbol der Teilung Deutschlands.


Neuer Grenzverkehr zwischen Ost und West

Berlin Mauerbau: Ein amerikanisches Privatauto überquert den Grenzübergang an der Friedrichstraße, Oktober 1961. Foto: Imago/ZUMA/Keystone
Ein amerikanisches Privatauto überquert den Grenzübergang an der Friedrichstraße, Oktober 1961. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Mit dem Mauerbau veränderte sich alles in Berlin. Stadt- und Verkehrsplanung verliefen zwar schon zuvor parallel in Ost und West, doch mit der streng bewachten Grenze musste das gesamte Leben in der Stadt neu organisiert werden. Wer im Ostteil lebte, durfte nicht raus, für die West-Berliner und West-Berlinerinnen galten spezielle Einreisebestimmungen. Auch die Alliierten waren von den Maßnahmen betroffen. Hier passiert ein US-amerikanisches Fahrzeug den Kontrollpunkt Checkpoint Charlie.


Vertreter der NATO-Länder versammeln sich an der Mauer

11. November 1961: In West-Berlin sind Abgeordnete der 15 NATO-Staaten eingetroffen, um sich einen über die geteilte Stadt und die Mauer zu informieren. Es ist die größte internationale Parlamentsdelegation, die West-Berlin bis dato besucht hat. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Natürlich beschäftigte der Mauerbau in Berlin auch die Weltpolitik. Zwischen den Weltmächten USA und Sowjetunion herrschte eine angespannte Atmosphäre, mit diplomatischen Mitteln war der Krise aber nicht beizukommen. Man ließ die Teilung der Stadt zu. Im November 1961 reisten Delegierte aus 15 NATO-Staaten in die Mauerstadt und verschafftem sich persönlich einen Überblick. Doch auch sie konnten nichts ausrichten. Die Mauer blieb bis zum 9. November 1989 stehen.


NVA-Soldaten an der Friedrichstraße

12. Dezember 1961: Soldaten der Volksarmee stehen an der Grenze am Grenzübergang Friedrichstraße, dahinter sind Baumaßnahmen an der Berliner Mauer zu erkennen. Foto: Imago/ZUMA/Keystone
12. Dezember 1961: Soldaten der Volksarmee stehen am Grenzübergang Friedrichstraße, dahinter sind Baumaßnahmen an der Berliner Mauer zu erkennen. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Die ab dem 13. August 1961 errichteten Absperrungen und Zäune wurden mit der Zeit durch gemauerte Grenzanlagen ausgetauscht, um schließlich den berühmten Betonsegmenten zu weichen, die man heute mit der Berliner Mauer in Verbindung bringt. Die von westlicher Seite bunt bemalte Mauer wurde auf Ostseite von bewaffneten Grenzsoldaten und Wachhunden bewacht. Zu der „Berliner Mauer“ gehörte eine gewaltige Anlage aus Grenzwegen, Wachtürmen und der Hinterlandmauer, an der noch Jahre nach dem Tag des Mauerbaus gearbeitet wurde.


You are leaving the American Sector

Berlin Mauerbau: "You are leaving the American Sector", der Satz wird die geteilte Stadt in den kommenden 28 Jahren prägen, 1961. Foto: Imago/Glasshouseimages
Der Mauerbau veränderte Berlin: „You are leaving the American Sector“, der Satz wird die geteilte Stadt in den kommenden 28 Jahren prägen, 1961. Foto: Imago/Glasshouseimages

Die Berliner Mauer stand vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989. In diesen 28 Jahren entwickelten sich beide Teile der Stadt auf unterschiedliche Weise. Sozialismus hüben, Kapitalismus drüben. In West-Berlin wurde sie zu einer Sehenswürdigkeit, ein bunt bemaltes Kuriosum, über das man von Aussichtsplattformen in den Osten schauen konnte. Man lernte, mit ihr zu leben, irgendwann gehörte sie einfach dazu. In der DDR war die Mauer ein tödlicher Bau, an dem Dutzende Menschen beim Versuch ihn illegal zu überwinden, ihr Leben ließen. Auf beiden Seiten war die Mauer ein Symbol der Unfreiheit.


Mehr Berlin verstehen

Wir zeigen euch mehr Fotos, nämlich vom Kriegsende, und vergleichen Bilder von 1945 und 2020.Außerdem haben wir uns mit Beton und Brutalismus beschäftigt, da darf die Berliner Mauer nicht fehlen. Nun ist sie weg – und bei uns erfahrt ihr mehr über andere Bauwerke, die ebenfalls aus dem Stadtbild verschwunden sind. Wanderungen auf den Spuren der Geschichte: Wir waren auf dem Mauerweg unterwegs. Interesse am Blick zurück? Wir zeigen euch mehr aus der Berliner Geschichte.

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