Gedenken

12 Denkmäler für die Opfer der NS-Zeit in Berlin

In der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland mussten Millionen von Menschen ihr Leben lassen. Sie starben, weil ihre Ethnie, Religion, Sexualität, geistigen wie körperlichen Verfassung oder politische Überzeugung der menschenverachtenden Ideologie der Nazis widersprach. Zahlreiche Denkmäler in Berlin erinnern an diese Opfer und mahnen zugleich an den Wert und Schutz allen Lebens.


Mahnmal Gleis 17

Den Siegerentwurf lieferten die Architekten Nicolaus Hirsch, Wolfgang Lorch und Andrea Wandel. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter
Den Siegerentwurf lieferten die Architekten Nicolaus Hirsch, Wolfgang Lorch und Andrea Wandel. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Von diesem Gleis soll nie wieder ein Zug den Bahnhof Grunewald verlassen: Gleis 17 gehört zu denjenigen, von denen aus die ersten Deportationszüge Richtung Osten rollten. Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Zug mit 1013 Menschen Berlin. Ab 1942 wurden fast nur noch das Vernichtungslager Ausschwitz angefahren – allein dorthin fuhren vom Bahnhof Grunewald 35 Züge mit 17.000 Juden und Jüdinnen ab.

Mit diesem Mahnmal erinnert die Deutsche Bahn an diese Deportationen mit der Reichsbahn. Es besteht aus 186 in den Bahnschotter eigelassen Stahlgussplatten. Darauf sind in chronologischer Reihenfolge Datum, Anzahl der deportierten Juden und Jüdinnen und deren Bestimmungsort vermerkt.

  • Mahnmal Gleis 17 Am Bahnhof Grunewald, Grunewald

Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde

Der Gedenkort liegt nördlich des Philharmonie-Gebäudes auf der Fläche der früheren Bushaltestelle.
Der Gedenkort liegt nördlich des Philharmonie-Gebäudes. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Geleitet von der Wahnvorstellung, sie könnten über den Wert von Menschenleben urteilen, starteten die Nationalsozialisten ein Euthanasieprogramm. Es sah vor, Menschen mit physischen oder psychischen Behinderungen zu töten.

Das Denkmal erinnert an die Opfer der sogenannten Krankenmorde von 1939 bis 1945 und befindet sich am historischen Ort der Tiergartenstraße 4. Von hier aus wurde die systematische Ermordung von Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten sowie „rassisch“ und sozial unerwünschter Menschen organisiert.

  • Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde Tiergartenstraße 4, Mitte

Denkmal für die zur NS-Zeit verfolgten Homosexuellen

Foto: Imago Images /IPON
Das Denkmal wurde von dem dänisch-norwegischen Künstlerduo Elmgreen und Dragset entworfen. Foto: Imago Images /IPON

Männer, die Männer lieben und Frauen, die Frauen lieben, passten nicht zum nationalsozialistischen Idealbild einer „gesunden“ Gesellschaft aus gebärenden Müttern und kampfbereiten Familienvätern. Homosexuelle wurden von den Nazis rigoros verfolgt. Sie wurden jedoch erst mit einer Rede Richard von Weizsäckers 1985 in das öffentliche Gedenken miteinbezogen.

Im Großen Tiergarten, der größten und ältesten Parkanlage Berlins, erinnert ein großer Betonquader an diese Opfergruppe. Durch ein kleines Glasfenster ist der Film „Kuss ohne Ende“ von Gerald Backhaus zu sehen. Er zeigt in Dauerschleife sich küssende Frauen- und Männerpaare unterschiedlichen Alters.

  • Denkmal für die zur NS-Zeit verfolgten Homosexuellen Ebertstraße, Mitte

Mahnmal Levetzowstraße

Der Entwurf zum Mahnmal stammt von Jürgen Wenzel, Peter Herbich und Theseus Bappert. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter
Der Entwurf zum Mahnmal stammt von Jürgen Wenzel, Peter Herbich und Theseus Bappert. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Einst befand sich in der der Levetzowstraße in Moabit eine der größten Synagogen Berlins. Die Nationalsozialisten richteten dort 1941 ein Sammellager für Berliner Juden und Jüdinnen ein, die in die Konzentrationslager im Osten deportiert werden sollten. Am Standort der im Krieg zerstörten Synagoge erinnert ein Mahnmal an ihr Schicksal.

Es besteht aus mehreren Elementen: Auf der hohen Eisenwand sind die Daten von insgesamt 63 Transporten mit ihren Zielorten verewigt. Ein Wagon mit Rampe steht symbolisch für die Deportation. Und auf einer Betonplatte befinden sich gusseiserne Reliefs der 34 größten Berliner Synagogen.

  • Mahnmal Levetzowstraße Levetzowstraße 7-8, Moabit

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Ein Ort der Erinnerung an NS-Verbrechen, entworfen vom Architekten Peter Eisenmann. Foto: Imago Images/Hartenfelser

Es ist wohl Deutschlands bedeutendstes, größtes und eindrücklichstes Denkmal für die Holocaust-Opfer. Das Mahnmal erinnert an über sechs Millionen ermoderter Juden und Jüdinnen in Europa während der NS-Herrschaft.

Es besteht aus 2700 Beton-Stelen, die auf wellenförmigem Grund stehen und beim Begehen eine eindringliche Atmosphäre entfalten. Unter dem Mahnmal befindet sich der Ort der Information, ein Dokumentationszentrum für die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden.

  • Denkmal für die ermordeten Juden Europas Cora-Berliner-Straße 1, Mitte

Züge ins Leben – Züge in den Tod: 1938–1939

Der Bildhauer Frank Meisle gelangte einst selbst mit einem Kindertransport nache England. Foto: Imago Images/Schöning
Der Bildhauer Frank Meisle gelangte einst selbst mit einem Kindertransport nache England. Foto: Imago Images/Schöning

Direkt neben dem geschäftigen Bahnhof Friedrichstraße befindet sich eine Kindergruppe aus Bronze. Sie erinnert an das Schicksal vieler Kinder von 1933 bis 1945. Die fünf Figuren der einen Seite stehen für die etwa zwei Millionen Kinder, die in diesem Zeitraum den Tod fanden. Das Kinderpaar hinter ihnen erinnert an die von England aus organisierten Kindertransporte auf die Insel.

Dank dieser Initiative konnten zahlreiche jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich und der damaligen Tschechoslowakei vor der NS-Diktatur gerettet werden. Am 30. November 1938 verließ der erste Zug mit 196 Kindern den Bahnhof Friedrichstraße in Berlin.

  • Züge ins Leben – Züge in den Tod: 1938–1939 Georgenstraße 14, Mitte

Maria Regina Martyrum

Die Kirche wurde nach den Plänen von Hans Schädel und Friedrich Ebert unweit der Gedenkstätte Plötzensee erbaut. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter
Die Kirche wurde nach den Plänen von Hans Schädel und Friedrich Ebert erbaut. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Die katholische Kirche Charlottenburg ist den deutschen Christen gewidmet, die sich auf Grund ihres Glaubens der Ideologie des Nationalsozialismus widersetzt haben und dafür sterben mussten.

Die im brutalistischen Stil erbaute Kirche ist zur Hinrichtungsstätte Plötzensee ausgerichtet. Hier befindet sich auch das Grab des von den Nazis erschossenen Leiters der Katholischen Aktion, Erich Klausener und eine Gedenkstätte für den Dompropst Lichtenberg, der auf dem Weg in ein Konzentrationslager starb.

  • Maria Regina Martyrum Heckerdamm 230, Charlottenburg

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Foto: Imago Images/Christian Spicker
Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Sinti und Roma. Foto: Imago Images/Christian Spicker

Betritt man den Simsonweg im Großen Tiergarten, so entdeckt man einen Brunnen mit einer Stele in der Mitte, auf der stets eine frische Blume liegt. Aus von Bäumen verdeckten Lautsprechern erklingt ein Geigenklang. Es ist eine vom Musiker und Politiker Romeo Franz komponierte Melodie.

Das vom Künstler Dani Karavan entworfene Denkmal erinnert an die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Europa. Knapp eine halbe Million fanden in den Lagern den Tod.

  • Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Scheidemannstraße 5, Mitte

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Die Gedenkstätte ist im sogenannten Bendlerblock untergebracht. Foto: imago images/Winfried Rothermel
Der Bildhauer Richard Scheibe schuf die Bronzefigur eines nackten jungen Mannes mit gebundenen Händen. Foto: Imago Images/Winfried Rothermel

Jeder kennt die Geschichte des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler durch eine Gruppe um den Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944. Sogar Hollywood verfilmte „Stauffenberg“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Nur wenige Tage nach dem Anschlag wurden Stauffenberg und weitere Beteiligte im sogenannten Bendlerblock, dem damaligen Heeresamt sowie Planungsstätte der Widerstandsgruppe, erschossen.

Heute befindet sich dort die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Eine Bronzestatue, Gedenktafeln sowie eine Ausstellung erinnern an den gesamten deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und insbesondere an die mutigen Männer vom 20. Juli 1944.

  • Gedenkstätte Deutscher Widerstand Stauffenbergstraße 13, Mitte

Denkmal zur Erinnerung an den Rosenstraßen-Protest

Denkmal für die Frauen von der Rosenstraße, geschaffen von Ingeborg Hunzinger und 1995 eingeweiht. Copyright: Imago Images/imagebroker
„Frauenprotest 1943“ geschaffen von Ingeborg Hunzinger und 1995 eingeweiht. Foto: Imago Images/imagebroker

Mutig waren auch die Frauen von der Rosenstraße. Ihre jüdischen Ehehemänner und Väter, die wegen sogenannter Mischehen von der Verfolgung lange verschont blieben, wurden schließlich im Februar 1943 verhaftet. Man brachte sie in das ehemalige Gebäude der jüdischen Sozialverwaltung in der Rosenstraße 2-4. Eine Woche lang protestierten täglich rund 600 Frauen für ihre Freilassung.

Der Protest verlief friedlich und die Männer wurden tatsächlich freigelassen. Heute erinnert das Denkmal an die lebensgefährliche Aktion dieser Frauen.

  • Frauenprotest 1943 Rosenstraße, Mitte

Georg Elser Denkmal

Das 17m hohe Stahlprofil wurde von Ulrich Klages geschaffen. Foto: Imago Images/PEMAX
Das 17 Meter hohe Denkmal wurde von Ulrich Klages geschaffen. Foto: Imago Images/PEMAX

Georg Elser, ein schwäbischer Schreiner, war gegen Hitler und gegen den Krieg. Eine von ihm gebaute Zeitbombe sollte den Führer sowie den gesamte NS-Führungsstab bei einem Auftritt im Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 1939 ausschalten. Die NSDAP-Spitze verließ die Veranstaltung jedoch früher als geplant. Das Attentat ging schief, Elser wurde verhaftet und im KZ Dachau ermordet.

Die filigrane Stahlskulptur auf dem Areal des ehemaligen Führerbunkers zeigt die Silhouette des Gesichts des Widerstandskämpfers und leuchtet bei Dunkelheit beidseitig.

  • Georg Elser Denkmal Wilhelmstraße 49, Mitte

Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung

Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz nach dem Entwurf des israelischen Künstlers Micha Ullman. Foto: Imago Images/gezett
Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung nach dem Entwurf des israelischen Künstlers Micha Ullman. Foto: Imago Images/gezett

Am 10. Mai 1933 versammelten sich Studierende, Professor*innen und weitere Bürger*innen auf dem heutigen Bebelplatz, um bei musikalischen Begleitung von SA- und SS-Kapellen über 20.000 Bücher von hauptsächlich jüdischen, kommunistischen und liberalen Autor*innen zu verbrennen.

An dieses Ereigniss erinnert ein unterirdischer Raum, der in den Bebelplatz eingelassen ist und durch eine Glasplatte eingesehen werden kann. An den Wänden des weißen Raumes befinden sich leere Regale für 20.000 Bände.

  • Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung Bebelplatz 1, Mitte

Mehr Gedenken in Berlin

Vielen Berliner*innen ist das Konzentrationslager Sachsenhausen ein Begriff, ist es doch mit der S-Bahn in weniger als einer Stunde zu erreichen. Bei einem Spaziergang auf dem Gelände wandelt man nicht nur auf den Spuren vom Krieg, sondern erlebt auch den Umgang einer Stadt mit ihrem schwierigen geschichtlichen Erbe. Der 2. Weltkrieg wirkt an vielen Stellen in Berlin nach. An diesen wichtigen Orten wurde Geschichte geschrieben. Wie sich die Stadt seitdem verändert hat, zeigen diese Fotos vom Kriegsende und der heutigen Gegenwart.