Berliner Straßen

Friedrichstraße: Zeitreise in Fotos an die erste Adresse in Berlin

Kaum eine Straße symbolisiert Berlin so gut wie die Friedrichstraße. Berühmter als sie sind vielleicht nur die Prachtmeilen Kurfürstendamm und Unter den Linden. Die Hauptader der historischen Mitte hat eine bewegte Vergangenheit. Sie beginnt Ende des 17. Jahrhunderts, als ihr Namensgeber, Friedrich I., der König von Preußen, den Ausbau des Berliner Zentrums vorantrieb. Hier erzählen wir die Geschichte der Friedrichstraße entlang von 12 Fotos.


Trubel in der Kaiserzeit

Friedrichstraße in Berlin: Die Friedrichstraße um 1899.
Die Friedrichstraße um 1899. Foto: Imago/Imagebroker

Wir schreiben das Jahr 1899. Noch ist Groß-Berlin nicht entstanden, der Erste Weltkrieg noch lange hin. In der preußischen Metropole pulsiert das Leben, Pferdedroschken und Handkarren gehören zum Stadtbild. Die Kaiserzeit steht in ihrer Blüte, überall wird gebaut und das Berliner Kulturleben strahlt auf das gesamte Reich ab.

Mittendrin die Friedrichstraße, in der mit Edelsteinen und Gold gehandelt wurde, aber auch mit sexuellen Dienstleistungen. Die Straße war damals das Zentrum der Prostitution in Berlin und hier begegneten sich Berliner und Reisende, reich und arm. Ein echter Schmelztiegel.


Belebter Verkehrsknotenpunkt

Friedrichstraße in Berlin: Blick in die Friedrichstraße, um 1915.
Blick in die Friedrichstraße, um 1915. Foto: Images/Arkivi

Viele große Hotels, Restaurants, Modegeschäfte und Künstleretablissements residierten an der vornehmen Straße, in der es ein stetiges Kommen und Gehen gab. Der Erste Weltkrieg hat die gute Stimmung überschattet, doch um 1915 ging das Leben weiter. Die Kreuzung Friedrichstraße und Unter den Linden gehörte neben dem Potsdamer Platz zu den belebtesten Verkehrsknotenpunkten überhaupt.


Berlin bei Nacht

Friedrichstraße in Berlin: Berlin bei Nacht: Friedrichstraße am Café Imperator, um 1926.
Berlin bei Nacht: Friedrichstraße am Café Imperator, um 1926. Foto: Images/Arkivi

Nach dem Ersten Weltkrieg, dem Versailler Vertrag und dem Ende der Kaiserzeit veränderte sich auch die Friedrichstraße. Die deutsche Hauptstadt vereinte sich mit den umliegenden Gemeinden zu Groß-Berlin, zur drittgrößten Metropole der Welt – und die Friedrichstraße wurde zur urbanen Bühne einer modernen Großstadt. Kinos, Theater, Tanzlokale und andere angesagte Orte des Kultur- und Nachtlebens, wie etwa das Café Imperator (Foto), verschafften der Friedrichstraße einen berüchtigten Ruhm. Hier tanzte man in den Jahren der Weimarer Republik auf dem Vulkan.


Hakenkreuze über der Friedrichstraße

Friedrichstraße in Berlin: Hakenkreuzfahnen in der Friedrichstraße, um 1939.
Hakenkreuzfahnen in der Friedrichstraße, um 1939. Foto: Images/Arkivi

Nach 1933 mussten viele Orte, in denen gegessen, getanzt und getrunken wurde, schließen. Die Party war zu Ende. Jüdische Künstler, Intellektuelle und Händler, die auch die Geschichte der Friedrichstraße prägten, gingen ins Exil oder wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Trotz der Hakenkreuzfahnen, die über vielen Geschäften wehten, behielt die Friedrichstraße ihre Bedeutung. Doch das Vergnügen, der Goldhandel und die sexuellen Ausschweifungen, für die die Friedrichstraße mal stand, fanden in der NS-Zeit ein jähes Ende.


Die Friedrichstraße im Zweiten Weltkrieg

Zerstörungen in der Friedrichstraße, Frühjahr 1945. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-J31405 / CC-BY-SA 3.0

Wie nahezu das gesamte Stadtzentrum litt auch die Friedrichstraße enorm unter den Luftbomben und der Schlacht um Berlin. Viele prächtige Bauten wurden komplett zerstört, die Trümmer begruben den alten Glanz. Die Friedrichstraße der alten Jahre verschwand und sollte sich lange nicht erholen. Von den berühmten Adressen sind unter anderem Das Haus der Schweiz und der Admiralspalast erhalten geblieben. Und auch die Weidendammer Brücke behielt ihren alten Charme.


Und der Zukunft zugewandt

Lenin-Ausstellung in der Berliner Friedrichstraße, 1952.
Lenin-Ausstellung in der Berliner Friedrichstraße, 1952. Foto: Imago/Marco Bertram

In der DDR wurde die Friedrichstraße bei den Aufbauarbeiten aufgrund ihrer historischen Bedeutung und zentralen Lage besonders behandelt. Hier entstanden zahlreiche Prestigebauten, etwa das Haus der tschechoslowakischen Kultur, das Internationale Handelszentrum und das Haus der sowjetischen Wissenschaften und Kultur, aber auch Cafés und neue Wohnhäuser sowie das legendäre Kabarett Die Distel.

1952 organisierten man in der Friedrichstraße eine Ausstellung zu Ehren von Lenin (Foto). Der junge SED-Staat wollte die von Kaiserzeit und Weimarer Republik geprägte Straße in eine sozialistische Prachtmeile verwandeln. Das ist nur mäßig gelungen, auch weil die Friedrichstraße geteilt wurde. Wie Berlin mit der Mauer und nach dem Mauerfall aussah, seht ihr in unserer Fotogalerie.


Mauerbau und der Checkpoint Charlie

Friedrichstraße in Berlin: Grenzkontrollpunkt Friedrichstraße, 13. Dezember 1961.
Grenzkontrollpunkt Friedrichstraße, 13. Dezember 1961. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-88832-0004 / Stöhr / CC-BY-SA 3.0

Nach der Teilung Berlins in vier alliierte Sektoren und dem Mauerbau im August 1961 befand sich die Friedrichstraße plötzlich in zwei verfeindeten politischen Systemen, die durch den berühmten Grenzübergang Checkpoint Charlie verbunden waren. Hier stieß der West-Bezirk Kreuzberg, der zum US-Sektor gehörte, auf den von den Sowjets kontrollierten Ost-Bezirk Mitte.

Somit teilte sich die Friedrichstraße in ein längeres und wichtigeres Stück in Ost-Berlin und ein kürzeres und wenig bedeutendes in West-Berlin. Der Grenzübergang ging in die Weltgeschichte ein. Es war der symbolträchtige Ort, wo sich in den Tagen des Mauerbaus amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstanden.

Später entstand am Checkpoint Charlie das Mauermuseum, in dem die Fluchtversuche aus der DDR in den Westen dokumentiert wurden. Heute ist der Ort eine beliebte Sehenswürdigkeit in Berlin.


Grenzverkehr zwischen Ost und West

Grenzübergang Friedrichstraße, 4. November 1972.
Grenzübergang Friedrichstraße, 4. November 1972. Foto: Imago/SMID Berlin

Der Tränenpalast direkt am Bahnhof Friedrichstraße war der Ort, wo sich West-Besucher von ihrer Ost-Verwandtschaft trennten. Weil dabei Tränen vergossen wurden, bekam er den traurigen Beinamen. Auch der Bahnverkehr war hier einzigartig, so hielt etwa die West-Berliner U-Bahn-Linie 6 auf dem zu Ost-Berlin gehörendem Bahnhof. Man konnte in die S-Bahn umsteigen und im Intershop billige Zigaretten kaufen. Der Grenzverkehr von West nach Ost normalisierte sich in den frühen 1970er-Jahren mit der so genannten Passierschein-Regelung.


Der Friedrichstadt-Palast

Ballett des Friedrichstadtpalastes, 1985.
Ballett des Friedrichstadtpalastes, 1985. Foto: Imago/Gueffroy

Vergnügen, Show und Friedrichstraße, das passt einfach zusammen, und das wusste man auch in der DDR. So wurde 1984 auf dem Grundstück 107 das heute längst legendäre Revue-Theater Friedrichstadt-Palast errichtet. Es stand, zumindest dem Namen nach, in der Tradition des alten Friedrichstadt-Palastes, dessen Geschichte bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichte.


Wende und Neubau

Checkpoint Charlie und die große Baustelle, 1998.
Checkpoint Charlie und die große Baustelle, 1998. Foto: Imago/Christian Ditsch

Nach der Wende wuchs die Friedrichstraße zusammen, das Areal um den Grenzübergang Checkpoint Charlie wurde neu geplant, aber auch rund um den Bahnhof entstanden zahlreiche Neubauten. Der Charakter der gesamten Straße veränderte sich. Das Leben pulsierte wieder in Berlins historischer Ader.

Der Admiralspalast wurde wiedereröffnet, das Dussmann Kulturkaufhaus versorgt die Berliner mit Büchern und Platten, neue Bürogebäude wie das Spreedreieck schossen in die Luft und besonders vornehm wurde es auf Höhe der Französischen Straße, wo sich unter anderem die Galerie Lafayette angesiedelt hat.


Der neue alte Glanz

Friedrichstraße in Berlin: Beleuchtete Fassaden am Quartier 206 in der Friedrichstraße.
Beleuchtete Fassaden am Quartier 206 in der Friedrichstraße. Foto: Imago/Imagebroker

In den 1990er Jahren erstrahlte die Friedrichstraße wieder im neuen alten Glanz. Teure Kaufhäuser und Modegeschäfte zogen in die neuen Gebäude ein, spektakuläre Einkaufstempel wie das Quartier 206 (Foto) entstanden. Unweit des Gendarmenmarktes entstand ein lebendiges Stadtzentrum, wo eingekauft, gegessen und gearbeitet wird.

Die Kultur findet jenseits der Querachse Unter den Linden statt und nur das kleine Kreuzberger Ende dämmert noch weiter im Dornröschenschlaf. Obwohl sich mit dem Neubau des taz-Hauses und einigen interessanten Sozialbauprojekten auch dort etwas getan hat.


Das Herz der Stadt

Bahnhof Friedrichstraße, 2020.
Bahnhof Friedrichstraße, 2020. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Wie so viele andere berühmte Orte in der Stadt gehört die Friedrichstraße natürlich auch den Berlin-Besuchern. Aber sie hat immer noch einiges für die Berliner zu bieten: Die Nähe zu den wichtigen Theatern, wie Berliner Ensemble und Deutsches Theater, die Nachbarschaft zur Humboldt-Universität, die Museumsinsel, die nicht weit weg ist.

All das macht die Friedrichstraße wichtig und einzigartig. Sie hat viel erlebt, war ganz oben und auch ganz unten. Hier spielten sich echte Dramen ab und auch literarische und man sagt nicht zu viel, wenn man sie zum Herz dieser Stadt erklärt.


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