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Ministerium für Staatssicherheit: Die Geschichte der Stasi-Zentrale in Bildern

Die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi-Zentrale) und alles, was in ihrem Inneren geschah, unterlag in der DDR strengster Geheimhaltung. Heute befindet sich dort unter anderem die Ausstellung „Einblick ins Geheime“ des Stasi-Unterlagen-Archivs und das Stasimuseum Berlin, als Teil des Areals „Stasi-Zentrale.Campus für Demokratie“. Der Ort erinnert an die staatliche Überwachung und Kontrolle im SED-Staat. Hier erzählen wir die Geschichte der Stasi-Zentrale in Bildern. Von den Anfängen in der Stalin-Ära bis zum Sommerkulturprogramm „Campus-Kino. Filme in der Stasi-Zentrale“ im Sommer 2022.


Luftbild der Stasi-Zentrale

Luftbild der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg mit Blick auf den zentralen Innenhof. Foto: Bundesarchiv
Luftbild der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg mit Blick auf den zentralen Innenhof. Foto: Bundesarchiv

Der Komplex, der sich heute „Stasi-Zentrale.Campus für Demokratie“ nennt, hat seinen Ursprung in den 1930er-Jahren. 1950 zog das neu gegründete Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in das Gebäude des Finanzamtes Lichtenberg ein. Das einige Jahre später errichtete Haus 1, in dem sich heute das Stasimuseum befindet, war knapp 30 Jahre lang Sitz des amtierenden Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke.


Hinweisschild am Haus 2

Das Areal war von Anfang an offizieller Sitz des Ministeriums für Staatssicherheit. Hier das entsprechende Hinweisschild am Haus 2 – heue Sitz des Finanzamtes Lichtenberg. Ca. 1955. Foto: Bundesarchiv
Das Areal war von Anfang an offizieller Sitz des Ministeriums für Staatssicherheit. Hier das entsprechende Hinweisschild am Haus 2 – heue Sitz des Finanzamtes Lichtenberg. Das Foto entstand circa 1955. Foto: Bundesarchiv

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wurde 1950 gegründet, es ging mit der Abkürzung „Stasi“ unheilvoll in die deutsche Geschichte ein. Das Ministerium diente zugleich als Geheimpolizei, Nachrichtendienst und Regierungsinstrument der SED. Es war eine der mächtigsten, wenn nicht die mächtigste Institution in der DDR. Allein 1989, im letzten Jahr des Arbeiter- und Bauernstaates, verfügte es über knapp 100.000 offizielle Mitarbeiter und zwischen 100.000 und 200.000 sogenannte IM (inoffizielle Mitarbeiter).


Mielke, Ulbricht, Honecker

Erich Mielke, seit 1957 Minister für Staatssicherheit, zusammen mit Walter Ulbricht und Erich Honecker bei einer Festveranstaltung zum 20. Jahrestags des Ministeriums für Staatssicherheit. 1970. Foto: Bundesarchiv
Erich Mielke (links), ab 1957 Minister für Staatssicherheit, zusammen mit Walter Ulbricht (rechts) und Erich Honecker bei einer Festveranstaltung zum 20. Jahrestags des Ministeriums für Staatssicherheit im Jahr 1970. Foto: Bundesarchiv

Bis zu seinem Rücktritt 1989 war Erich Mielke einer der Hauptverantwortlichen für den Ausbau der Sicherheitsorgane der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR und dem damit verbundenen flächendeckenden Kontroll-, Überwachungs- und Unterdrückungssystem des Ministeriums für Staatssicherheit, dem er von 1957 bis 1989 vorstand.


Delegation aus Syrien

Haus 1, in dem sich heute das Stasimuseum befindet, war als Sitz des Ministers auch Ziel von Besuchern aus aller Welt. Hier stellt Erich Mielke einer Delegation aus Syrien seine Mitarbeiter vor. Um 1968.Foto: Bundesarchiv
Haus 1, in dem sich heute das Stasimuseum befindet, war als Sitz des Ministers auch Ziel von Besuchern aus aller Welt. Um 1968. Foto: Bundesarchiv

Die Verflechtungen des Ministeriums für Staatssicherheit mit international operierenden Terrorregimes und Terrororganisationen könnte Stoff für zahlreicher Hollywood-Thriller bieten. Es gab Kontakte zur RAF und zu den Revolutionären Zellen in der BRD, ebenso zu Ilich Ramírez Sánchez alias „Carlos“, dem weltweit agierenden venezolanischen Terroristen. Immer wieder benutzten die Terroristen auch syrische Pässe, da die bilateralen Beziehungen zwischen Syrien und der DDR sehr gut waren. Auch dafür spricht dieses Foto, auf dem Erich Mielke einer Delegation aus Syrien seine Mitarbeiter vorstellt.


20. Jahrestag des Ministeriums für Staatssicherheit

An Festtagen wurden hohe Gäste wurden in der Stasi-Zentrale durch eine Ehrenkompanie des Wachregiments "Feliks E. Dzierżyński" und jubelnde Stasi-Mitarbeiter empfangen. Hier Erich Honecker zum 20. Jahrestag des Ministeriums für Staatssicherheit, 1970. Foto: Bundesarchiv
Erich Honecker zum 20. Jahrestag des Ministeriums für Staatssicherheit, 1970. Foto: Bundesarchiv

Die Stasi-Zentrale gilt als Sinnbild des Unrechtsstaats DDR. In den Gefängnissen der Stasi wurde gefoltert, die Verhöre waren unmenschlich, Regimefeinde und sonstige Systemkritiker „verschwanden“ hinter den Mauern und tauchten manchmal nach Jahren oder nie wieder auf. Doch all das geschah hinter verschlossenen Türen, die Bevölkerung bekam von den Machenschaften der Stasi nur wenig mit und nach außen hin herrschte feierlicher Ernst. So wie an Festtagen, wie dem 20. Jahrestag des MfS. Hier wurden hohe Gäste in der Stasi-Zentrale durch eine Ehrenkompanie des Wachregiments „Feliks Dzierżyński“ und jubelnde Stasi-Mitarbeiter empfangen.


Erweiterung des Komplexes in den 1970er-Jahren

Erweiterung der Stasi-Zentrale, 1977/78. Foto: Bundesarchiv
Erweiterung der Stasi-Zentrale, 1977/78. Foto: Bundesarchiv

Für die enorme Erweiterung des Komplexes in den 1970er-Jahren erfolgte die Umsiedlung der Neuapostolische Kirche – die Stasi-Zentrale gilt heute als Inbegriff des DDR-Machtapparats. An der Straßenecke Frankfurter Allee/Ruschestraße entstand zwischen 1975 und 1978 Haus 15 (Foto). Hier residierte die Hauptverwaltung A – die Auslandsspionage der Stasi. Es bot etwa 35.000 Quadratmeter Fläche für mehr als 1000 Räume.


Wachregiment „Feliks Dzierżyński“

Auch der Innenhof wurde für Zeremonien der Stasi genutzt. Zum 35. Jahrestag des Ministeriums salutiert Erich Mielke einer Ehrenformation des Wachregiments der Stasi „Feliks E. Dzierżyński“. 1985. Foto: Bundesarchiv
Auch der Innenhof wurde für Zeremonien der Stasi genutzt. Zum 35. Jahrestag des Ministeriums salutiert Erich Mielke einer Ehrenformation des Wachregiments der Stasi „Feliks E. Dzierżyński“. 1985. Foto: Bundesarchiv

Schon den Namensgeber des Wachregiments „Feliks E. Dzierżyński“ war eine finstere Figur der Geschichte. Der Gründer der sowjetrussischen Geheimpolizei „Tscheka“ stand dem Regiment Pate, ab 1954 gehörte der militärische Verband zu den bewaffneten Organen der DDR, unterstand jedoch direkt dem Ministerium für Staatssicherheit und nicht der Nationalen Volksarmee (NVA). So überwachte das Wachregiment „Feliks E. Dzierżyński“ etwa den Mauerbau im August 1961.


Stasi-Zentrale, Ende der 1980er-Jahre

Blick auf das Gelände der Stasi-Zentrale, 1985. Foto: Bundesarchiv
Blick auf das Gelände der Stasi-Zentrale, 1985. Foto: Bundesarchiv

In den späten 80er Jahren umfasste die Stasi-Zentrale dutzende Gebäude. Neben dem bekannten Teil zwischen Normannenstraße und Frankfurter Allee, gehörten auch die Hochhäuser und Bürogebäude an der Gotlindestraße, hier hinter dem Stadion zu sehen, zum „Zentralen Dienstkomplex Normannenstraße“.


Die Stasi-Zentrale wird gestürmt

Besetzung der Stasi-Zentrale am 15.1.1990. Foto: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter
Besetzung der Stasi-Zentrale am 15.1.1990. Foto: Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter

Am 15. Januar 1990 besetzten Demonstranten das Gebäude, es entstand eine Bürgerbewegung zur Auflösung des MfS, die den Erhalt der Originalräume und -akten ermöglichte. Im November desselben Jahres gründet sich auch der Verein Antistalinistische Aktion Berlin-Normannenstraße e. V. und es geschah etwas, das jahrzehntelang undenkbar war: Die Öffentlichkeit durfte das Gebäude betreten.


Das Stasi-Unterlagen-Archiv

Akten von Inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi im Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin. Foto: Bundesarchiv/Mulders
Akten von Inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi im Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin. Foto: Bundesarchiv/Mulders

Nach dem Fall der Mauer entstand das „Monument der Überwachung“: Das Stasi-Unterlagen-Archiv. Die Institution verwahrt 111 Kilometer Unterlagen, erobert in der friedlichen Revolution durch Bürgerinnen und Bürger. Heute liegt etwa die Hälfte dieser Akten auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale im Archiv und dient der Aufklärung von Repression – für Betroffene ebenso wie für zukünftige Generationen.


Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“

Das Büro des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, befindet sich in der zweiten Etage des Stasimuseums. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Das Büro des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, befindet sich in der zweiten Etage des Stasimuseums. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Seit Januar 2015 können sich Besucher in den Arbeitsräumen Mielkes und dessen Mitarbeitern die Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“ anschauen. Auf drei Etagen erfährt man von der Entstehung der Stasi und über ihre Entwicklung und die ausgefeilten Observationstechniken – und wie die Stasi ihr Ende nahm. Darüber hinaus geht es auch um Widerstandsbewegungen, die Arbeit der Opposition in der ehemaligen DDR und allgemeine Aspekte des politischen Systems.


Campus-Kino. Filme in der Stasi-Zentrale 

Auf dem Gelände findet seit 2020 jährlich „Campus-Kino. Filme in der Stasi-Zentrale“ statt. Foto: Bundesarchiv, Anna Witzel

Auf dem Gelände findet seit 2020 jährlich das „Campus-Kino. Filme in der Stasi-Zentrale“ statt. Gezeigt werden Spielfilme und Dokumentationen mit Bezug zur Staatssicherheit, zur Repression und zur Friedlichen Revolution. Im Rahmenprogramm gibt es Angebote für Kinder und Jugendliche, es finden Führungen statt, eine Bürgerberatung zur Akteneinsicht ist an den Filmabenden vor Ort. 2022 beginnt das Open-Air-Kino am 9. August, das vollständige Programm findet sich hier


  • Einblick ins Geheime – Ausstellung zum Stasi-Unterlagen-Archiv Normannenstraße 21a/Haus7, Lichtenberg, Tel. 030/2324 66 99, weitere Informationen gibt es hier

  • Stasimuseum Berlin Normannenstraße 20/Haus 1, Lichtenberg, Tel. 030/553 68 54, weitere Informationen gibt es hier

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