Historische Berliner Frauen

12 Berliner Frauen, die die Stadt prägten und Geschichte schrieben

Sind es nur weiße Männer, die Geschichte schreiben? Natürlich nicht. Die Geschichte Berlins ist auch die Geschichte von Frauen. Wir haben uns in die Biografien einiger besonders prägender Berlinerinnen vertieft. Schauspielerinnen, Künstlerinnen, Aktivistinnen und eine Pilotin: Hier sind 12 Berliner Frauen, die die Stadt geprägt haben.


„Ich gebe dem Publikum, was es will. In meinem Fall ist es Schönheit“ – Marlene Dietrich

Marlene Dietrich ist eine Berlinerin, die es bis nach Hollywood schaffte.
Marlene Dietrich ist eine Berlinerin, die es bis nach Hollywood schaffte. Foto: Imago Images/Prod.DB

Wer kennt sie nicht? Die berühmte Marlene Dietrich. Sie war eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen und Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, deren Ruhm international war. Geboren wurde sie am 27. Dezember 1901 als Marie Magdalene Dietrich in Schöneberg.

1929 war das Jahr, das ihr Leben verändern sollte: Sie wurde von Joseph von Sternberg für seine neue UFA-Produktion, die Verfilmung von Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“, gecastet. „Der blaue Engel“ war ein großer Erfolg und der Beginn von Marlene Dietrichs Karriere. Als sie 1932 schließlich bei den vierten Academy Awards als beste Hauptdarstellerin in „Marokko“ an Gary Coopers Seite für einen Oscar nominiert wurde, war die Berliner Frau schlagartig weltberühmt.

Berühmt ist Marlene Dietrich für ihre Auftritte im Hosenanzug. Ein Modetrend war geboren.
Berühmt ist Marlene Dietrich für ihre Auftritte im Hosenanzug. Ein Modetrend war geboren. Foto: Imago Images/Everett Collection

Mit ihrer extravaganten Kleidung und ihren Auftritten im Frack setzte sie neue Modetrends für Frauen. Ihr ganzes Leben lang legte Dietrich großen Wert auf ihr Erscheinungsbild. Ihre Schönheit, ihre langen Beine und ihre tiefe rauchige Stimme sah Dietrich als ihr großes Kapital.

Auch wenn sie nach ihrem Durchbruch aus Berlin fortging und nur wenige Male zurückkehrte, wurde sie nach ihrem Tod am 6. Mai 1992 in ihrer Heimatstadt beerdigt. Marlene Dietrich war ein Wunderkind Berlins. Ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Stubenrauchstraße ist eines der berühmtesten Gräber Berlins.


„Die Menschenrechte haben kein Geschlecht.“ – Hedwig Dohm

Feministin Hedwig Dohm galt als unscheinbar und hatte einen wachem Verstand. Bild: gemeinfrei

Als Hedwig Dohm, geborene Schleinger, am 20. September 1831 zur Welt kam, ahnte niemand, wie sehr diese Frau die Meinung der Gesellschaft spalten würde.

1872 erschien Hedwig Dohms erster feministischer Essay „Was die Pastoren von den Frauen denken“. Die Thesen prominenter Theologen, die in der Gesellschaft als Selbstverständlichkeit galten, zerlegte Dohm analytisch und scharfzüngig. Die fehlerhafte Logik stellte sie mit Ironie bloß. In den nächsten Jahren folgten weitere Veröffentlichungen, in denen Dohm die Gleichberechtigung forderte und radikal gegen das Konzept einer angeborene Natur der Frau argumentierte. Menschenrechte müssen für alle gelten, sonst müssten sie „Herrenrechte“ heißen, war Dohms Standpunkt.

Diese Gedenktafel in der Friedrichstraße 235 in Kreuzberg gedenkt der Berliner Frau Hedwig Dohm.
Diese Tafel an der Friedrichstraße 235 in Kreuzberg gedenkt Hedwig Dohm, einer prägenden Berliner Frauenaktivistin. Foto: OTFW/Wikimedia Commons

Von den „Herrenrechtlern“ wurde sie angegriffen und beschimpft. Zunächst distanzierte sich auch die deutsche Frauenbewegung von ihr: Dohms Forderungen wirkten zu radikal und zu umfassend. Zu dieser Zeit beschränkte sich die Frauenbewegung nämlich auf Verbesserungen im Alltag, die im Rahmen des Möglichen lagen. Den sozialen Rahmen kritisierten sie gar nicht erst. Dohm machte also als Einzelkämpferin weiter, auch wenn es sie belastete, dass ihre Texte außer Empörung scheinbar nichts in der Gesellschaft bewirkten.

Zeit ihres Lebens lehnte die Berlinerin den Begriff „Frauenrechtlerin“ für sich ab und nannte sich lieber „Radicale“. Als sie am 1. Juni 1919 im Kreis ihrer Familie starb, war ihre Forderung nach Wahl- und Stimmrecht für Frauen erfüllt. Nachdem am 30. November 1918 die gesetzliche Grundlage gelegt worden waren, durften Frauen in Deutschland das erste Mal bei einer reichsweiten Wahl im Januar 1919 ihre Stimme abgeben. Mit ihren Arbeiten war Hedwig Dohm Vorreiterin für viele Generationen der Frauenbewegung.


Berlins erstes „Fräulein Doktor“ – Elsa Neumann

Als erste Frau in Berlin durfte Elsa Neumann an der Universität zu Berlin promovieren.
Als erste Frau in Berlin durfte Elsa Neumann an der Universität zu Berlin promovieren. Bild: Ewald Thiel, gemeinfrei

Elsa Neumann war die erste Frau im Fach Physik, die an der Berliner Universität promovierte. Geboren wurde sie am 23. August 1872 in Berlin. Über ihre Kindheit ist wenig bekannt, doch sicher ist, dass sie nach ihrer absolvierten Ausbildung zur Lehrerin ab 1894 neun Semester lang Physik, Mathematik, Chemie und Philosophie an den Universitäten in Berlin und Göttingen studierte.

Zu dieser Zeit war es Frauen in Preußen noch untersagt, einem regulären Universitätsstudium nachzugehen. Deswegen musste Elsa Neumann sich von jedem Professor einzeln die Erlaubnis einholen, an den Vorlesungen teilnehmen zu dürfen. Sie erhielt mit spezieller Erlaubnis des Kulturministeriums 1898 schließlich die Genehmigung zur Promotion, welche sie im selben Jahr cum laude abschloss.

Elsa Neumann setzte sich für das Frauenstudium in Preußen ein

Elsa Neumann war sich während ihrer gesamten akademischen Karriere bewusst, dass sie eine Ausnahme war. Sie setzte sich dafür ein, dass ihr Lebensweg für alle möglich wird und Frauen in Preußen studieren können. Wohl wissend, dass nicht jede wie sie aus wohlhabendem Elternhaus kommen konnte, setzte sie sich auch für eine finanzielle Unterstützung des Frauenstudium ein. Deswegen gründete sie 1900 den Verein zur Gewährung zinsfreier Darlehen an studierende Frauen.

Mit ihrem Werdegang und ihrem Engagement für studierende Frauen legte die Berlinerin die Grundlagen für viele Frauen, die wie Neumann an die Universitäten strebten.


„Ich war eine progressive Frau, international eingestellt und daher pazifistisch“ – Alice Salomon

Soziale Frauenarbeit war Alice Salomons Passion, für die sie sich ihr leben lang einsetzte.
Soziale Frauenarbeit war Alice Salomons Passion, für die sie sich ihr leben lang einsetzte. Foto: Trans-Ocean News Service/Wikimedia Commons

Alice Salomon, geboren am 19. April 1872 in Berlin, hatte zwei Lebensaufgaben: soziale Frauenarbeit und die Bildung für Frauen. Die Berlinerin stammte aus einer gebildeten jüdischen Familie, in der soziales Engegament und der Einsatz für Arme zur Tradition gehörte.

Salomon war der Überzeugung, dass es für junge Frauen sinnvollere Tätigkeiten gäbe, als den ganzen Tag nur Decken zu besticken und Blumen zu arrangieren, während sie auf einen geeigneten Gatten warteten. Deswegen wendete sich Alice Salomon der sozialen Arbeit zu. Als 1893 in Berlin die Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit gegründet wurde, schloss sich Alice Salomon an. Für sie war es der Beginn des Engagements in der Frauenbewegung.

In ihrem Leben war sie an der Gründung vieler Gruppen und Bildungseinrichtungen beteiligt, von denen viele noch heute aktiv sind. Sie war eine wichtige Person für die soziale Arbeit, besonders im Bezug auf die Beteiligung von Frauen. Ab den 1980er Jahren wurde ihre Arbeit in Deutschlang durch die Benennung von Hochschulen, Verkehrswegen, Kinder- und Hilfseinrichtungen nach ihr gewürdigt. In Berlin wohl am prominentesten: die Alice-Salomon-Hochschule, die Studiengänge in den Bereichen Bildung, Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung anbietet.


„Mein Berlin, du bist einzig in deiner erregenden Atmosphäre“ – Claire Waldoff

„Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt!“ singt Claire Waldoff in frechem und unbekümmertem Ton 1911 auf einer kleinen Bühne irgendwo in Berlin. Sie ist eine Frau, die als echte Ur-Berlinerin gilt – obwohl sie im Oktober 1884 in Gelsenkirchen geboren wurde. Erst 1906 kam Claire Waldoff nach Berlin. Die Stadt lockte sie mit Theatern, Kleinkunstbühnen und Kabarett.

Der Durchbruch als Kabarettistin und Chansonette kommt über Nacht, als Claire Waldoff im Herrenanzug auftrat und ein Lied über einen liebestollen Erpel und sein „Schmackeduzchen“ sang. Schnell wurde die kesse Göre mit der rauen, unverwechselbaren Stimme und den feuerroten Haaren in ganz Berlin bekannt. Ihr Erfolg basierte auf ihrem einzigartigen Auftreten und Chansons im Berliner Dialekt.

Ein Bild der kessen Berliner Göre Claire Waldoff. Foto: Imago Images/United Archives International

Außerdem machte Claire Waldoff mit der Liebe Schlagzeilen. Die queere Berliner Frau lebte mit der gebürtigen Stuttgarterin Olly von Roeder zusammen. Die beiden Frauen standen nicht nur im Mittelpunkt des lesbischen Nachtlebens Berlins der 1920er Jahre, sondern führten ebenfalls einen Salon in Berlin, in welchem sich Lesben und andere queere Menschen zum kulturell-politischen Gedankenaustausch trafen.

Vor dem Friedrichstadtpalast steht eine Skulptur zu Ehren Claire Waldoff
Vor dem Friedrichstadtpalast steht eine Skulptur zu Ehren einer berühmten Berliner Frau: Claire Waldoff. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Mit ihrer offenen lesbischen Partnerschaft und dem großen Erfolg gehört Claire Waldoff zu einer für Berlin wichtigen Persönlichkeit, die man kennen sollte. Mit ihrem frechen Auftreten hat sie die Kulturlandschaft Berlins maßgeblich geprägt.


„Eigentlich habe ich mir immer gewünscht: […] ungesehen durch die Welt gehen“ – Jeanne Mammen

Diese Gedenktafel hängt an einem Haus auf dem Kurfürstendamm, in dem Jeanne Mammen einst lebte.
Diese Gedenktafel hängt an einem Haus am Kurfürstendamm, in dem Jeanne Mammen einst lebte. Foto: Imago Images/Kremming

Mit ihren ausdrucksstarken Bildern gehörte Jeanne Mammen zu den bekanntesten Berliner Malerinnen und Grafikerinnen der 1920er-Jahre.

Geboren wurde Jeanne Mammen 1890 in Berlin, wuchs jedoch in Paris auf. Erst 1915 kam die Berliner Frau aufgrund des Ersten Weltkriegs mittellos in ihre Heimatstadt zurück. Hier zog sie 1919 mit ihrer Schwester, die ebenfalls Malerin war, in ein Wohnatelier am Ku’damm und arbeitete als Zeichnerin für verschiedene Zeitschriften. Ihr Schaffen kam beim Publikum gut an, sodass sie von ihrer Kunst leben konnte und das bunte Treiben der 1920er-Jahre in ihren Bilder festhielt. Erst die Machtergreifung der Nationalsozialisten und die damit einhergehenden Verbote bedeuteten das vorzeitige Ende ihrer Karriere.

Trotz veränderten Zeichenstil blieb sich Jeanne Mammens immer selbst treu

In den Bilder Jeanne Mammens spiegeln sich die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Ihr Stil umfasste zarte, duftige Aquarelle, wie Kurt Tucholsky 1929 in der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“ schrieb. Mit präzisem Pinselstrich bildet Jeanne Mammen die jungen Frauen und Männer der Weimarer Republik ab. Während der NS-Zeit änderte sich ihre Kunst drastisch. Demonstrativ wendete sie sich der als „entartet“ gebrandmarkten abstrakten Kunst zu.

Jeanne Mammens Zeichnungen gehören zu wichtigen Gegenständen der Kunst aus der Weimarer Republik, den goldenen 1920er Jahren und der NS-Zeit. 2017 widmete die Berlinische Galerie Jeanne Mammen eine Retrospektive unter dem Titel „Die Beobachterin“.


“Kleine Gestalt, große Kämpferin” -Helene Weigel

Helene Weigels bekannteste Rolle war in Brechts Stück „Die Mutter“. Foto: Deutsche Fotothek‎/Wikimedia Commons

Die Schauspielerin und Theaterintendantin Helene Weigel wurde 1900 in Wien geboren und äußerte schon früh den Wunsch, Schauspielerin zu werden. 1921 kam sie nach Berlin, um am Staatstheater zu spielen und blieb bis 1933 erfolgreich Teil des Ensembles. Sie war außerdem an anderen großen Bühnen der Hauptstadt wie dem Deutschen Theater und der Volksbühne beschäftigt.

1923 lernte sie Bertolt Brecht kennen und spielte immer öfter Rollen in dessen Stücken. 1924 wurde ihr erstes gemeinsames Kind geboren, 1929 heirateten die beiden. Mit der Rolle der Pelagea Wlassowa in Brechts Stück „Die Mutter“ gelang Helene Weigel 1932 der große Durchbruch.

Helene Weigel erhält den Vaterländischer Verdienstorden im Oktober 1959.
Helene Weigel erhält den Vaterländischer Verdienstorden im Oktober 1959. Foto: Imago Images/ZUMA/Keystone

Mit der Machtergreifung Hitlers verließen Weigel und Brecht das Land. 1948 kehrten sie aus dem Exil zurück. Gemeinsam gründeten die beiden in Ost-Berlin das Berliner Ensemble, 1954 zog die Bühne an ihren heutigen Standort, ins Theater am Schiffbauerdamm. Brecht wurde künstlerischer Leiter des Berliner Theaters, seine Frau Weigel übernahm die Position der Intendantin, welche sie bis zu ihrem Lebensende ausführte. Daneben stand sie selbst weiterhin als Schauspielerin auf der Bühne. Sie hat mit ihrem künstlerischen Schaffen Berlin geprägt – und die Hauptstadt sie.


„Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind“ – Käthe Kollwitz

Käthe Kollwitz in fortgeschrittenem Alter neben einer Zeichnung ihrer selbst.
Käthe Kollwitz in fortgeschrittenem Alter neben einer Zeichnung ihrer selbst. Foto: Imago Images/United Archives

Käthe Kollwitz, geboren 1867 im damaligen Königsberg, gilt als „Künstlerin der Revolution“. 1891 heiratet sie und zog mit ihrem Mann nach Berlin. Bekannt wurde sie 1898 durch die Bilderfolge „Der Weberaufstand“, und avancierte zur bekanntesten Künstlerin des Kaiserreichs. Sie ließ sich von der klassenkämpferischen Stimmung mitreißen und festigte ihren Ruf als revolutionäre Künstlerin.

Der Tod ihres Sohnes war eine prägende Erfahrung für die Berliner Frau. Er hatte sich als Freiwilliger für den Ersten Weltkrieg gemeldet und starb in Flandern. Ihre kämpferische Begeisterung von früher war fort. Kollwitz wollte keine Zerstörung, keine Opfer mehr. Als Künstlerin der Revolution sah sie sich nicht mehr, pochte aber weiterhin auf die Unabhängigkeit und Freiheit der Kunst.

Diese zweiteilige Figurengruppe trägt den Namen "Trauerndes Elternpaar". Es ist Kollwitz im Krieg gefallenem Sohn gewidmet.
Diese zweiteilige Figurengruppe trägt den Namen „Trauerndes Elternpaar“. Es ist Kollwitz im Krieg gefallenem Sohn gewidmet. Foto: Imago Images/Belga

1919 wurde Kollwitz zum ersten weiblichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und unterrichtete als erste Frau dort als Professorin. Nachdem sie sich vom revolutionären Kampf entfernt hatte, richtete sie ihre künstlerische Arbeit vorwiegend auf humanitäre Zwecke aus.

Kollwitz sprach sich nach der Vereidigung Hitlers gegen die Nationalsozialisten aus und wurde in Folge zum Austritt aus der Akademie der Künste gezwungen. Mit Anstellung und Atelier verlor sie ebenfalls ihr regelmäßiges Einkommen. Ab 1936 galt für ihre Kunst zudem ein inoffizielles Ausstellungsverbot.

Nach all den Jahren in der Stadt musste sie 1943 Berlin verlassen, um sich vor Bombenangriffen zu schützen. Nur wenige Monate später wurde ihr Haus tatsächlich von einer Bombe getroffen und viele ihrer Werke werden zerstört. Am 22. April 1945 starb sie in Moritzburg bei Dresden.

Mit ihrer Kunst hat Käthe Kollwitz viele Menschen berührt und bewegt – bis in die Gegenwart. Eine Skulptur der Künstlerin steht gegenüber von ihrem ehemaligen Wohnhaus in Prenzlauer Berg. Der Platz heißt seit 1947 Kollwitzplatz.


„Ein Sozialdemokrat flieht nicht. Er steht zu seinen Taten und lacht ihrer Strafen“ –Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost über 40 Pfennig aus dem Jahre 1974.
Rosa Luxemburg auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost über 40 Pfennig aus dem Jahre 1974. Foto: Imago Images/Schöning

Rosa Luxemburg zählt wohl zu den bekanntesten Berliner Frauen. Sie ist Symbolfigur für Freiheit und Gleichheit, Vertreterin der Arbeiterbewegung und des Marxismus – ihr Wirken zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte die politische Geschichte Deutschlands.

Luxemburg, setzte sich für die Sozialdemokratie in ihrem Heimatland und in Deutschland ein. Ihre Feindbilder waren Nationalismus, Opportunismus und Revisionismus. Als Vorkämpferin der Arbeiterbewegung war ihr Ziel die „Freiheit der Andersdenkenden“.

Majestätsbeleidigung, „Aufreizung zum Klassenhass“: Mit ihrer antimilitaristischen Position und ihren Reden handelte sie sich immer wieder Haftstrafen ein, doch das hielt sie nicht davon ab, ihre Meinung kund zu tun. Heute wird diese komplexer eingeordnet. Pazifistin war sie nicht, der Staat war ein Feindbild.

Rosa Luxemburg gründete mit Karl Liebknecht die KPD

Bekannt ist Rosa Luxemburg neben Karl Liebknecht als Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands, kurz KPD, die aus dem Zusammenschluss des Spartakusbundes mit kleineren linksradikalen Gruppen entstand. Die KPD wollte die Errichtung des Kommunismus in Deutschland und zog so den Unmut der Presse und großer Teile der Bevölkerung auf sich.

Rosa Luxemburg wurde am 15. Januar 1919 von Soldaten des reaktionären Freikorps in einer Wohnung in Wilmersdorf aufgespürt. Nach einem Verhör, bei welchem sie und Karl Liebknecht misshandelt wurden, wurden sie weggebracht und erschossen. Rosa Luxemburgs Leichnam, der in den Landwehrkanal geworfen wurde, fand man erst Monate später. Nicht umsonst ist heutzutage ein Platz in Mitte nach ihr benannt, und seit 1987 steht am Katharina-Heinroth-Ufer, nahe der Lichtensteinbrücke, ein Denkmal zur Erinnerung an ihre Ermordung


„Fliegen ist notwendig, Leben nicht“ – Melli Beese

Melli Beese wollte schon früh hoch hinaus. Foto: gemeinfrei

Als Melli Beese am Tag ihres 25. Geburtstags im September 1911 ihre Pilotenprüfung auf dem Flugplatz in Johannisthal bestand, schrieb die junge Frau aus Dresden damit Fluggeschichte: Melli Beese war die erste Frau in Deutschland mit einer Fluglizenz.

1909 eröffnete in Johannisthal bei Berlin, im heutigen Bezirk Treptow-Köpenick, der erste deutsche Motorflugplatz. Mit seiner guten technischen Ausstattung erlangte er schnell internationale Berühmtheit. Viele deutsche und internationale Piloten wollten sich hier ausbilden lassen, so wie eben auch Melli Beese. Nach einigen Schwierigkeiten wurde sie schließlich von Hellmuth Hirth unterrichtet. Dieser war jedoch von der Untauglichkeit von Frauen in der Luftfahrt überzeug, und auch die anderen Schüler teilten diese Meinung.

Melli Beese durfte nur selten selbst in den Himmel aufsteigen. Ihre Rivalen sabotierten regelmäßig ihr Flugzeug, weswegen sie beispielsweise wegen Benzinmangels während ihrer Prüfung notlanden musste. Am Tag ihres 25. Geburtstags nahm Beese ihr Schicksal selbst in die Hand und legte vor zwei Fluglehrern anderer Fluggesellschaften ihre Pilotenprüfung ab. Sie bestand mit Bravour.

Ein historisches Flugzeug auf dem Flugplatz in Johannisthal.
Ein historisches Flugzeug auf dem Flugplatz in Johannisthal. Foto: Imago Images/Arkivi

Im Januar 1912 gründete sie schließlich zusammen mit dem Franzosen Boutard, der ihr erster Absolvent und späterer Ehemann werden sollte, ihre eigene Flugschule. Während des Ersten Weltkriegs wurden sie und ihre Ehemann aus Berlin ausgewiesen und verbrachten einige schreckliche Jahre.

Nach Kriegsende durften die beiden nach Berlin zurückkehren. Beese reichte eine Klage auf Schadensersatz für das beschlagnahmte Hab und Gut ein, letztlich wurde sie Opfer der Inflation. Auch ihre Ehe mit Boutard ging in die Brüche.

Das Fliegen wollte Beese jedoch nicht aufgeben. Als ihre Fluglizenz 1925 auslief, musste sie bei der Prüfung für eine neue Lizenz feststellen, dass ihr die technische Entwicklung davongeeilt war und sie mit den neuen Maschinen nicht klarkam. Die Prüfung endete in einer Bruchlandung und fortan durfte Beese nicht mehr fliegen. Mit 39 Jahren lebte sie allein in einer Pension, beraubt des Fliegens, ihrer Leidenschaft und ihres Lebensinhalts. Am 22. Dezember 1925 nahm sie sich schließlich selbst das Leben. Auf ihren Abschiedszettel schrieb sie „Fliegen ist notwendig, Leben nicht.“


Marga Meusel

Marga Meusels Gedenktafel hängt am einem Haus in Zehlendorf, in dem sie 21 Jahre arbeitete.
Marga Meusels Gedenktafel hängt am einem Haus in Zehlendorf, in dem sie 21 Jahre arbeitete. Foto: OTFW/Wikimedia Commons

Marga Meusel, die 1897 in Falkenberg im heutigen Polen geboren wurde, setzte sich während der NS-Zeit selbstlos für verfolgte Christen jüdischer Herkunft ein und arbeitete zu ihren Lebzeiten auf den verschiedensten Gebieten der kirchlichen Sozialfürsorge in der Landeskirche der Altpreußischen Union.

Von Anfang an lehnte Marga Meusel die nationalsozialistische Rassenideologie ab und forderte wiederholt eine zentrale kirchliche Hilfsstelle für christliche Nichtarier einzurichten. Ab 1941 half Meusel Verfolgten mit einer Unterkunft, Lebensmitteln und Ausweispapieren vor der Deportation und schilderte 1935 in einer Denkschrift die seelische und praktische Not evangelischer Christen jüdischer Herkunft.

Außerdem betonte sie in ihrer Denkschrift die Gleichstellung aller Getauften in der Kirche und forderte die Bekennende Kirche auf, eine Hilfsstelle einzurichten, obwohl sie sich der damit verbundenen Risiken bewusst war. Die Bekennende Kirche war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen, die sich gegen die Gleichschaltung der Deutschen Evangelischen Kirche mit dem Nationalsozialismus einsetzte. Für ihren Einsatz wurde sie 2006 in Jerusalem in der Gedenkstätte Yad Vashem als “Gerechte unter den Völkern” geehrt.


„Ich bin meine eigene Frau“ – Charlotte von Mahlsdorf

Charlotte von Mahlsdorf vor ihrem Haus in Berlin-Mahlsdorf.
Charlotte von Mahlsdorf vor ihrem Haus in Berlin-Mahlsdorf. Foto: Imago Images/Müller

Geboren wurde Charlotte von Mahlsdorf im März 1928 als Lothar Berfelde in Berlin Mahlsdorf. Sie gilt als wichtige Person der Schwulen- und Lesbenszene Ostberlins und ihr Museum für Gründerzeit war jahrelang Treffpunkt der queeren Menschen Berlins.

Schon früh interessiert sich Charlotte von Mahlsdorf für Frauenkleidung und Antiquitäten. So arbeitete sie beispielsweise ab 1942 in einem Trödelladen und erwarb bei Hausauflösungen Möbel, die später zur Grundlage ihres Gründerzeitmuseums wurden.

1958 erkor sie schließlich das mehr als 100 Jahre alte Gutshaus in Mahlsdorf zu ihrem neuen Projekt und fing an, das Haus instand zu setzen. Sie sammelte Möbel und Gegenständen von anderen Abrissbaustellen und stimmte die Inneneinrichtung der einzelnen Räume mit Möbelkatalogen und Einrichtungsratgebern aus 1890 und 1900 ab. Die erste Führung durch das nur zum Teil eingerichtete Gründerzeitmuseum fand im Jahr 1960 statt.

Rosa von Praunheim und Charlotte von Mahlsdorf bei den Dreharbeiten zum Film über von Mahlsdorf im Mai 1992.
Rosa von Praunheim und Charlotte von Mahlsdorf bei den Dreharbeiten zum Film über Mahlsdorf im Mai 1992. Foto: Imago Images/teutopress

Während der Zeit des getrennten Deutschlands hatte Charlotte von Mahlsdorf immer wieder mit der Stasi zu tun. Es wurde mehrfach gedroht, ihr das Museum abzunehmen. Als die Mauer fiel, wollte sie das Gutshaus ordnungsgemäß erwerben, doch erst 1992 wurde ihr das Haus offiziell übereignet. 1995 schloss sie ihr Museum in Mahlsdorf und siedelte nach Schweden über. Einen Teil ihrer Sammlung schenkte sie der Stadt Berlin, weswegen 1997 der Förderverein des Gutshaus Mahlsdorf das Gründerzeitmuseum wiedereröffnete.

Charlotte von Mahlsdorf starb am 30. April 2002 bei einem Besuch in Berlin. Trotz langer öffentlicher Debatten ist auf einer Gedenktafel im Park des Gutshauses ihr Geburtsname „Lothar Berfelde“, statt „Charlotte von Mahlsdorf“ zu lesen. Ihr verdankt Berlin nicht nur eine erstaunliche Sammlung an Gegenständen aus der Gründerzeit, sondern auch eine Frau, die sich Zeit ihres Lebens für Freiheit und Selbstbestimmung einsetzte.


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Frauen erfanden viele wichtige Gegenstände – wie beispielsweise den Kaffeefilter, den wir heutzutage nicht missen wollen. Hier sind 10 Erfindungen von Frauen: Vom Fallschirm bis zum Teilchenbeschleuniger.

Trotz der fortschrittlichen Leistungen dieser Berlinerinnen ist die Gesellschaft im 21. Jahrhundert noch weit von einer Gleichstellung von Mann und Frau entfernt. Warum Feminismus in der heutigen Zeit noch wichtig ist, lest ihr hier.

Berlin hat selbstverständlich nicht nur tolle Frauen hervorgebracht, aber diese 12 wichtigen Berlinerinnen prägen die Stadt in der Gegenwart. Ihr denkt ihr kennt alle Berliner Berühmtheiten? Hier ist der Check: Diese 12 berühmte Berliner Persönlichkeiten solltet ihr auf jeden Fall kennen.